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Fluglinien : Aktienkurs von Alitalia steuert auf sein Rekordtief zu

  • Aktualisiert am
Ob sich der Flug wohl lohnt?
          2 Min.

          Bei vergleichsweise hohen Umsätzen ist der Aktienkurs der italienischen Fluglinie Alitalia am Mittwoch in der Spitze um mehr als acht Prozent eingebrochen. Im Handelsverlauf erholt sich der Titel zwar wieder etwas, am frühen Nachmittag steht aber noch immer ein Minus von 4,41 Prozent auf 0,768 Euro zu Buche.

          Zurückzuführen sind die Abschläge darauf, dass die AP Holding des italienischen Geschäftsmanns Carlo Toto mit ihrer Flugtochter Air One aus dem Bieterverfahren für Alitalia ausgestiegen ist. Zur Begründung führte die zweitgrößte italienische Fluggesellschaft an, es seien keine Verhandlungsspielräume mit dem Wirtschaftsministerium über die Verkaufsbedingungen möglich gewesen.

          Die italienische Regierung sprach gleichzeitig zwar davon, dass der Verkaufsprozess nun wieder offen sei und der amerikanische Vermögensverwalter Matlin Patterson Global Advisors noch immer als Kaufinteressent gelte. Auch könne mit früheren Interessenten erneut gesprochen werden.

          Bild: FAZ.NET

          Verkaufsbedingungen schrecken alle potenziellen Bieter ab

          Trotz dieser Aussage wird die Lage für Alitalia aber immer schwieriger, zumal Matlin Patterson Medienberichten zufolge ebenfalls bereits abgewunken haben soll. Denn schon zuvor hatten sich auch andere Bieter, wie etwa die russische Aeroflot, aus dem Verkaufsprozess enttäuscht verabschiedet. Außerdem hat die Regierung die offiziell noch bis zum 23. Juli laufende Bieterfrist bereits zwei Mal verlängert. In italienischen Medien wird vor diesem Hintergrund nun darüber spekuliert, ob die Regierung möglicherweise einen Kommissar zur Führung von Alitalia einsetzen werde. Das Wirtschaftsministerium hatte bisher geplant, mindestens 39,9 Prozent seines 49,9-prozentigen Anteils an Alitalia zu verkaufen.

          Wie es nun mit der verlustträchtigen italienischen Fluglinie weitergeht, steht in den Sternen. Die unklare Lage spiegelt sich auch am Aktienkurs wider. Während Aktien anderer Fluglinien den Kursaufschwung an den Börsen mitgemacht haben, dümpelt die Notiz von Alitalia noch immer vor sich hin. Nach den Einbußen vom Berichtstag ist nun sogar das vom Oktober 2006 stammende Schlussrekordtief von 0,74 Euro in Reichweite gerückt.

          Ende der Verluste derzeit nicht absehbar

          Warum der Kurs so niedrig ist, lässt sich ganz einfach mit den Verlusten von rund 1,4 Millionen Euro erklären, welche die Fluggesellschaft tagtäglich einfliegt. Damit das Geschäft, das in sechs der vergangenen sieben Jahre defizitär war, künftig wieder profitabel wird, wären tiefe Einschnitte in die Organisationsstruktur dringend notwendig. Doch das ist wegen der bekannten Streiklust des Personals und den Verkaufsbedingungen der Regierung schwierig. Denn diese sehen nur begrenzte Personaleinsparungen und limitierte andere Handlungsspielräume vor. So gesehen dürfte es ein Käufer, falls er sich doch noch finden sollte, schwierig haben, den Turnaround zu schaffen.

          Vor diesem Hintergrund ist die Aktie nach wie vor sehr spekulativ, scheint inzwischen doch auch ein Konkurs nicht mehr völlig ausgeschlossen zu sein. Gleichzeitig beträgt die Marktkapitalisierung nur noch gut eine Milliarde Euro. Das lässt viel Luft nach oben für den Fall einer positiven Trendwende. Dennoch scheint ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt mit vielen Risiken verbunden. Die meisten Marktteilnehmer glauben jedenfalls nicht an ein Happy End. Seit Beginn des Verkaufsprozesses am Jahresanfang hat Alitalia nämlich ein Viertel des Wertes verloren.

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