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Gastkommentar : Bei Biotech-Aktien zählt vor allem die Größe

  • -Aktualisiert am

Der Biotechsektor ist zwar ein Wachstumsfeld, aber es wird dominiert von einigen großen Unternehmen. Für S&P-Analyst Frank DiLorenzo gibt es gute Gründe, daß dies auch in Zukunft so bleibt.

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          Eine begrenzte Anzahl etablierter Biotechnologie-Unternehmen erzielt weiterhin die größten Umsätze und Gewinne in diesem Sektor. Nach Auffassung von Standard & Poor's wird sich diese Dominanz in den nächsten Jahren noch verstärken.

          Unseren Schätzungen nach gibt es derzeit rund 330 börsennotierte Biotechnologie-Unternehmen in Amerika. Bei steigendem Konsolidierungsdruck dürfte die Anzahl börsennotierter Biotechnologie-Unternehmen in den nächsten Jahren aufgrund von Übernahmen, Konkursen und ungünstigen Marktbedingungen für Börsengänge unverändert bleiben oder sogar sinken.

          In den letzten Jahren haben Amgen, Biogen, Chiron, Genentech und Genzyme General (ein Tochterunternehmen von Genzyme) unter allen amerikanischen Biopharmazie-Unternehmen einen Spitzenplatz im Hinblick auf die Gewinne eingenommen. Eine überschaubare Anzahl anderer bekannter Namen in diesem Bereich hat ebenfalls einen großen Teil der Gewinne in der Branche erwirtschaftet. Dazu gehören das schweizerische Pharmazieunternehmen Serono S.A., der amerikanische Konzern Applied Biosystems Group (Medizinische Geräte) und das britische Unternehmen Amersham, das im Bereich Life Science tätig ist.

          Aufstrebende Unternehmen werden oft übernommen

          Immunex, das im Jahr 2000 zu den fünf dominierenden Unternehmen gehörte, wurde im Juli 2002 von Amgen übernommen. Diese Transaktion zeigt ein Dilemma auf, mit dem kleinere Unternehmen konfrontiert sind. Wenn die amerikanische Gesundheitsbehörde (Food and Drug Authority, FDA) ein vielversprechendes Medikament genehmigt, wird das Herstellerunternehmen attraktiver für ein größeres Biotechnologie-Unternehmen oder einen Pharmaziekonzern.

          Aufgrund derartiger Übernahmen ist es für einige vielversprechende Biotechnologie-Unternehmen schwierig, lange genug unabhängig zu bleiben, um Gewicht in ihrem Sektor zu erlangen. Rentable Unternehmen verfügen über ein großes Volumen an Liquidität und erzielen einen Betriebsgewinn, wohingegen es zahlreichen aufstrebenden Unternehmen an Liquidität mangelt und ihre Finanzierungsmöglichkeiten begrenzt sind.

          Die Lebensfähigkeit eines aufstrebenden Biotechnologie-Unternehmens hängt wesentlich davon ab, ob es ihm gelingt, ein erfolgreiches Produkt an den Markt zu bringen, bevor seine finanziellen Mittel erschöpft sind. Dies gestaltet sich im derzeitigen Marktumfeld angesichts der schwindenden Finanzierungsmöglichkeiten zunehmend schwierig.

          Liquidität eine der wichtigsten Größen

          Unseres Erachtens sollten unrentable Biotechnologie-Unternehmen über eine Liquiditätsreserve für mindestens drei Jahre zur Deckung der Betriebsausgaben verfügen. Derzeit liegt die Liquidität zahlreicher Firmen unter diesem Wert, so daß sie 2003 und 2004 in ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnten.

          In Presseberichten wurde zuletzt gesagt, daß die flüssigen Mittel mancher Verluste machenden Biotechnologie-Unternehmen ihre Marktkapitalisierung übersteigen. Bei einigen Unternehmen übertrifft die Liquidität sogar den Firmenwert (der als Marktkapitalisierung zuzüglich langfristiger Verschuldung und Vorzugsaktien abzüglich der flüssigen Mittel definiert wird).

          Diese niedrigen Bewertungen sind unseres Erachtens darauf zurückzuführen, daß Bargeld im Fall dieser Unternehmen als schwindender Vermögenswert angesehen wird. Bei unrentablen Biotechnologie-Unternehmen können die Liquiditätsreserven durch hohe Ausgaben rasch dahinschmelzen. Je stärker die Liquidität der kleinen Unternehmen schwindet, desto schwerer dürfte es einer Reihe von ihnen fallen, an den öffentlichen oder privaten Märkten das benötigte Kapital aufzunehmen. Große Biotechnologie- und Pharmaziekonzerne dürften sich daher in einer guten Position für eine preiswerte Übernahme kleinerer Firmen und ihrer Vermögenswerte oder für die Bildung von Allianzen zu günstigen Bedingungen befinden.

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