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Finanzmarkt : Börsen im „Alles-halb-so-schlimm-Modus“

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Was wäre, wenn die Zentralbanken die Liquiditätshilfen zu früh beenden? Bild: AP

Die Stabilisierung der Wirtschaft wird an den Börsen schon als Ende der Krise begriffen. Der Drang zum späten Einstieg ins Aktiengeschäft ist groß, doch möglicherweise lohnt es sich, standhaft zu bleiben. Mindestens drei Szenarien sind denkbar.

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          An den Aktienbörsen hat die Wirtschaftskrise ihren Schrecken verloren. „Alles halb so schlimm“, lautet die Devise, was die kurze Phase der Verunsicherung und Kurskorrektur beendet. So nähert sich der deutsche Aktienindex Dax nach einem Wochengewinn von rund 2 Prozent schon wieder seinem Jahreshoch.

          Optimisten verweisen darauf, dass die europäische Wirtschaft im zweiten Quartal wider Erwarten nicht weiter geschrumpft ist. Alle Umfragen deuten auf eine sich aufhellende Stimmung in der Wirtschaft. Gerade hat sich der Einkaufsmanagerindex für den Euro-Raum weiter verbessert. Im verarbeitenden Gewerbe ist der Punktwert seit Mai von 40 auf 47 Punkte gestiegen. Das ist zwar immer noch niedrig – unterhalb von 50 Punkten signalisiert der Index die Erwartung einer Verschlechterung –, aber die Stimmung steigt so rasch, dass viele Anleger mit einem sehr günstigen Verlauf des zweiten Halbjahres rechnen. Das dürfte der Ifo-Geschäftsklimaindex am Mittwoch bekräftigen, der von Analysten mit 90 Punkten erwartet wird. Am selben Tag könnten auch die Auftragseingänge in der amerikanischen Industrie mit einem Plus von 4 Prozent die Zuversicht stärken.

          Vorsichtige Anleger unter Argumentationsdruck

          Solche Daten liefern die Argumente für eine Fortsetzung der seit März andauernden Hausse, die den Dax von 3588 Punkten aus um 50 Prozent nach oben getrieben hat. Anleger, die sich aus Gründen der Vorsicht von Aktien ferngehalten haben, geraten nun unter Druck. Wer zum Beispiel Vermögen für einen Fonds oder für einen Versicherer verwaltet, muss sich nun fordernde Fragen seiner Auftraggeber gefallen lassen. Der Drang zum späten Einstieg ist also groß, doch möglicherweise lohnt es sich, standhaft zu bleiben.

          Der Blick auf eine etwas gruselige Parallele kann dabei helfen: Beim großen Börsenkrach der Wall Street im Jahr 1929 führte der erste Rutsch zu einer Halbierung der Kurse. Danach ging es innerhalb eines knappen halben Jahres nach oben, und etwa die Hälfte der Einbuße wurde aufgeholt. So weit ähnelt der Verlauf der Börsenentwicklung den Ereignissen nach der Lehman-Pleite, die sich im September zum ersten Mal jährt. 1929 war die Malaise an den Börsen lange nicht zu Ende. Abwärts ging es noch für zwei weitere Jahre, immer wieder unterbrochen von Kurserholungen. Erst 1932 erreichte der S&P-500 sein Tief, 80 Prozent unter dem Ausgangsniveau.

          Geschichte wiederholt sich nicht, das mag sein. Die Optimisten an der Börse verweisen zu Recht darauf, dass die Zentralbanken und die Politiker damals schwere Fehler begangen haben. Seit dem Herbst 2008 haben die Notenbanken dagegen das Finanzsystem mit riesigen Liquiditätsspritzen stabilisiert, und die Regierungen haben die Wirtschaft mit Konjunkturprogrammen gestützt. An diesem Wochenende haben sich die wichtigsten Zentralbanker der Welt im amerikanischen Jackson Hole zu ihrer jährlichen Fachkonferenz getroffen. In den Diskussionen spielt eine wichtige Rolle, wie die Notenbanken zum richtigen Zeitpunkt die Geldschwemme wieder abpumpen.

          Mindestens drei Szenarien denkbar

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