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Französische Autohersteller : Sturz der PSA-Aktie treibt Anleger in Renault-Anleihen

PSA Peugeot-Citroën ist der zweitgrößte Autohersteller Europas Bild: AFP

Die Talfahrt von Peugeot an der Börse setzt sich fort: Der Autohersteller ist in den Augen der Anleger derzeit nur noch rund zwei Milliarden Euro wert. Auch eine Herabstufung der Schuldtitel wird erwartet.

          Der Kursverfall der Aktie von PSA Peugeot-Citroën hat sich am Dienstag an der Pariser Börse fortgesetzt. Der französische Autohersteller verlor zeitweise weitere 1,6 Prozent auf rund 6 Euro. Schon an den beiden Tagen nach Ankündigung des Restrukturierungsplanes hatte der Kurs um rund 14 Prozent nachgegeben. Der zweitgrößte Autohersteller Europas nach Volkswagen, der im vergangenen Jahr 3,5 Millionen Autos verkaufte und einen Umsatz von rund 60 Milliarden Euro erzielte, ist in den Augen der Anleger derzeit nur noch rund 2 Milliarden Euro wert.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Angesichts der Misere am Aktienmarkt raten nun manche Analysten zu den Anleihen der französischen Autohersteller. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) etwa favorisiert Papiere von Renault und seiner Bank RCI. „Die PSA-Anleihen stehen massiv unter Druck, wer eine Alternative sucht, könnte sie bei Renault finden. Ich rate Privatanlegern aber zu Laufzeiten unter fünf Jahren“, sagt LBBW-Analyst Gerhard Wolf.

          Anleihen von Renault und Peugeot
          Emittent Kupon Rendite Volumen Stückelung Laufzeitende Isin
          Renault 4,375% 2,553% 800 Mio. Euro 50.000 € 24.05.2013 FR0010326942
          Peugeot 4,000% 5,429% 850 Mio. Euro 1.000 € 28.10.2013 FR0010957274
          Peugeot 8,375% 6,630% 750 Mio. Euro 1.000 € 15.07.2014 FR0010780452
          Renault 6,000% 3,611% 750 Mio. Euro 1.000 € 13.10.2014 FR0010809236
          Peugeot 5,625% 6,285% 500 Mio. Euro 1.000 € 29.06.2015 FR0010915116
          Renault 5,625% 4,255% 650 Mio. Euro 1.000 € 30.06.2015 FR0010916734
          Peugeot 6,875% 7,267% 500 Mio. Euro 1.000 € 30.03.2016 FR0011124544
          Renault 4,625% 4,387% 750 Mio. Euro 1.000 € 25.05.2016 FR0011052117
          Peugeot 5,000% 6,926% 650 Mio. Euro 1.000 € 28.10.2016 FR0010957282
          Renault 5,625% 4,557% 500 Mio. Euro 1.000 € 22.03.2017 FR0010871541
          Peugeot 5,625% 6,978% 600 Mio. Euro 1.000 € 11.07.2017 FR0011233451
          Quelle: eigene Recherchen

          Von der Autobank RCI etwa gibt es eine bis Januar 2016 laufende Anleihe, die derzeit mit 3,39 Prozent rentiert. Von Renault SA ist ein bis Oktober 2014 laufendes Papier mit einer Rendite von 3,46 Prozent im Umlauf. Anleger müssen aber wissen, dass sie sich mit den Autopapieren im Bereich der risikoreichen hochverzinslichen Anleihen befinden.

          Renault wird derzeit wie PSA von der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) mit der Bonitätsnote „BB+“ eingestuft. Analyst Wolf erwartet, dass S&P Peugeot nach Veröffentlichung der jüngsten Geschäftszahlen am 25. Juli herabstufen werde. Moody’s hat bereits eine Überprüfung der Bewertung von Peugeot-Anleihen eingeleitet und die Richtung angedeutet: Den Ausblick beschreiben sie als negativ.

          Bei der Renault-Aktie zeigen sich die Experten zuversichtlicher

          Skeptische Analysten erinnern indes daran, dass auch Renault in Südeuropa Absatzschwierigkeiten hat. Der französische Staat ist zwar mit 15 Prozent am Renault-Kapital beteiligt - anders als beim rein privaten PSA-Konzern -, doch was dies im Fall der Fälle konkret bedeutet, kann heute niemand sagen. „Man sollte an die spanischen Banken denken“, sagt etwa Hans-Peter Wodniok von der deutschen Analysegesellschaft Fairesearch. „Dort werden jetzt auch die Anleihezeichner zur Sanierung herangezogen.“

          Bilderstrecke

          Wer glaube, dass Südeuropa als wichtiger Absatzmarkt der französischen Hersteller jetzt schon den Boden erreicht habe, könne vielleicht einsteigen, doch Wodniok rechnet sich nicht zu diesen Optimisten. PSA habe keinen internationalen Partner, der eine Dividende überweise - anders als Renault mit Nissan und Fiat mit Chrysler. Zudem müsse bezweifelt werden, ob PSA seine Restrukturierung angesichts des Widerstandes von Gewerkschaften und französischer Regierung wie geplant durchziehen könne.

          So könnte sich die Talfahrt der PSA-Aktie fortsetzen. Barclays hat kürzlich schon das Kursziel der PSA-Aktie auf 5 Euro herabgesetzt. Dies würde einen weiteren Kursrutsch von 17 Prozent gegenüber dem heutigen Stand bedeuten. Fairesearch-Analyst Wodniok wird sein Kursziel nach eigenen Worten wahrscheinlich noch deutlich unter 5 Euro senken, wenn PSA in der nächsten Woche seine neuen Geschäftszahlen veröffentlicht. 13 von 33 Analysten raten laut Bloomberg derzeit zum Verkaufen der PSA-Aktie, nur sechs empfehlen einen Kauf.

          Bei der Renault-Aktie dagegen zeigen sich die Aktienexperten zuversichtlicher. 20 von 34 Analysten empfehlen laut Bloomberg zuzugreifen. Nur fünf raten zum Verkauf. Ein französischer Analyst, der nicht namentlich zitiert werden will, erinnert daran, dass allein die Beteiligungen von Renault an Nissan, Volvo und Daimler derzeit 17 Milliarden Euro wert seien. Renault bewerten die Anleger an der Pariser Börse nur mit 9 Milliarden Euro. Das sei einfach nicht haltbar, denn ein Unternehmen, das seit drei Jahren einen positiven Cashflow erwirtschafte, könne nicht mit einem Börsenwert von minus 8 Milliarden Euro bemessen werden.

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