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Finanzmarkt : Weniger Aktionäre auf Hauptversammlungen

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Die Säale dürfen kleiner werden Bild: ddp

Im Jahr 2010 haben weniger Aktionäre die Hauptversammlung ihres Unternehmens besucht als im Vorjahr. Ausschlaggebend sei der gestiegene Anteil von Aktien im Streubesitz, heißt es. Je mehr Privatanleger, desto geringer ist die Präsenz.

          Im Jahr 2010 haben weniger Aktionäre die Hauptversammlung ihres Unternehmens besucht als im Vorjahr. Gemessen am Grundkapital ging die durchschnittliche Präsenz auf den zwischen Mitte Januar und Mitte Juni erfolgten Aktionärstreffen der 30 Dax-Unternehmen um 4,3 Prozentpunkte auf 54,1 Prozent zurück. Das teilte der Aktienregisterführer Registrar Services mit, nachdem mit SAP und Salzgitter in der vergangenen Woche die letzten Hauptversammlungen von Dax-Gesellschaften in diesem Jahr stattgefunden haben. Ausschlaggebend für die besonders stark gesunkene Präsenz bei Unternehmen wie RWE, SAP und VW sei der gestiegene Anteil von Aktien im Streubesitz.

          In der Finanzkrise ist der Anteil der Kleinaktionäre an vielen Unternehmen gestiegen. Je mehr Privatanleger aber ein Unternehmen hat, desto geringer ist tendenziell die Präsenz auf der Hauptversammlung gemessen am stimmberechtigten Kapital. Der Anreiz, eine Hauptversammlung zu besuchen, ist für Privatanleger mit Einführung der Abgeltungsteuer noch einmal gesunken: Seit dem Jahr 2009 können sie die Fahrtkosten zur Hauptversammlung nicht mehr als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

          Elektronische Abstimmungen sind nur vereinzelt möglich

          Über das Internet abzustimmen ist oft noch nicht möglich. SAP und Infineon haben eine Satzungsänderung gerade erst beschlossen. Bei der Deutschen Bank hingegen ist das schon länger möglich. 6000 Aktionäre nutzten in diesem Jahr die Möglichkeit, elektronisch abzustimmen oder Weisungen an Vertreter zu erteilen. 5000 Aktionäre der Bank suchten die Hauptversammlung persönlich auf.

          An Zugkraft gewinnen kann eine Hauptversammlung, wenn brisante Themen auf der Tagesordnung stehen. So stieg die Präsenz beim Aktionärstreffen des Halbleiterkonzerns Infineon gegen den Trend von 45,6 auf 50,8 Prozent des Grundkapitals. Grund war wohl, dass vor 3400 anwesenden Aktionären am 11. Februar ein Machtkampf um den Aufsichtsratsvorsitz tobte. Oft aber kann nicht einmal Unzufriedenheit die Aktionäre zum Besuch der Hauptversammlung veranlassen. Zum Aktionärstreffen des Softwarekonzerns SAP kamen zuletzt nur 3700 Aktionäre nach Mannheim, im Vorjahr waren es 4300. Dabei hätte es Bedarf zur Aussprache gegeben. SAP-Chef Leo Apotheker war im Februar nach nur neun Monaten an der Spitze zurückgetreten. SAP zahlt ihm eine Abfindung von 3,17 Millionen Euro. Zudem erhielt Apotheker als Ausgleich für nicht genommene Urlaubstage 459000 Euro. Die Vergütung von Vorständen sorgt oft für Unmut unter den Aktionären - insbesondere dann, wenn der Anstieg der Dividende nicht mit dem der Vorstandsbezüge Schritt hält. SAP hielt die Dividende immerhin konstant.

          Die teilverstaatlichte Commerzbank darf keine Dividende zahlen, solange der Bankenrettungsfonds Soffin Geld in der Bank stecken hat. Insofern war die Kritik der Aktionäre an der Führung der Commerzbank nicht überraschend, als diese auf der Hauptversammlung für die Zeit nach dem Staatsausstieg ein neues Vergütungsmodell mit deutlich höheren Fixgehältern zur Abstimmung stellte. Auch war der rüde Ton mancher Aktionäre schon aus dem Vorjahr bekannt. Vorstandsvorsitzender Martin Blessing musste sich als "Totalversager" beschimpfen lassen. Aber trotz aller Brisanz ging auch auf der Commerzbank-Hauptversammlung die Zahl der anwesenden Aktionäre von 3100 auf 2700 zurück. Im Jahr 2008, als der Einstieg des Bundes in die Commerzbank besiegelt wurde, hatte die Hauptversammlung sogar zwei Tage gedauert. Am zweiten Tag waren dann allerdings nur noch 600 Aktionäre anwesend.

          Tendenziell steigt die Bedeutung des Internets

          Tendenziell steigt die Bedeutung des Internets für die Organisation von Hauptversammlungen, weil sie dadurch kostengünstiger werden können. Die Deutsche Bank etwa belohnt die Aktionäre, die sich ihre Einladung nicht auf dem Postweg, sondern per E-Mail zuschicken lassen. 2010 bestellten 2400 Aktionäre der Bank ihre Eintrittskarte auf elektronischem Wege.

          Während der Hauptversammlung hatte die Commerzbank 11000 Zugriffe auf die Online-Übertragung des Aktionärstreffens. 2008 wurden während der gesamten Dauer der Hauptversammlung 15000 Zugriffe auf die Online-Übertragung gezählt. Aus rechtlichen Gründen werden beim Aktionärstreffen der Commerzbank nur die Reden des Aufsichtsratsvorsitzenden und des Vorstandsvorsitzenden im Internet übertragen - nicht die Redebeiträge der Aktionäre. Ähnlich bei Infineon. Dort folgten 1600 Interessierte und 1200 Aktionäre den Redebeiträgen der Verwaltung.

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