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Gastkommentar : Das Ebitda vernebelt den Blick auf das Unternehmensergebnis

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Es war einmal vor langer Zeit, da erachteten die meisten Unternehmen ihre Umsätze, den Cash-flow und den Jahresüberschuss als die unantastbaren Maßstäbe ihrer Leistung - das seien die Zahlen, auf die sich auch die Anleger konzentrieren sollten. Dann, vor etwa zehn Jahren, entwickelten die Medien- und Technologieunternehmen ihren eigenen Leistungsmaßstab - eine Variation des Cash-flow, bekannt unter dem Namen Ebitda oder Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und (Firmenwert-)Amortisierungen. Auch die Telekommunikationsunternehmen passten sich recht bald an. Im Laufe der folgenden Jahre begannen die Branchen, die das Ebitda begeistert angenommen hatten, es als die im Gegensatz zum Jahresüberschuss geeignetere Gewinngröße anzupreisen.

          Die Begründung für die Verwendung des Ebitda war, dass diese Kennzahl das reflektiere, was im Kerngeschäft tatsächlich passiere. Ausgaben, die theoretisch ohne Bedeutung seien, würden ausgeklammert. Die Buchhalter, die diese Idee geboren haben, arbeiteten für Unternehmen, die hohe Schulden aufgetürmt hatten, um Akquisitionen zu finanzieren. Sie argumentierten nun damit, dass je nachdem ob in den Vorjahren Akquisitionen getätigt oder Verluste gemacht worden seien, die Steuerschuld variiere, so dass der Jahresüberschuss verzerrt würde. Zudem führten sie an, dass die Wertabschreibungen - die in Zeiten häufiger Übernahmen steigen - keinen realen Abfluss von Barmitteln bedeuten würden, und daher auch nicht die Gewinne künstlich vermindern dürften.

          Verschönerte Gewinne

          Und was ist mit den Zinszahlungen für die Schulden in Milliardenhöhe? Nun, das spiegele nicht wirklich wider, wie sich die Umsätze eines Unternehmens entwickelten, zumindest nicht in den Augen einiger Buchhalter. Diese Erklärung führt James Owers, Professor für Finanzen am Robinson College of Business der Georgia State University noch weiter aus: „Das Ebitda ist das, was die operativen Manager dem Leiter der Finanzabteilung aushändigen, damit er die Steuern und die Kreditzinsen zahlt.“

          Es zeigt sich aber auch, dass das Ebitda noch eine andere Aufgabe hat: Die Anleger von den übermäßig belastenden Schulden und den chronischen Kosten des Unternehmens in Relation zu seinen Gewinnen abzulenken. Gary J. Previts, Professor für Rechnungswesen an der Case Western Reserve University in Cleveland, ist aufgefallen, dass plötzlich zahlreiche Bilanz- und Finanzexperten tatsächlich begonnen haben, das Ebitda mit Skepsis zu betrachten. Als ein Trick, um die Gewinne aufzumöbeln. Auch Chuck Hill, Managing Director bei First Call/Thomson Financial und der Milliardär und Großinvestor Warren Buffett haben deutlich darauf hingewiesen, dass das Ebitda in erster Linie dazu diene, die Finanzergebnisse zu verschönern.

          Pamela Stumpp, Manager Director bei Moody's Investors Service erklärt, dass die Betonung auf das Ebitda oft irreführend sei, da es den Cash-flow zu sehr hervorheben könne und wenig, wenn nicht sogar überhaupt nichts, über die Gewinnqualität aussage. Dabei würden Veränderungen des Betriebskapitals ignoriert, die Hinweise darauf geben könnten, ob ein Unternehmen seine Mittel übersteige. Das Ebitda „kann vom Boden der Tatsachen abheben,“ meint Stumpp, die im Jahr 2000 einen Bericht über die Mängel des Ebitda verfasste, der zu der Zeit weite Kreise zog. „Es darf nicht als der hauptsächliche Bestimmungsfaktor des Cash-flow verwendet werden.“ Noch immer behandelten einige Unternehmen das Ebitda so, als ob es höher angesehen werden sollte, als der Cash-flow.

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