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Finanzmarkt : Skandale und Pleiten begleiten Anleger seit Jahrhunderten

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Manche wollen um jeden Preis ans „große Geld” Bild: AP

Die Geschichte der Finanzmärkte ist auch eine Geschichte von Spielern und Hasardeuren. Spätestens im Jahr 2000 haben auch die meisten Deutschen die Licht- wie auch die Schattenseiten kennengelernt.

          Spätestens seit dem Jahr 2000 wissen die meisten Deutschen, wie die Börse funktioniert. Seitdem haben sie sowohl die Licht- wie auch die Schattenseiten kennengelernt. Stellare Kursgewinne und eine dramatische Wertvernichtung, Skandale und Betrügereien haben die vergangenen drei Jahre begleitet. Für viele Anleger mag das neu gewesen sein. Dabei gibt es Börsenpleiten und Börsenschwindler, seit es Geld gibt. Immer wieder haben Menschen versucht, auf legalem, halblegalem und illegalem Weg schnell reich zu werden. Ihre Geschichten, von denen auf der übernächsten Seite die wohl berühmtesten erzählt werden sollen, faszinieren und amüsieren - je nach dem Naturell des Betrachters.

          Faszinierend sind die Geschichten um Börsenschwindel und -pleiten, aber auch lehrreich. Über Jahrhunderte hinweg verlaufen Katastrophen an den Kapitalmärkten nach einem ähnlichen Drehbuch. Und wer die Handlungsmuster bereits im Voraus kennt, kann sich einige Unannehmlichkeiten ersparen. Vereinfacht lassen sich drei verschiedene Muster feststellen: Pyramidensysteme, sich selbst beschleunigende Erwartungsblasen und Marktmanipulationen.

          Anleger der ersten Stunde

          Pyramidensysteme - nach einem der wohl bekanntesten und größten Pyramidenbetrüger Ponzi-Spiele genannt - sind Schneeballsysteme, bei denen mit den Einzahlungen der Anleger angebliche Gewinne ausgeschüttet werden, die dann wiederum neue Anleger anlocken, aus deren Einzahlungen dann wiederum neue Gewinne ausbezahlt werden. Da in diesen Systemen kein Kapitalstock vorhanden ist, der Gewinne abwirft, erfolgen die Ausschüttungen der Gewinne aus der Substanz und funktionieren nur, solange immer neue Anlegergelder in das System fließen, mit denen dann weitere Ausschüttungen finanziert werden können. Das jüngste Beispiel für ein solches System sind die Betrugsfälle um die CTS, die sich noch vor kurzem in der Pfalz zugetragen haben und heute die Finanzgerichte der Region beschäftigen.

          Bei sich selbst beschleunigenden Erwartungsblasen läßt sich nicht immer ein Urheber beziehungsweise Initiator finden. Hier geht es um Vermögensgegenstände, deren Wert im Verlauf einer Blase astronomische Höhen erreicht. Auch hier sind es Gewinne der Anleger der ersten Stunde, die neue Anleger anlocken, deren Käufe dann zu weiteren Kursgewinnen der jeweiligen Vermögensgegenstände führen - ob es sich bei den Vermögensgegenständen um Tulpen, Aktien, Immobilien oder Rohstoffe handelt. Die Vermögensgegenstände werden von Anleger zu Anleger weitergereicht, zu einem immer höheren Kurs, und alleine die Erwartung weiter steigender Kurse führt zu weiteren Kurssteigerungen. Auf der Suche nach solchen Erwartungsblasen muß man nicht erst in die Zeit der Tulpenzwiebelhysterie oder der Spekulation um die legendäre Mississippi-Gesellschaft des John Law zurückgehen - ein Blick auf die Technologie-Blase des Jahres 2000 tut es auch.

          Gravitationskräfte des Marktes

          Sowohl den Erwartungsblasen als auch den Pyramidenspielen ist eines gemeinsam: Diese Systeme sind wie ein Fahrrad - sobald es anhält, fällt es um. Bleiben im Pyramidenspiel die Einzahlungen weiterer Anleger aus, hören die Kurse auf zu steigen. Es kommt zu einer raschen Gegenreaktion. Die auf dem Treibsand leerer Versprechungen und zweifelhafter Kursgewinne aufgebauten Gebilde brechen rasch und lautstark zusammen. Die Anteilsscheine, die Vermögensgegenstände in der Hand der Anleger, werden zum Schwarzen Peter: Wer sie zuletzt in der Hand hält, hat verloren.

          Verloren haben zumeist auch jene, die sich gegen den Markt stemmen und ihm ihren Willen aufzwingen wollten. Bei solchen Marktmanipulationen geht es entweder darum, sich mit illegalen Methoden einen Vorsprung vor anderen Akteuren zu verschaffen oder aber einen engen Markt für Vermögenswerte durch hohen Mitteleinsatz in eine gewünschte Richtung zu manipulieren - notfalls mit Hilfe von Falschinformationen oder durch gezielt plazierte Gerüchte.

          Auch wenn dieses Spiel anfangs gutgeht, so sind die Gravitationskräfte des Marktes in der Regel zu stark, als daß man sich ihnen auf Dauer widersetzen kann. Hinzu kommen unvorsehbare Ereignisse, die dem Markt eine neue Dynamik geben. Entwickelt sich der Markt erst einmal gegen die eingegangene Wette, so ist das Ende meist rasch in Sicht. Die gehaltenen Positionen werden von Tag zu Tag wertloser, immer mehr Geld wird verbrannt, bis keines mehr da ist. Eines der berühmtesten Beispiele ist die Silberspekulation der Gebrüder Hunt. Eines der jüngsten Beispiele lieferte der Engländer Nick Leeson, der die Barings-Bank ruinierte.

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