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Nebenwerte : Frankfurts Börse bietet mehr als Großkonzerne

Überhaupt sind die Produkte des Unternehmens allesamt Nischenprodukte. Auch die Möglichkeiten, organisch oder durch Zukäufe zu wachsen, sind begrenzt. Die geringe Umsatzgröße lässt wenig Spielräume für teure Innovationen. Hier profitiert man von Entwicklungen anderer. So wird man künftig in die Lohnfertigung für Alzheimer-Diagnostika einsteigen. Zurzeit aber legt man das Augenmerk weiter auf die Steigerung der Profitabilität. Der Umsatz im Bereich Strahlentherapie wird weiter sinken, der Gewinn soll aber steigen. Mit 9,5 Millionen Euro Gesamtgewinn ohne Sondereffekte will man 2016 wieder an frühere Zeiten anknüpfen. mho.

EQS Group: Die Kundenzahl verdoppeln

Die EQS Group gehört in diesem Jahr zu den Regulierungsgewinnern. Von Juli an unterliegen alle Unternehmen im Freiverkehr, ob sie nun Aktien, Anleihen oder Derivate begeben haben, der Ad-Hoc-Pflicht. Zudem müssen sie Transaktionen der Unternehmensführung veröffentlichen (Directors’ Dealings) und ein Verzeichnis aller Insider führen. Bis zu 500 Kunden gewinnt die EQS Group dadurch, die über ihre Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität (DGAP) marktführend auf dem deutschen Markt ist.

Alle Dax-Konzerne, aber auch fast alle anderen größeren börsennotierten Unternehmen zählen zu den Kunden. Über das an Bloomberg und Reuters angeschlossene System wird sichergestellt, dass Ad-hoc-pflichtige Mitteilungen zur selben Zeit global auf allen relevanten Kanälen verbreitet werden. Der Aktienkurs der derzeit mit etwa 38 Millionen Euro bewerteten Gesellschaft hat auf die Aussicht auf eine verdoppelte Kundenbasis noch nicht reagiert und bewegt sich seit drei Jahren in einem Seitwärtstrend.

„Die Delistings übersteigen in Deutschland seit Jahren die Börsengänge, dadurch verlieren wir Kunden, aber auch die Zahl der Stimmrechtsmitteilungen und die gelockerten Pflichten zur Quartalsberichterstattung haben uns belastet“, sagt Achim Weick, Gründer, Vorstandsvorsitzender und Großaktionär von EQS.

Um unabhängiger vom deutschen Markt zu werden und neues Wachstum zu generieren, verfolgt er eine Internationalisierungsstrategie. In Hongkong und Russland werden schon nennenswerte Umsätze erzielt, Schanghai und Singapur wachsen deutlich, die Schweiz ist ein wichtiger Markt und dieses Jahr kommt London hinzu. „Wir wollen uns zu einem Global Player entwickeln, sehen viel Potential in Asien, wo die Standards der Berichterstattung noch nicht das europäische Niveau haben und werden im Jahresverlauf aber auch in Amerika Flagge zeigen, um als globaler Anbieter wahrgenommen zu werden“, sagt Weick.

Doch die Investitionen in neue Märkte kosten viel Geld und belasten die Gewinne. 2015 stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 18,4 Millionen Euro, 80 Prozent davon in Deutschland. Der operative Gewinn sank indes, wie erwartet, um 10 Prozent auf 3 Millionen Euro. Während in Deutschland 3,8 Millionen Euro erzielt wurden, sind viele Auslandsmärkte noch defizitär. „Nach der erfolgreichen Internationalisierung streben wir wieder Gewinnmargen von 25 bis 35 Prozent an, wie wir sie früher auch hatten“, stellt Weick in Aussicht.

Er ist überzeugt, dass das Angebot seines Unternehmens, das weit über die bloße Verbreitung von Ad-hoc-Mitteilungen hinausgeht, auch international Anklang findet. EQS bildet über die eigene Plattform die gesamten Arbeitsabläufe in der Kommunikation digital ab, gestaltet Internetseiten und Apps, führt Audio- und Videokonferenzen durch und erstellt Online-Geschäftsberichte. dmoh.

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