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Finanzmarkt : "Sattes Plus" mit Hebelzertifikaten

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Optionsscheine waren und sind bei spekulativen Anlegern beliebt. Neuerdings werden sie aber von so genannten Hebelzertifikaten überflügelt. Denn ihre Preisentwicklung ist berechenbarer.

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          „Selten hat ein neues Produkt für so viel Aufsehen gesorgt wie Hebelzertifikate und Knock-out-Optionsscheine“ - so oder so ähnlich klingt der Abgesang der Presselandschaft auf den jüngsten Schrei Finanzingenieure der Optionsscheinhäuser.

          Vor etwas mehr als einem Jahr wurden diese Papiere unter Namen wie "Turbo", "Wave" oder "LIF" zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit in verbriefter Form angeboten. Vorher waren die Konstruktionen als ein winziges Detail einer weiten Welt exotischer Strukturen nur den professionellen Investoren bekannt.

          Berechenbare Preisentwicklung

          Ähnlich wie bei Optionsscheinen lässt sich mit Hebelzertifikaten unter Einsatz von relativ geringen Mitteln auf Kursbewegungen und spekulieren, sei es nach oben oder nach unten. Die Unterschiede bestehen auf Grund der Konstruktion darin, dass die Volatilität bei der Preisbestimmung im „normalen Bereich“ keine Rolle spielt. Das heißt, das Preisverhalten wird für den Anleger berechenbar. Bewegt sich beispielsweise beim Dax-Schein der Deutschen Bank (WKN 771022) der Dax um einen Punkt, dann ändert sich der Wert des Hebelzertifikats ebenfalls um einen Punkt, wenn man das Bezugsverhältnis einkalkuliert. Und zwar ohne Wenn und Aber.

          Im Gegensatz dazu spielen nämlich bei der Preisbestimmung von Optionsscheinen mehrere Faktoren eine Rolle. Neben der Kursbewegung des Basisobjekts vor allem die Entwicklung der Volatilität. Genau die aber war für „Otto Normalanleger“ oft nicht so richtig greifbar. Sie fühlten sich nicht selten über den Tisch gezogen, obwohl die Banken und Optionsscheinhäuser nur die erratische Volatilitätsentwicklung des Marktes nachvollzogen.

          Dazu kommt ein weiteres Merkmal von Hebelprodukten, nämlich eine „automatische Stopp-Loss-Marke“ oder Barriere. Läuft der Markt gegen den Anleger, löst sich das Produkt bei dieser Marke in Luft aus. Der Kapitaleinsatz ist in diesem Fall vollständig verloren. Beim angeführten Daxschein der Deutschen Bank liegt dieser Punkt bei 2.300 Zählern, also rund zehn Prozent unter dem aktuellen Niveau. Nähert sich der Schein dieser Marke, dann wird es richtig riskant. Anleger sollten also schon deutlich vorher die Reißleine gezogen und verkauft haben. Möglichst 20 bis 30 Indexpunkte von der Barriere entfernt schon. Denn in kritischer Nähe dieser Marken ändert sich plötzlich auch das Preisverhalten wieder - und Faktoren wie die Volatilität spielen wieder eine Rolle.

          Zocker fühlen sich gar von Barrieren angezogen

          Aber selbst das scheint einige Leute nicht abzuschrecken. Sondern Zocker scheinen sogar noch mit dem Feuer spielen zu wollen. „Einige Anleger lassen sich davon nicht abschrecken und gehen selbst in der der Nähe der Barriere noch Positionen ein“, sagt beispielsweise Florian Brechtel von der Deutschen Bank. „Gerade die aggressiven Produkte werden sehr oft von richtigen Kamikazetypen gehandelt, die die Positionen nicht sehr lange halten“, erklärt er. Manchmal wohl nur Stunden. Aber zunehmend nutzen auch Vermögensverwalter die Papiere, um Kundendepots abzusichern. Abgesehen davon, dass vielen von ihnen der Weg an die Terminbörse versperrt bleibt, mangelt es nicht selten auch an Infrastruktur und Expertise im Umgang mit Futures oder die Kontrakte sind zu groß. Hier scheinen Zertifikate einen idealen Ausweg zu bieten.

          Der Erfolg der neuen Produkte wirbelt auch den Markt der Emittenten durcheinander. War die Citibank noch bis vor wenigen Monaten der unangefochtene Spitzenreiter mit dem Handel von Optionsscheinen, so scheint sich die Deutsche Bank nun mit den neuen Produkten an die Spitze gesetzt zu haben. Dabei läuft lediglich etwa ein Viertel des Geschäftes über die Börse, während der Rest im Interbankengeschäft läuft. Also etwa zwischen einem Discount-Broker und dem Emittenten eines Produktes. Auf Grund der Daten aus dem BöGA - Abkürzung für Börsengeschäftsabwicklungssystem - bezeichnet sich die Deutsche Bank als Marktführer.

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