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Nebenwerte : Frankfurts Börse bietet mehr als Großkonzerne

Die Relation aus Ertrag und Aufwand hat sich jedoch leicht von 1,35 auf den Zielwert von 1,4 verbessert. Bei einem Umsatz von 55,7 Millionen Euro erzielte das Unternehmen 2015 einen operativen Gewinn von 20 Millionen Euro. Der aktuelle Börsenwert von 17 Millionen Euro erscheint daher günstig. „Wir hatten schwere Zeiten in der Vergangenheit“, nennt Vorstand Ben Bos seine Vermutung, warum die Investoren dem Unternehmen noch nicht wieder vertrauen. „Wir sind ein Zusammenschluss aus drei Unternehmen, und die Zusammenarbeit hat anfangs nicht gut geklappt.“

Mittlerweile sei die Führungsfrage aber geklärt, und andere Anteilseigner wurden herausgekauft. „Wir sind jetzt das dritte Jahr in Folge profitabel“, sagt Bos. Der größte Posten sind Marketingausgaben für die Produkte. Sie sollen weiter gesteigert werden, um auch die Umsätze zu erhöhen. Hier lassen sich hohe Skaleneffekte generieren, da jeder zusätzliche Verkauf einer einmal entwickelten App voll gewinnwirksam ist. Das Marketing soll künftig zudem stärker selbst in die Hand genommen werden und weniger über teure Dienstleister.

Starkes Wachstum erzielte Cliq Digital zuletzt in Europa und Afrika. „Mit unseren fundierten Kenntnissen des Konsumverhaltens, der Regulierung und moderner mobiler Zahlungsoptionen wollen wir unser Potential von 2,3 Milliarden Konsumenten künftig noch besser erschließen“, sagt Bos. In diesem Jahr sollen Russland, Indien, Indonesien und Südamerika als neue Märkte erschlossen werden. In den Vereinigten Staaten und China ist Cliq Digital noch nicht aktiv. dmoh.

Eckert & Ziegler: Wieder besser in der Spur

„Wir standen damals gerade am Anfang“, erinnert sich Andreas Eckert, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Eckert & Ziegler, an den Neuen Markt zurück. „Woanders hätten wir keine zehn Millionen Euro bekommen, mit denen wir unser Unternehmen auf die heutige Größe hätten bringen können. Der Neue Markt war eine phantastische Sache.“ Gerade einmal 10 Millionen Euro hatte der Spezialist für radioaktive Komponenten umgesetzt, als er im Jahr 1999 an die Börse ging.

Herstellung von Prostataimplantaten bei Eckert & Ziegler

Heute bringen es Eckert & Ziegler auf 140 Millionen Euro. Dabei verliefen die Jahre 2013 und 2014 insgesamt eher unglücklich für das stets profitable Unternehmen, das seinerzeit zweimal die Prognosen senken musste. Eckert & Ziegler macht jeweils rund die Hälfte des Umsatzes mit medizinischen und industriellen Anwendungen. Im letzteren Bereich verkauft man etwa Dicke- oder Füllstandsmessungen. Vor allem der medizinische Bereich machte zuletzt Probleme. Grund waren unter anderem niedrigere Budgets im Gesundheitswesen Russlands und anderer Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und ein harter Wettbewerb. Das galt auch für Prostataimplantate, bei denen Eckert & Ziegler Weltmarktführer ist. „Der Markt schrumpft“, sagt Jörn Ney, designierter Finanzvorstand des Unternehmens. „Es gibt hohe Überkapazitäten. Unsere eigenen würden für den Weltmarkt ausreichen.“ Aber das Produkt bringt Geld und läuft weiter.

Medizinische Anwendungen sind die Keimzelle des Unternehmens, das 1992 als Zentralinstitut für Isotopentechnik der DDR schon kurz vor der Abwicklung stand. Damals kauften Betriebsstättenleiter Jürgern Ziegler und Berater Andreas Eckert das Institut. Ruthenium-Applikatoren zur Behandlung von Augenkrebs waren damals eine der wichtigsten Anwendungen. Auch heute ist das Produkt noch im Programm zu finden.

Nach Schließung und Verkauf von Sparten und weiteren Restrukturierungsmaßnahmen läuft es wieder besser: 2015 sorgten Beteiligungsverkäufe für einen deutlichen Gewinnanstieg. Und im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte das Sorgenkind Strahlentherapie fast wieder ein ausgeglichenes Ergebnis vorweisen. Bei den industriellen Produkten sieht man sich ohnehin besser aufgestellt. „Teilweise sind wir weltweit der einzige Anbieter“, sagt Ney. „Jedoch ist die Handhabung radioaktiver Stoffe oft kompliziert, so dass unsere Kunden stets auf der Suche nach einfacheren Lösungen sind.“

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