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Flughafenbetreiber : Geklärte Ausbau-Aussicht nützt Fraport-Aktie

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Mit Kursgewinnen hat die Fraport-Aktie auf die Nachricht reagiert, daß sich der Bau der geplante Landebahn um zwei Jahre verschiebt. Aber: Unsicherheiten sind bereinigt. Derweil steht die Aktie moderat bewertet vor Hürden.

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          Seit Monaten hinkt die Aktie des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG dem MDax, in dem sie notiert deutlich hinterher: Binnen Jahresfrist hat sich das Papier zwar um etwa 27 Prozent verteuert, doch der Vergleichsindex ist in diesen Zeitraum um 46 Prozent vorgerückt. Doch ausgerechnet in den vergangenen zwei Tagen enteilt die Fraport-Aktie mit einem Plus von knapp 3,7 Prozent seit Dienstag auf 23,50 Euro dem MDax, der sich nur um 0,2 Prozent verbessern konnte.

          Dabei hat der Flughafenbetreiber am Dienstag eine unliebsame Nachricht hinnehmen müssen. Er wird frühestens 2007 seinen Bauantrag für die neue Landebahn bearbeitet bekommen, die er in jenem Jahr eigentlich in Betrieb nehmen wollte. Zudem muß er damit leben, daß das Land auch eine „Null-Lösung“, also einen Verzicht auf eine neue Landebahn im Planverfahren mit prüfen muß, ebenso wie eine von der Fraport nicht gewollte Variante im Süden Frankfurts.

          Allerdings hat die schlechte Nachricht auch einen guten Kern: Die Unsicherheit um das Planverfahren ist gewichen. Unternehmen und Investoren sowie Analysten haben nun einen klaren Zeitplan vor Augen. Und da die Börse Unsicherheit nicht mag, gereicht diese Perspektive der Fraport AG zum Vorteil. Doch nicht aus diesem Grund profitiert die Aktie.

          „Neue Landebahn muß 2009 fertig sein“

          Die Aktie der Fraport AG reagierte am Dienstag zunächst mit verstärkten Verlusten auf die Nachricht, der Ausbau des Frankfurter Flughafens werde sich um mindestens zwei Jahre verzögern und die neue Landebahn nicht vor 2009 fertig. Doch im Laufe des Handels beruhigte sich der Kurs wieder und drehte zum Handelsschluß hin sogar ins Plus. Fraport ging mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent aus dem Handel und stieg am Mittwoch um weitere 0,9 Prozent.

          Auch Analysten, die den Frankfurter Flughafenbetreiber und dessen Aktie beachten, äußerten sich unaufgeregt zu der veränderten Perspektive. Der Grund: „An der Börse ist schon seit geraumer Zeit über Verzögerungen diskutiert worden“, sagte Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank zu FAZ.NET. Aus Sicht des Analysten geht es weniger um die Frage, ob sich der Ausbau verzögere. Viel wichtiger sei die genaue Prognose zum Abschluß des Planungsverfahrens. Daraus ergebe sich der mögliche Zeitpunkt der Inbetriebnahme der geplanten Landebahn.

          Falls Flugzeuge tatsächlich erst 2009 auf der neuen Piste landen könnten, wäre dies kein Beinbruch. Denn Fraport habe bis dahin noch ausreichende Kapazitäten für das erwartete Passagieraufkommen. „Aber dann muß die Landebahn stehen, weil andernfalls das Wachstum des Flughafens gefährdet wäre“, hob Weinreich hervor.

          Analyst: Verzögerung vorerst gut für die Ertragslage

          Sein Kollege Stefan Kick beurteilt die Lage ähnlich. „Wenn sich der Bau der Landebahn um zwei Jahre verzögert, wäre dies nicht schlimm.“ Der Analyst der ING BHF-Bank kann einer solchen Perspektive sogar etwas Gutes abgewinnen. Durch die Verzögerung fielen fällige Abschreibungen eben später an. Folglich profitierte der Gewinn von Fraport in den Jahren 2007 und 2008, erläuterte Kick. Aber: Spätestens 2010 gingen die Kapazitäten an Frankfurter Flughafen erwartungsgemäß zur Neige, und dann müsse die Landebahn zur Verfügung stehen. Andernfalls könnte die Lufthansa als Hauptkunde vermehrt Flüge nach München verlegen, und diese wieder nach Frankfurt zurückzuholen, wäre sehr schwierig, meint Kick.

          Weniger einig ist sich die Analystenschar bei der Bewertung der Fraport-Aktie. Der ING-Analyst empfiehlt ebenso wie Helaba Trust, das Papier zu halten. Die Landesbank Rheinland-Pfalz hat den Titel dagegen zuletzt auf „Underperformer“ herabgestuft. Sie erwartet, daß sich die Aktie schwächer entwickelt als der MDax, in dem sie notiert. HVB-Analyst Weinreich empfiehlt das Papier zum Kauf. Denn Fraport habe zuletzt gute Zahlen zu Passagieraufkommen und Umsatz geliefert.

          Die Erlöse kletterten im ersten Quartal auf 446,2 Millionen Euro nach 429,4 Millionen Euro vor Jahresfrist. Der Gewinn blieb mit 18,9 Millionen Euro aber unter den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 21,7 Millionen Euro gerechnet hatten. Für das Gesamtjahr erwartet Fraport aber ein im Vergleich zum Umsatzwachstum überproportionales Gewinnplus. Im März stiegen die Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahr um 9,1 Prozent und das Frachtaufkommen und 7,8 Prozent.

          Aktie moderat bewertet vor Hürden

          Sofern der Luftverkehr keine Rückschläge durch neue Terroranschläge erleidet, hat Fraport angesichts der wieder steigenden Reiselust in der Tat die Chance auf ein erfreuliches Jahr. Davon könnte auch die Aktie profitieren, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,1 moderat bewertet erscheint. Charttechnisch sieht es auch nicht schlecht aus. Der langfristige Abwärtstrend ist zwar noch intakt, doch hat der Titel den kurzfristigen Abwärtstrend gerade hinter sich gelassen und bewegt sich in der Mitte seiner seit Oktober geltenden Handelsspanne. Allerdings liegt er von seinem Jahreshoch gut zehn Prozent entfernt. Um diese Marke bei 26,20 Euro wieder zu erreichten, müßte er den Widerstand bei etwa 25 Euro. Damit würde er ein ermutigendes Signal aussenden. Dessen ungeachtet läßt der Titel es seit September schon an Dynamik vermissen. Insofern steht nicht zu erwarten, daß der Titel deutlich abheben dürfte.

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