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Frontier-Märkte : Anleger nehmen aufstrebende Länder ins Visier

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Bild: FAZ.NET

In diesem Jahr spielt die Musik für risikotolerante globale Anleger bisher so richtig auf den sogenannten Frontier-Märkten. Wo gibt es Chancen in kleinen aufstrebenden Ländern wie Argentinien, Nigeria oder auch den Golfstaaten des Nahen Ostens?

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          In diesem Jahr findet die wahre Action für risikotolerante globale Anleger auf den Frontier-Märkten statt.

          Der MSCI Barra Frontier Markets-Index verfolgt die Aktienkurse aus 25 Ländern, darunter sechs im Nahen Osten, die 55 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Index ausmachen. Für das laufende Jahr mit Stand vom 12. April legte der Frontier Markets-Index um 13,66 Prozent zu. Im Vergleich dazu schafften die BRIC-Länder (Brasilien, Indien, China und Russland) zusammen nur 4,09 Prozent Zuwachs, und auch die Schwellenmärkte als Ganzes brachten es nur auf ein Plus von 5,25 Prozent.

          Geringe Größe der Staaten - andere Rechts- und Regulierungssysteme

          Der Unterschied zwischen Schwellen- und Frontier-Märkten liegt vor allem in ihrer Größe und im Entwicklungsstand ihrer Rechts- und Regulierungssysteme. Für internationale Anleger sind das entscheidende Kriterien. Die globalen MSCI Barra-Aktienindizes verwenden sowohl objektive als auch subjektive Kriterien für die Aufnahme von Ländern in einen bestimmten Index, weiß Paul Herber, ein Co-Manager des 44 Millionen Dollar schweren Accessor Frontier Markets Fund. Um als Schwellenmarkt zu gelten, muss eine Volkswirtschaft eine bestimmte Anzahl von Unternehmen aufweisen, die eine Mindest-Marktkapitalisierungsschwelle erreichen und bestimmte Handelskriterien erfüllen. Darüber hinaus muss der Aktienmarkt bis zu einem gewissen Grad ausländischen Anlegern offen stehen, und sein rechtlicher Rahmen muss stabil sein.

          Im vergangenen Jahr wurden sowohl Argentinien als auch Pakistan durch MSCI Barra von „Schwellenmärkten“ auf „Frontier-Märkte“ zurückgestuft. Argentinien führte Kapitalkontrollen ein, die die Möglichkeit beschränken, ausländische Währungen in die Landeswährung umzutauschen, während Pakistan seinen Aktienmarkt künstlich stützte, indem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die täglichen Rückgänge eingeschränkt wurden. Allerdings, so Herber, haben beide Länder ein höheres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als viele Schwellenländer.

          Optimistische Wachstumserwartungen treiben Blüten

          Prognosen zum Wirtschaftswachstum können daran mitgewirkt haben, dass Aktien auf den Frontier-Märkten im laufenden Jahr bisher stärker zugelegt haben als auf den weiterentwickelten Schwellenmärkten. IHS Global Insight, ein führender Anbieter von Analysen und Wirtschaftsprognosen, sagt für die Frontier-Märkte ein BIP-Wachstum von 3,5 Prozent voraus, für die Schwellenmärkte dagegen nur von 1,6 Prozent.
          Aber die augenscheinliche Vorliebe für Frontier-Märkte in diesem Jahr ist wohl eher auf diskontierte Aktienbewertungen zurückzuführen. Frontier-Märkte notieren derzeit etwa zum 10-fachen der prognostizierten Gesamterträge für alle Publikumsgesellschaften in den 25 Ländern, aus denen sich der MSCI Frontier Markets-Index zusammensetzt, während die Schwellenmärkte etwa zum 16-fachen der erwarteten Erträge für 2010 notieren, berichtet Nathan Rowader, Co-Manager des Accessor-Fonds.

          Angesichts der enormen Kurssteigerungen, die sich 2009 in den größten und liquidesten Schwellenmärkten vollzogen haben, wäre es durchaus logisch, dass Frontier-Märkte, die kleiner und im Vergleich zu ihren weiter entwickelten Vettern immer noch relativ preiswert sind, davon profitieren, sobald auch die kleineren Märkte liquider werden, meint Nick Chamie, Leiter der Schwellenmarktanalyse bei RBC Capital Markets in Toronto. Die jüngsten Zugewinne in diesen Märkten könnten zum Teil die überhöhten Auswirkungen widerspiegeln, die Geldströme auf die Kurse in kleineren Märkten mit weniger Liquidität haben, fügt er hinzu.

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