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Fonds-Skandal : Skandal um Handelspraktiken belastet Fondsaktien

  • Aktualisiert am

Janus Capital verliert ein Fünftel des Börsenwertes. Der Kurs des Online-Brokers Charles Schwab ist seit Mitte November um 17 Prozent gefallen. Staatsanwalt Spitzer drängt auf schmerzhafte Strafen.

          3 Min.

          Börsennotierte Fondsgesellschaften, die wegen der Ermittlungen um unlautere Handelspraktiken ins Visier der amerikanischen Aufsichtsbehörden gerückt sind, geraten an der Wall Street stark unter Druck. Das gilt auch für Brokerhäuser, die die Fonds vertreiben. Der Skandal hat zudem internationale Auswirkungen, weil in einigen Fällen die Muttergesellschaft der Fondsanbieter ihren Hauptsitz außerhalb der Vereinigten Staaten hat. Unterdessen weitet sich der Skandal noch aus. So hat nun die Citigroup, Amerikas größte Bank, mitgeteilt, daß die Staatsanwaltschaft eine Geheimvereinbarung zwischen einer Fonds-Tochtergesellschaft und einer Transferstelle untersuche. Dabei geht es um unterlassene Zahlungen in Höhe von 16 Millionen Dollar. Zudem hat die Federated Investors, Amerikas fünfgrößte Fondsgesellschaft, drei Mitarbeiter entlassen. Sie seien in unsaubere nachbörsliche Geschäfte verwickelt gewesen, teilte das Unternehmen mit.

          Der Generalstaatsanwalt von New York, Eliot Spitzer, der die Untersuchungen Anfang September angestoßen hatte, drängt auf schmerzhafte Strafen. "Es wird Gesellschaften geben, die verschwinden werden. Einzelpersonen werden sich Strafverfahren stellen müssen", hat Spitzer angekündigt. Am Dienstag warfen die Aufsichtsbehörden der Treuhändergesellschaft Security Trust aus Phoenix vor, einem großen Hedgefonds beim illegalen Handel mit Fondsanteilen geholfen zu haben, und verfügten die Schließung der Firma. Das ist die erste derartige Maßnahme seit Beginn der Ermittlungen. Security Trust verwaltete 13 Milliarden Dollar für rund 2500 Pensionspläne. Drei ihrer Manager wird zudem Betrug und Diebstahl vorgeworfen.

          Janus und Schwab am härtesten getroffen

          Die Ermittlungen konzentrieren sich auf kurzfristigen Handel mit Fondsanteilen sowie den illegalen Handel mit Fondsanteilen nach Börsenschluß zum Preis des Vortages. Mit dem Kauf und Verkauf von Fondsanteilen in kurzen zeitlichen Abständen haben manche institutionelle Anleger Preisunterschiede auf internationalen Finanzmärkten ausgenutzt. Dieses "Market-Timing" ist zwar nicht illegal, verstößt aber gegen die Statuten der meisten Fondsanbieter, weil es die Kosten erhöht und somit normale Anleger schädigt. Beim Handel nach Börsenschluß gewährten Fondsgesellschaften bevorzugten Anlegern den Preis des Vortages, obwohl für diese Aufträge regulär schon der am nächsten Tag festgelegte Preis gegolten hätte. Kurse von Fondsanteilen werden nur einmal am Tag zum Ende des amerikanischen Börsenhandels festgesetzt. Beim Späthandel konnten die Anleger von Nachrichten profitieren, die erst nach Börsenschluß bekannt wurden.

          Mit am stärksten eingebrochen ist der Aktienkurs von Janus Capital, die als eine der ersten Gesellschaften unter Beschuß geraten war und inzwischen mehrere Mitarbeiter entlassen hat. Seit Anfang September hat Janus über 20 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt. Der Aktienkurs des größten amerikanischen Online-Brokers Charles Schwab ist wegen des Fondsskandals seit Mitte November um rund 17 Prozent gefallen. Schwab hatte eingeräumt, intern Belege für Market-Timing und möglicherweise auch für illegalen Späthandel gefunden zu haben. Bei Schwab wiegt das um so schwerer, da das Unternehmen sich bisher immer als saubere Alternative zum vermeintlich korrupten Rest der Wall Street präsentiert hatte.

          Internationale Auswirkung

          Der Kurs der Fondsgesellschaft Alliance Capital hat sich seit Anfang November, als zwei hochrangige Manager entlassen wurden, um 7 Prozent ermäßigt. Von zeitweise stärkeren Verlusten hat sich die Alliance-Aktie aber inzwischen etwas erholt. Alliance gehört mehrheitlich dem französischen Versicherungskonzern Axa. Der Versicherungsmakler Marsh & McLennan, Muttergesellschaft der fünftgrößten Fondsgesellschaft Putnam, hat seit Mitte Oktober 10 Prozent seines Börsenwerts verloren. Der Kurs fiel parallel zu den sich verschärfenden Ermittlungen der Aufsichtsbehörden gegen Putnam. Inzwischen ist der Vorstandschef von Putnam geschaßt worden. Gegen Putnam und zwei ehemalige Fondsmanager läuft eine Klage des Bundesstaates Massachusetts. Mit der SEC hat sich Putnam auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt.

          International schlägt der Fondsskandal Wellen durch die anglo-amerikanische Kapitalanlagegesellschaft Amvescap und den südafrikanischen Finanzdienstleister Old Mutual, deren Aktien in London gehandelt werden. Amvescap-Papiere, die auch in New York gelistet sind, erholten sich am Dienstag von ihren bisherigen Verlusten etwas, nachdem die Gesellschaft die Vorwürfe von Spitzer und der SEC zurückgewiesen hatte. Amvescap droht ein zivilrechtliches Verfahren. Die Behörden werfen der in Denver beheimateten Amvescap-Tochtergesellschaft Invesco vor, Späthandel und Market-Timing erlaubt zu haben. Invesco ist auch stark in Deutschland vertreten. Der Aktienkurs von Old Mutual ist seit Mitte November leicht zurückgegangen, weil die Gründer der Tochtergesellschaft Pilgrim, Baxter & Associates aus Philadelphia zurückgetreten sind. Gary Pilgrim und Harold Baxter waren nach Angaben der Firma an Market-Timing in den Fonds ihrer Gesellschaft beteiligt. Spitzer hat eine Klage eingereicht.

          Der Fondsskandal hat aber bisher nicht zu einer allgemeinen Abwendung der Privatanleger von dieser Anlageform geführt. Zwar ziehen Anleger Kapital von den Gesellschaften ab, die im Visier der Behörden sind. Aber Gesellschaften wie die Fidelity und Vanguard, die Nummern eins und zwei der Branche, konnten zusätzliche Gelder einsammeln, weil sie nicht in den Skandal verstrickt sind. Antizyklisch handelnde Fondsmanager beginnen bereits, die Aktien der angeschlagenen Vermögensverwalter zu kaufen. Schlechter könne es für die Fondsanbieter nicht mehr kommen, lautet die Begründung.

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