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Finanzmarktturbulenzen : Stunde der Wahrheit für die Investmentbanken

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Schwierigkeiten auf den Kreditmärkten werden die Bilanzen der Investmentbanken verschlechtern. Analysten sagen hohe Gewinnrückgänge voraus. Während die deutschen Banken ihre Zahlen erst im Oktober veröffentlichen, wird es für die Amerikaner kommende Woche ernst.

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          Die Turbulenzen auf den Kreditmärkten werden den Investmentbanken die Ergebnisse des dritten Quartals verhageln. Nach Auffassung vieler Beobachter werden die auf das Kapitalmarktgeschäft fokussierten Bankhäuser - von Goldman Sachs bis zur Deutschen Bank - in den Sommermonaten einen deutlichen Gewinnrückgang erleiden. Selten allerdings war die Gefahr falscher Vorhersagen so groß wie derzeit. Denn Transparenz fehlt ebenso wie ein einheitlicher Umgang mit den Risiken.

          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatte die Zahlen des dritten Quartals als entscheidend zur Beendigung der Krise bezeichnet, weil dann das Ausmaß der Schäden offensichtlich werde. In Europa dürfte die Unsicherheit der Anleger bis Ende Oktober dauern; dann erst präsentieren die Banken ihr Zahlenwerk. Für amerikanische Investmentbanken kommt die Stunde der Wahrheit in der kommenden Woche: Banken wie Lehman Brothers, Morgan Stanley, Bear Stearns und Goldman Sachs werden Ergebnisse ihres von Juni bis August laufenden Quartals präsentieren.

          Ackermann dementiert Gerüchte

          Für die wichtigsten europäischen Investmentbanken sagen Analysten kräftige Gewinnrückgänge voraus. Die Beobachter von Lehman Brothers rechnen für UBS, Credit Suisse und Deutsche Bank im zweiten Halbjahr mit einem im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um 40 Prozent niedrigeren Ertrag aus dem Kapitalmarktgeschäft. Die Deutsche Bank kommt bei vielen Analysten derzeit besonders schlecht weg, weil sie rund 70 Prozent ihres Gewinns aus dem Investmentbanking erwirtschaftet. Zudem ist Deutschlands größte Bank besonders stark im Geschäft mit Zinsprodukten (“Fixed Income“). Ebenjene sind von den Schwierigkeiten an den Finanzmärkten am meisten betroffen.

          Die Analysten der Banken JP Morgan, Lehman Brothers und Sal. Oppenheim erwarten daher, dass die Bank den für das kommende Jahr angepeilten Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro nicht mehr erreichen wird. Gerüchten über Gewinnwarnungen, die am Montag zunächst die Aktienkurse der Deutschen Bank und anderer europäischer Banken belasteten, nahm Ackermann freilich den Wind aus den Segeln. Auf einer Anlegerpräsentation in Paris, London und Zürich wiederholte er das für 2008 ausgelobte Ziel ausdrücklich. Auch die französische Großbank Société Générale, die am Freitag Opfer von Gerüchten war, wiederholte ihre Finanzziele für das laufende Geschäftsjahr.

          „Abschreibungsbedarf könnte garstige Folgen haben“

          Die Ergebnisse der Banken sind seit Ende Juli von zwei Seiten unter Druck. Zum einen sorgt die Krise auf vielen Teilen des Kreditmarktes dafür, dass weniger Neugeschäft gemacht wird und die Gebühreneinnahmen der Banken sinken. Darauf werden die Investmentbanken schnell reagieren und die Zahl ihrer Mitarbeiter in den Fixed-Income-Sparten verringern, sagt JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein voraus.

          Der andere Belastungsfaktor hängt mit der Bewertung der Risiken zusammen. Beispielsweise hat die Deutsche Bank rund 32 Milliarden Euro an forderungsbesicherten Wertpapieren aus Zweckgesellschaften (“Conduits“) größtenteils auf ihre Bilanz genommen. Angesichts zum Teil fehlender Marktpreise gibt es einen erheblichen Spielraum, wie diese Vermögenswerte marktgerecht bewertet werden und welcher Abschreibungsbedarf daraus resultiert. Zudem ist die Marktverfassung zum Bilanzstichtag entscheidend. Für die Übernahmekredite gibt es dennoch erste Schätzungen: Die Analysten von JP Morgan rechnen mit einem Verlust von 2,5 Prozent des Kreditvolumens. Bei der Deutschen Bank wären dies beispielsweise 625 Millionen Euro.

          „Sollte sich der Markt bis Ende September erholen, dann könnten die Resultate ganz ordentlich sein. Wenn nicht, dann dürfte der Abschreibungsbedarf recht garstige Folgen haben“, sagt Matthew Clark von der britischen Keefe, Bruyette & Woods. Für die amerikanischen Banken könnte insofern der Bilanzstichtag 31. August ein Nachteil sein. Dafür ist anders als bei den Europäern der ertragsstarke Juni im Quartal berücksichtigt. Dagegen könnten klassische Geschäftsbanken wie Barclays oder Royal Bank of Scotland nach den Worten eines Investmentbankers dazu verleitet werden, die Risiken erst zum Jahresende markgerecht zu bewerten. Denn im Gegensatz zu reinrassigen Investmentbanken müssten sie Risiken nicht monatlich einer Marktbewertung unterziehen.

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