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Frauen und Geldanlage : Wissen verdrängt die Intuition

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Fleur Platow rechnet nicht mit einer schnellen Hausse Bild:

Fleur Platow will als Tochter des Begründers des Platow-Briefes Frauen bei der Geldanlage helfen. Ihr Buch dürfte aber auch männlichen Anfängern „auf die Sprünge helfen“.

          Der Kampf der Geschlechter dürfte bereits bis in allen Details durchleuchtet, analysiert und debattiert worden sein. Seit einiger Zeit aber gibt's noch einen neuen Schauplatz: Die Börse.

          Obwohl es wohl nichts geschlechtsneutraleres als Geld gibt, rückt das Thema immer mehr in den Fokus. Nicht zuletzt, weil Banken mit einer gezielten „Frauenberatung“ neue Geschäftsfelder erschließen wollen. Immerhin interessieren sich deutlich mehr Männer als Frauen für das Geschehen an den Finanzmärkten. Dies soll künftig anders werden, wenn es nach Fleur Platow geht. Die Tochter des Begründers des Platow-Börsenbriefes will mit ihrem ersten Buch „Mehr Sicherheit beim Geldanlegen - Frauen investieren anders“ die Schwellenangst der Frauen vor den Börsen, aber auch vor ihren Kundenberatern nehmen.

          Frauen haben ein Drittel weniger Ressourcen

          Wer Erfolg an der Börsen haben will, für den sollten Bücher, Seminare und die tägliche Zeitungslektüre zum Pflichtprogramm gehören, rät Platow. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für Frauen. Ihr Buch nimmt sich zwar dem Thema Frauen und Geldanlage an. Aber dahinter verbirgt sich nichts anderes als ein klar strukturiertes Handbuch für die Kapitalanlage, was sicherlich nicht nur den weiblichen Anfängern auf den Finanzmärkten hilft.

          Denn eines stellt Fleur Platow klar: „Wenn Männer und Frauen die gleichen Bedingungen haben, dann unterscheiden sie sich nicht in der Geldanlage.“ Doch noch sind die Voraussetzungen für Männer und Frauen keineswegs identisch. Noch immer verfügen Frauen über rund ein Drittel weniger finanzieller Ressourcen als ihre männlichen Mitstreiter. Zum einen, weil sie selbst bei gleicher Arbeit weniger verdienen. Zum anderen auch, weil Kindererziehungszeiten das Lebenseinkommen schmälern. Die Folge ist, dass viele Frauen nicht über ausreichende Mittel verfügen, um im Alter ihre Bedürfnisse zu decken. Daher müssen sich Frauen zwangsläufig mit der Geldanlage auseinander setzen und zu den Männern aufschließen.

          Frauen sind weniger risikofreudig

          Fleur Platow selbst entdeckte trotz des im Elternhaus dominierenden Themas Börse ihre Leidenschaft zur Geldanlage erst spät. „Naturgemäß langweilte mich diese für ein Kind allzu trockene Materie“, beschreibt sie ihre Jugend. Erst in den siebziger Jahren habe sie begriffen, dass es in der Welt der Banken nicht ausreiche, charmant, freundlich und smart aufzutreten. „Man muss sich, um kompetent zu sein, im finanzpolitischen Dschungel zurechtfinden!“ Fortan studierte die 1944 geborene Fleur Platow die Weisheiten ihres Vaters, in dessen Fußstapfen sie zeitweise trat, bevor sie das Thema Frauen und Geldanlage entdeckte. Seitdem gibt sie Seminare „for women only“.

          Aus ihren Beobachtungen heraus, hält sie Frauen für weniger risikofreudig. Daher informierten sie sich ihrer Meinung vor einem Aktienkauf besser. Außerdem ziehen sie früher die Reisleine, wenn sie in der Verlustzone sind. Dies liege sicherlich auch daran, dass ihnen weniger Mittel zur Verfügung stehen und sie deswegen sparsamer haushalten müssen. „Der große Vorteil von Frauen bei der Geldanlage ist, dass sie mehr Intuition besitzen“, meint Platow. Das Dilemma: Je mehr sie über die Finanzmärkte wissen, desto mehr wird der Instinkt überlagert. Da Männer - noch - mehr Know-how über die Finanzmärkte angesammelt haben, ist ihnen auch ein Teil der Intuition verloren gegangen.

          Die drei wichtigsten Tipps

          Wer erfolgreich investieren will, dem gibt Fleur Platow drei wichtige Tipps an die Hand: Erstens sollten Anleger niemals ihr gesamtes Geld in einen Wert investieren. „Niemals alle Eier in einen Korb legen“, greift Platow eine alte Börsenweisheit auf. Zweitens sollten Investoren nur günstig bewertete Aktien kaufen, wobei sie sich vor allem das Kurs-Gewinn-Verhältnis anschaut. Und drittens legt sie bereits beim Aktienkauf Kauf- und Verkaufslimite fest. Dies sei vor allem im derzeitigen volatilen Börsenumfeld wichtig, weil hier Aktien bei schlechten Unternehmensmeldungen stark fallen. Aber auch wenn die Aktie in die gewünschte Richtung läuft, realisiert sie nach 20 Prozent Kurssteigerungen Gewinne.

          Fleur Platow rechnet damit, dass die Aktienmärkte noch eine Weile sehr volatil bleiben. An eine bevorstehende Hausse glaubt sie allerdings nicht. „Es wird ein schwacher Konjunkturaufschwung“, so die Einschätzung der Expertin. Da die Amerikaner die Zuglokomotive der Welt sind, profitieren auch die Europäer von der Erholung. Aber für Platow kommt es nicht auf das Ende des Konjunkturtals an, sondern darauf, wann die Unternehmen wieder investieren. Und da sei derzeit noch keine Wiederbelebung in Sicht.

          Sie würde derzeit auf zyklische Branche wie etwa Bauzulieferer, die Baubranche, Spezialchemie und Papier setzen. Sektoren, die von einem konjunkturellen Aufschwung als erstes profitieren.

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