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Gastbeitrag : Aktien-Schätze im Internet

  • -Aktualisiert am

Yahoo! ist einer der bekannteren Titel in Jacobs Fonds Bild: AP

Fondsmanager Ryan Jacob konzentriert sich auf eher unbekannte Internet-Aktien, die einerseits werthaltig sind und andererseits Wachstumspotential bieten. Hier einige von ihm beobachteten Werte.

          5 Min.

          Der von Ryan Jacob gemanagte Jacob Internet Fund gehört zu den wenigen Fonds, die ausschließlich auf Internetaktien setzen. Sein Wert steigt, wenn diese Papiere gerade begehrt sind, und sinkt, wenn sie nicht gefragt sind. In der jüngsten Zeit hat der Fonds mit einem Volumen von 125 Millionen Dollar eine günstige Entwicklung verzeichnet: im laufenden Jahr hat er um 13 Prozent und in den vergangenen zwölf Monaten um 50 Prozent zugelegt.

          Der 36jährige Fondsmanager, der Ende der neunziger Jahre zum Medienstar wurde und Ende 1999 direkt vor dem Markteinbruch seinen eigenen Fonds auflegte, tendiert zu unbekannteren Unternehmen. Auf den ersten Blick wirkt die Zusammensetzung des Fonds uneinheitlich und fast so, als ob nur kleine Tüftelunternehmen vertreten seien, bei denen keine nennenswerten Ereignisse zu erwarten seien. Die fünf größten Positionen sind CDC, WebMethods, Sohu.com, Google und Yahoo. Des weiteren hält der Fonds Anteile an Napster, der Internet-Pokerseite Partygaming und iVillage, das in Kürze von NBC Universal übernommen werden soll.

          Regelmäßige Gewinne

          Im persönlichen Gespräch kann Jacob überzeugende Gründe dafür vorbringen, daß er auf werthaltige, unbekannte Aktien setzt. Von den 25 größten Positionen wurden, so Jacob, zehn nach Wertgesichtspunkten ausgewählt. Häufig, wie bei Napster, war der Grund, daß ihr Marktwert zum großen Teil auf in der Bilanz vorhandenen Barwerten beruht. Bei den übrigen 15 Positionen handelt es sich eher um Wachstumswerte, wie man sie in einem Internetfonds erwarten würde. „Wir haben versucht, werthaltige und wachstumsorientierte Papiere zu mischen, damit uns nicht wieder so etwas passiert wie 2000 und 2001“, erläutert Jacob.

          Darauf setzt Jacob: CDC
          Darauf setzt Jacob: CDC : Bild: FAZ.NET

          Der Einbruch bei Internetaktien hat ihn gelehrt, Gewinne eher mitzunehmen und bei Verlusten früher auszusteigen. „Ich bin mir nicht sicher, ob man seine Aktien in einem volatilen Markt wirklich längerfristig halten sollte“, führt er aus. Zwar liegt er nicht immer richtig - das tut niemand -, aber angesichts der Tatsache, daß er seit fünf Jahren jährlich Renditen von knapp 14 Prozent erzielt, sollte man seine Argumente durchaus ernst nehmen. Jacob konzentriert sich derzeit auf die folgenden fünf Investitionen bzw. Themenkreise:

          1. Jacob kauft Google und Yahoo

          Seit das Internet existiert, weisen die führenden Unternehmen der Branche wie Ebay, Amazon.com und Google die höchsten Kennzahlen auf. Nach Auffassung von Jacob ist dies jedoch nicht mehr der Fall, da Nischenwerte wie aQuantive und Netflix inzwischen bessere Kennzahlen haben. Google handelt derzeit bei rund 371 Dollar, also dem 39fachen des für dieses Jahr geschätzten Gewinns pro Aktie von 9,45 Dollar. Jacob hält diesen Kurs für attraktiv. „Viele sind der Auffassung, wir sollten im Hinblick auf Google vorsichtiger sein. Aber bisher kommt niemand an dessen Marktstellung heran“, erläutert er. „Google war im Jahr 2005 unser größter Fehler - unsere Position war zu klein.“

          Löst das Thema Klickbetrug, das den Analysten Anlaß zu Befürchtungen gibt, bei ihm keine Besorgnis aus? Nicht besonders, sagt Jacob, da die Vergabe der Suchwerbeplätze im Auktionsverfahren den Klickbetrug recht wirksam bekämpfe. Darüber hinaus sei nicht gewiß, welcher prozentuale Anteil der Klicks auf suchbezogene Werbebanner tatsächlich von Wettbewerbern oder Betrügern komme, die die Werbekosten durch tausendfaches Klicken auf das Banner nach oben treiben wollen, so daß der Werbende für die Hits zahlen muß, obwohl niemand Ware von ihm kaufen will.

          „Wenn es so schlimm wäre, wüßten die Werbetreibenden ja, daß es nicht funktioniert“, meint Jacob. Nach seiner Auffassung zeigt das rasche Wachstum der Unternehmen, daß Werbetreibende, die genau nachvollziehen können, wie kostengünstig Suchwerbung ist, sie immer noch für attraktiv genug halten, um darauf zu setzen.

          2. Napster schafft es dieses Mal

          Napster, die ehemalige Musiktauschbörse im Internet, wurde im Jahr 2001 von Musikkonzernen in den Bankrott getrieben, die sie beschuldigten, sie begünstige Produktpiraterie. Seither wurde sie als legale Plattform für kostenpflichtige Downloads und beworbene Hörbeispiele wieder eröffnet. Hier liegt Napster weit hinter der Seite iTunes von Apple Computers zurück. Und Napster verbrennt weiterhin Geld.

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