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Finanzwerte : Commerzbank-Aktie bleibt Branchen-Schlusslicht

  • Aktualisiert am

Die Commerzbank dreht sich im Kreis Bild: dpa

Noch schlechter als befürchtet laufen die Geschäfte bei der Commerzbank. Zur Strafe avancierte die Aktie zum größten Dax-Verlierer.

          Die Ad hoc-Mitteilung vom frühen Montagnachmittag hat gesessen. Mit einem Verlust hatten die Analysten bei der Commerzbank im dritten Quartal trotz aller ohenhin vorhandenen Vorbehalte nicht gerechnet. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Der Aktienkurs fiel um sieben Prozent auf 16,21 Euro. Die Aktie war damit zum Wochenauftakt der größte Verlierer im Dax.

          So wie es aussieht, dürfte die Commerzbank-Aktie das am Montag eifrig gepflegte Verlierer-Image so schnell nicht los werden. Aktuell spricht jedenfalls kaum etwas für den Titel. Und dass, obwohl die Aktie nach einem massiven Einbruch alleine seit Ende August knapp 42 Prozent an Wert verloren hat. Schon vor der jetzigen Gewinnwarnung hatten ein Drittel der Analysten - und damit ungewöhnlich viele - zum Verkauf geraten. Diese Quote dürfte angesichts der neuen Nachrichtenlage bestimmt nicht besser werden.

          Verlusthinweis überrascht negativ

          Warum die Anleger der Commerzbank die kalte Schulter zeigen, hat mehrere Gründe. In der Ad-hoc vom Montag kommen einige davon zum Vorschein. Die schlimmste neueste Hiobsbotschaft dabei war ein in den Monaten Juli und August verbuchter Verlust von 120 Millionen Euro. Damit hatten Analysten in keinster Weise gerechnet, wie Elisabeth Balsom von Standard & Poor's (S&P) und Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin übereinstimmend feststellen. "Ich hatte zwar mit einem schlechten Resultat, nicht aber mit einem Verlust gerechnet", zeigt sich Baslom negativ überrascht.

          Immerhin fühlt sich Balsom damit aber in gewisser Weise bestätigt. Denn im August hatte sie die Aktie von "Hold" auf "Underperformer" zurück gestuft. Plenk hatte die scharfen Kursverluste dagegen jüngst zum Anlass genommen, um die lange auf "Reduzieren" lautende Einstufung auf "Halten" anzuheben. Auf Grund des inzwischen erreichten niedrigen Kursniveaus will er davon jetzt auch nicht abrücken. Dennoch hält er unmissverständlich fest: "Der Wert bleibt uninteressant und der Kurs dürfte sich weiterhin schlechter als die anderen Bankaktien entwickeln."

          Verwelkte Übernahmefantasie

          In der Tat stellt sich die Frage, woher die Kursfantasie kommen soll. Die deutsche Bankenlandschaft ist eindeutig überbesetzt, und in den nächsten Jahren wird es zu einem Bereinigungsprozess kommen müssen. Die Commerzbank wird dabei wegen ihrer ungenügenden Positionierung nicht als treibende Kraft gesehen. Selbst die lange Zeit kursstützende Übernahmefantasie schwindet mehr und mehr. Nicht einmal die mit der Commerzbank verbandelte Unicredito will offenbar das tiefe Kursniveau für eine Übernahme nutzen. Plenk ist sich daher sicher: "Ein Aufkäufer wird sich nicht finden. Das predige ich schon lange. Dafür ist das Institut zu unprofitabel", lautet sein Fazit.

          Die Kursentwicklung scheint im Recht zu geben, denn die spricht eine eindeutige Sprache. Die Notierung bewegt sich inzwischen wieder auf dem im Jahr 1990 erreichten Spitzenniveau. Schon alleine diese bittere Erkenntnis, ein Jahrzehnt mit dem Aktienkurs nicht voran gekommen zu sein, zeigt, dass die Anleger in der Commerzbank keine Erfolgsstory sehen.

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