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Gap - Mode : Drastische Gewinnwarnung wegen hoher Rohstoffkosten

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Bild: F.A.Z.

Viele Unternehmen sind optimistisch, ihre Gewinne trotz hoher Energie- und Rohstoffpreise weiter steigern zu können. Allerdings nicht alle. So kam die amerikanische Modekette Gap mit einer drastischen Gewinnwarnung auf den Markt.

          Viele Unternehmen sind optimistisch, ihre Gewinne trotz oder gerade wegen der hohen Energie- und Rohstoffpreise weiter steigern zu können. Allerdings nicht alle. So kam die amerikanische Modekette Gap mit einer drastischen Gewinnwarnung auf den Markt.

          Der Gewinn werde im laufenden Jahr voraussichtlich nicht bei maximal 1,93 Dollar je Aktie liegen, sondern nur bei 1,5 Dollar je Aktie, teilte das Unternehmen mit. Denn die Rohstoff- und Betriebskosten seien so stark gestiegen, dass sie nicht alleine durch Preisanhebungen aufgefangen werden könnten, teilte der Konzern am Donnerstag mit.

          Hohe Kosten lassen sich nicht durch Preisanhebungen aufgefangen

          So werde im weiteren Jahresverlauf mit einem Anstieg bei den Produktionskosten von 20 Prozent gerechnet, vor allem aufgrund teurerer Baumwolle. Bereits im Jahr 2010 war der Preis für Baumwolle am Weltmarkt um 65 Prozent hochgeschnellt und in diesem Jahr waren es noch einmal um mehr als zehn Prozent.

          Für das erste Quartal des laufenden Jahres wies GAP im Vergleich mit der Vorjahresperiode einen Gewinnrückgang um 23 Prozent auf 233 Millionen Dollar aus. Der Umsatz sank um ein Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar. Anleger zeigten sich enttäuscht und verkauften die Aktie. Schon im nachbörslichen Handel musste sie am Donnerstag in den Vereinigten Staaten Kursverluste von bis zu 14 Prozent hinnehmen. Am Freitag verzeichnen sie im vorbörslichen Handel Kursverluste von bis zu 16,7 Prozent. Die Papiere gehen mit Kursen von bis zu 19,4 Dollar je Aktie um, nachdem sie am Donnerstag noch mit 23,29 Dollar aus dem offiziellen Handel gegangen waren.

          Damit zählen die Aktien des Unternehmens nun zu jenen, die deutlich hinter der Entwicklung des breiten Aktienmarktes zurückbleiben. Zu den großen Verlierern der Entwicklung hatten bisher die Papiere der vor allem in Europa verkäuferisch aktiven Esprit Holdings, von der Amerika lastigen Aeropostale, von den Japan lastigen Shimamura Co und Fast Retailing sowie der American Eagle Outfitters gehört. Ihre Papiere mussten auf Sicht eines Jahres Kursverluste von 28 bis acht Prozent hinnehmen.

          Dagegen befinden sich die Aktien der in Brasilien Cia. Hering und der Ross Stores in starken Aufwärtstrends. In Brasilien macht sich die bisher überaus robuste wirtschaftliche Entwicklung positiv für die Umsatz- und Gewinnentwicklung bemerkbar, während Ross Stores davon profitieren, Waren mit einem interessanten Preis-Leistungsverhältnis anzubieten. Gute Kursgewinne konnten in den vergangenen Monaten auch die Papiere von Abercrombie & Fitch, SuperGroup PLC und Limited Brands verzeichnen. Allerdings stellt sich die Frage, wie lange sich die etablierten Trends noch halten lassen werden.

          Immer öfter beklagen sich Unternehmen über „Margenkompression“

          Teure Energie- und Rohstoffkontrakte schlagen nicht nur in Form anziehender Inflationsraten weltweit durch. Sondern anhaltend hohe Preisniveaus beschneiden sie immer mehr die Kaufkraft der Konsumenten einerseits und die Margen der Unternehmen anderseits. Die Nachfrage der Verbraucher in Europa und in den Vereinigten Staaten ist bei weitem nicht so robust, wie das die Schlagzeilen der Nachrichtenagenturen nahe legen mögen. Immer mehr Unternehmen wie SKF, Electrolux oder Fedex zeigen sich besorgt über steigende Energie- und Materialkosten und teilweise abnehmende Preissetzungsmacht. Die Dallas Fed erklärte jüngst, schon lange sei bei den von ihr beobachteten Unternehmen die Differenz zwischen bezahlten Rohmaterialpreisen und den erhaltenen Erzeugerpreisen nicht mehr so groß gewesen, wie zuletzt.

          Diese Kombination an Fakten stellt in Frage, ob die Aktien weltweit wirklich so günstig sind, wie sie angesichts optimistischer Gewinnerwartungen optisch aussehen mögen. Gemessen an der Cyclically Adjusted Price Earnings Ratio (CAPE), einer vom amerikanischen Ökonomen Robert Shiller entwickelten Kennzahl, die die Kurse nicht mit den aktuellen oder für die Zukunft erwarteten Gewinnen vergleicht, sondern mit jenen, die im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre erzielt wurden, sind sie es nur bedingt.

          Aus diesem Grund tendieren kritische Anleger dazu, die etablierten Trends zwar auszureizen. Sie bereiten sich jedoch strategisch auf Kursrückschläge vor, die von steigenden Zinsen oder den hoch bleibenden Energie- und Rohstoffkosten ausgelöst werden können. Hohe Nahrungsmittelkosten führen in vielen Schwellenländern zu Unruhen, während teure Energie dort problematisch wird, wo sich die Wirtschaft durch eine hohe Energieintensität auszeichnet. Trotz marginaler Verbesserungen in den vergangenen Jahren zählen dazu vor allem die Staaten Mittel- und Osteuropas.

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