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Geldanlage : Fürchtet euch nicht vor Schweizer Aktien!

Auch das Schweizer Unternehmen Roche bietet eine gute Dividende. Bild: Reuters

Der Franken-Schock schwächt große Schweizer Unternehmen kaum. Der deutsche Anleger profitiert zusätzlich vom Währungseffekt.

          Es ist gerade einmal zwei Wochen her, dass die kleine Schweizer Börse eine der größten Erschütterungen ihrer Geschichte erlebte: Das Ereignis, das unter dem Namen „Franken-Schock“ Berühmtheit erlangt hat, lässt Anleger aus aller Welt in diesen Tagen gespannt auf den Schweizer Aktienmarkt blicken. Denn wann kommt es einmal vor, dass eine ohnehin schon starke Währung wie der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um gewaltige 20 Prozent aufwertet? Und wie selten passiert es, dass der Wert eines Börsenbarometers wie des Schweizer SMI in Windeseile um gut 15 Prozent zurückgeht?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Verursacht hatte diese Turbulenzen Notenbankchef Thomas Jordan, indem er zur Überraschung der Schweizer und der Welt die feste Wechselkursobergrenze des Franken gegenüber dem Euro urplötzlich aufgab. Für die Schweizer Unternehmen, so zumindest schien es nach den ersten Reaktionen, hätte es keine schlechtere Nachricht geben können. Allen voran klagte der Uhrenhersteller Swatch über den „Tsunami“, den die Notenbank ausgelöst habe. Im Falle von Swatch ist das verständlich: Schließlich stellt das Unternehmen seine Uhren fast ausschließlich in der Schweiz her, verkauft sie aber vorwiegend im europäischen Ausland. Mit anderen Worten: Die Aufwertung des Franken, der nun in etwa einem Euro entspricht, macht Swatch-Uhren zu einer ziemlich teuren Angelegenheit. Kein Wunder, dass da der Aktienkurs abstürzt.

          Aber sind Schweizer Aktien jetzt gleich alle des Teufels? Mitnichten. Zwar konnte man zunächst in der Tat diesen Eindruck bekommen: Denn keine der gut 20 Firmen im Börsenindex SMI überstand den Währungsschock unbeschadet. „Die Anleger haben pauschal alle Firmen abgestraft“, sagt Olivier Müller, leitender Investmentstratege der Credit Suisse. Aber trotz des Absturzes können sich deutsche Anleger glücklich schätzen: Die starke Aufwertung des Franken zum Euro hat die Kursverluste der Aktien nämlich mehr als wett gemacht. In Euro gerechnet lag der Schweizer Aktienindex zeitweise sogar mehr als zehn Prozent im Plus. Darum sind einige Schweizer Papiere gerade jetzt einen Blick wert.

          Nun sollte niemand davon ausgehen, dass der Franken noch ein zweites Mal einen so gewaltigen Zugewinn gegenüber dem Euro erreichen wird wie Mitte Januar. Aber eine weitere Aufwertung ist dennoch nicht unwahrscheinlich: Schließlich nehmen die Sorgen um den Fortbestand des Euro seit dem Wahlsieg der linken Syriza-Partei in Griechenland wieder zu, schließlich startet die Europäische Zentralbank im März mit dem Kauf von Staatsanleihen - all dies wird den Euro weiter schwächen.

          Welche Schweizer Aktien sind nun für deutsche Anleger besonders interessant? Die Antwort von Credit Suisse-Experte Müller fällt verblüffend einfach aus: „Es lohnt sich vor allem, Schweizer Großkonzerne mit stabilem Geschäftsmodell ins Auge zu fassen.“ Für solche Firmen, zu denen der Lebensmittelkonzern Nestlé und die beiden Pharmakonzerne Roche und Novartis gehören, spricht vor allem eines: Sie zahlen ihren Aktionären seit Jahren verlässlich eine auskömmliche Dividende. Die aktuelle Dividendenrendite der drei Konzerne, also das Verhältnis zwischen Ausschüttung und aktuellem Aktienkurs, beträgt rund drei Prozent (siehe Grafik) - im Vergleich zu den mickrigen 0,3 Prozent, die Bundesanleihen einbringen, ist das ein Spitzengeschäft. Die Frage ist nur: Sind diese Unternehmen tatsächlich so immun gegen die Franken-Aufwertung, dass sie ihre Ausschüttungsquote weiter auf hohem Niveau halten können?

          Natürlich wäre es blauäugig zu glauben, die Firmen litten gar nicht unter den neuen Kursen am Devisenmarkt. Aber sie haben gegenüber anderen Schweizer Aktiengesellschaften einen großen Vorteil - ihre Multinationalität. Damit ist gemeint: Sie verkaufen ihre Waren nicht nur in aller Welt, sondern produzieren im Idealfall auch vor Ort. „Natural Hedge“ nennen Finanzprofis dieses Vorgehen, was übersetzt in etwa bedeutet: Auf diese Weise sind die Firmen vor Währungsverlusten weitgehend gefeit.

          Der Glaube an die Schweiz kehrt zurück

          Mustergültig trifft dies auf Nestlé zu: Der Lebensmittelkonzern stellt seine Waren fast nur im jeweiligen Absatzmarkt her, 98 Prozent des Umsatzes macht er außerhalb der Schweiz. Einzig beim Aufstellen der Firmenbilanz erweist sich der starke Franken als Belastungsfaktor: In die Schweizer Währung umgerechnet sind die im Ausland erzielten Erträge jetzt weniger wert.

          Auch Roche und Novartis hilft ihre internationale Ausrichtung. Roche verkauft seine Medikamente besonders in den Vereinigten Staaten und stellt auch dort seine Produkte her. Für Novartis ist dagegen der Euroraum der wichtigste Absatzmarkt. Völlig von der Währungsaufwertung unabhängig sind die Firmen allerdings nicht. Beide betreiben teure Forschungszentren in der Schweiz - Ausgaben, die angesichts der Franken-Stärke nun schwerer wieder hereinzuholen sind.

          Leichter hat es da Givaudan - ein in Deutschland nur wenig bekanntes Unternehmen, das viele Schweiz-Experten derzeit empfehlen. Der größte Aromenhersteller der Welt (seine Düfte kommen zum Beispiel in Haarshampoos zum Einsatz) ist nämlich nahezu perfekt vor Währungseinflüssen geschützt: Die meisten Rohmaterialien für seine Duftstoffe kauft Givaudan in ausländischen Währungen, fast alle Fabriken stehen im Ausland - und zudem erzielt die Firma fast die Hälfte des Umsatzes in Schwellenländern. Eine globale Ausrichtung, die schützt.

          Ob Anleger die Aktien der Konzerne nun in Zürich, Frankfurt oder gar in London ordern, spielt übrigens keine Rolle: Bis auf die Tatsache, dass der Aktienkurs dann eben in der jeweiligen Landeswährung angezeigt wird und die Gebühren im Ausland etwas höher sind, gibt es beim Kauf keine wesentlichen Unterschiede.

          Unter den Anlegern jedenfalls kehrt der Glaube an die Schweiz allmählich wieder zurück: Die vergangene Woche beendete die Schweizer Börse mit einem Plus von 3 Prozent.

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