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Finanzmarkt : Dax fällt unter 9000 Punkte

  • Aktualisiert am

Ein müder Händler an diesem Mittwoch im Handelssaal der Börse in Frankfurt. Bild: dpa

Der Dax hat den Kampf um die Marke von 9000 Punkten verloren. Zum Handelsschluss fiel der Index auf 8995 Zähler.

          Der Dax ist am Mittwoch erstmals seit zwei Monaten wieder unter die Marke von 9000 Punkten gerutscht. Nach dem der Index schon am Vormittag im Handelsverlauf für gut eine Viertelstunde unter diese Marke gefallen war, drückte ihn die schwächelnde Wall Street endgültig unter das Niveau.

          Insgesamt verlor der Dax ein Prozent und schloss mit 8995 Punkten. Der mit 100 Werten den Markt deutlich breiter abbildende F.A.Z.-Index fiel um 1,1 Prozent auf 1840 Zähler.

          „Lange Zeit hatten die Finanzmärkte die Krisen rund um den Globus ignoriert, nun müssen sie als Begründung für die Korrektur herhalten“, sagte Chefanalyst Jens Klatt vom Broker DailyFX. Es gebe derzeit überhaupt keine positiven Impulse.

          Grund für die Kursverluste von nunmehr 8 Prozent an neun Börsentagen, ist eine Aneinanderreihung von schwachen Konjunkturdaten und die Enttäuschung darüber, dass die EZB keine neuen umfassenden Konjunkturmaßnahmen ergriffen hat.

          Am Montag war zunächst der Auftragseingang der deutschen Industrie mit einem Minus von fast 6 Prozent hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Am Dienstag folgte die deutsche Industrieproduktion, die im August gegenüber dem Vormonat um 4 Prozent sank. Volkswirte hatten im Rahmen einer Umfrage der Finanznachrichtenagentur Bloomberg lediglich ein Minus von 1,5 Prozent erwartet.

          Das Fass zum Überlaufen brachte indes die Senkung der Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft durch den Internationale Währungsfonds (IWF), so Analyst Craig Erlam vom Brokerhaus Alpari UK. Der IWF hatte seine Prognose für das weltweite Wachstum 2014 am Dienstag zum dritten Mal auf 3,3 Prozent von zuvor 3,4 Prozent gesenkt. Für Deutschland erwartet er nur noch ein Plus von 1,4 statt 1,9 Prozent.

          Die Reaktion sage viel darüber aus, wie Anleger das aktuelle Kursniveau beurteilten, so Erlam. „Jeder hat den Finger am Abzug und beim kleinsten Anzeichen von schlechten Nachrichten sehen wir heftige Verkäufe.“ Die Analysten der Essener National-Bank warnten allerdings davor, diesen Rückgang überzubewerten. „Von Rezession zu sprechen, wie es heute Morgen schon wieder überall zu lesen ist, kann keine Rede sein“, schrieben sie in einem Kommentar. „Wachstumsdelle trifft es da schon eher. Allerdings sollten die jüngsten Daten zugleich sehr deutlich machen, dass man sich auch in Deutschland nicht ausruhen darf. Wettbewerbsfähigkeit kann man viel schneller verlieren, als sie wieder herzustellen.“

          Indes befindet sich der Dax in einer kritischen Lage. Nachdem nun die Marke von 9000 Punkten gefallen ist, ist eine wichtige Unterstützungslinie durchbrochen. Ohne positive Nachrichten drohen damit noch weitere Kursverluste.

          Zwar fehlen derzeit immer noch ernsthafte Alternativen zu Aktien als Geldanlage. Dies hatte den Dax gut elf Monate in der Spanne zwischen 9000 und 10.000 Punkten festgehalten. Nun haben Nervosität und Vorsicht die Oberhand gewonnen.

          Der breitere Markt hatte die Entwicklung gewissermaßen vorweg genommen. Der F.A.Z.-Index wies schon früher keine ausgeprägte Unterstützung mehr auf und fiel unter das August-Tief von 1850 Punkten. Ein weiterer Rutsch in den Bereich von 1820 Punkten wird damit wahrscheinlich. Der F.A.Z.-Index ist wie die meisten Börsenindizes weltweit ein Kursindex, der Dividenden unberücksichtigt lässt. Dieser Faktor führt dazu, dass der Dax die tatsächliche Entwicklung immer wieder beschönigt.

          Wichtig dürfte nun auch der Verlauf der amerikanischen Berichtssaison werden, die am Abend mit der Vorlage der Geschäftszahlen durch den Aluminiumproduzenten Alcoa beginnt. In Deutschland indes hat der traditionelle Vorläufer der Berichtssaison, der Verpackungshersteller Gerresheimer, enttäuscht. Aufgrund der Probleme der Kunden aus der Pharmaziebranche in den Vereinigten Staaten und Osteuropa hat Gerresheimer seine Jahresprognose eingegrenzt.

          Der Umsatz wird im bis Ende November laufenden Geschäftsjahr bei konstanten Wechselkursen nur um rund 4 Prozent steigen. Bisher hatten die Düsseldorfer einen Anstieg von 4 bis 6 Prozent erwartet. Das bereinigte operative Ergebnis dürfte mit 255 bis 258 Millionen Euro in der Mitte der bislang angepeilten Spanne von 250 bis 265 Millionen Euro liegen.

          Das Ergebnis des abgelaufenen Quartals blieb mit einem gleichsam stagnierenden operativen Gewinn hinter den Markterwartungen zurück. Der Kurs der Gerresheimer-Aktien fiel um 3,5 Prozent auf 49 Euro.

          SAP zu Unrecht unter Druck

          SAP gaben 3,9 Prozent ab. Laut dem Magazin „Börse Online“ hat Finanzvorstand Mucic einen Einstellungsstopp bis Ende des Jahres verhängt. Dienstreisen und der Einsatz von externen Dienstleistern sollen verringert werden. Allerdings hat der Vorstand schon in den vergangenen Jahren in der zweiten Jahreshälfte stets zum Sparen aufgerufen. Analysten zufolge ist das daher nichts Ungewöhnliches.

          Gefragt waren dagegen die Aktien des Gesundheitskonzerns Fresenius, die als besonders defensiv gelten und denen man in schlechten Börsenphasen daher eine bessere Wertentwicklung zutraut. Zudem haben die Analysten der Deutschen Bank diese zum Kauf empfohlen. Nach zwei Jahren mit gedrosseltem Wachstum sollte der Gegenwind an vielen Fronten endlich nachlassen und gleichzeitig die Wachstumsinitiativen Früchte tragen. Schon im nächsten Jahr dürfte das Unternehmen wieder zweistellige Wachstumsraten ausweisen, heißt es. Der Kurs stieg um 3 Prozent.

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