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Finanzmärkte : Viele „Unternehmenschampions“ aus Schwellenländern

  • Aktualisiert am

Bild: Daten: Bloomberg, © FAZ.NET

Die Finanzmärkte wandeln sich. Die Energiekonzerne Gasprom und Petrochina haben sich gemessen am Börsenwert längst in der Spitzengruppe der Weltrangliste festgesetzt. Deutsche Unternehmen dagegen bleiben zurück.

          Bis noch vor wenigen Jahren gab es an den internationalen Börsen eine klare Rangordnung: Die großen, marktschweren Unternehmen waren in den marktwirtschaftlichen Staaten ansässig, vor allem in den Vereinigten Staaten und Europa, während in den Schwellenländern lediglich kleinere, wenig bekannte Unternehmen anzutreffen waren.

          Allerdings hat sich das inzwischen deutlich verändert. Denn unter den 25 größten Werten nach Marktkapitalisierung lassen sich mit Gazprom an Nummer fünf, Petrochina an Nummer sieben und der Industrial and Commercial Bank of China auf Platz Nummer 13 schon drei Werte aus den Schwellenländern antreffen.

          Unternehmen in Schwellenländern wachsen rasch und vor allem auch profitabel

          Diese Verschiebung dürfte angesichts des Rohstoff- und Energiebooms in den vergangenen Jahren und insbesondere auch bei anhaltendem Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern anhalten. Denn die konjunkturelle Dynamik in diesen Regionen führt dazu, daß die dort tätigen Unternehmen rascher und vor allem auch profitabel wachsen und expandieren können als die Dinosaurier aus den schon weit entwickelten Staaten mit zum Teil gesättigten Märkten.

          Dort haben die ansässigen Unternehmen mit einer zunehmenden Sättigung der Märkte zu kämpfen, gleichzeitig aber auch mit einer mehr oder weniger raschen Alterung der Bevölkerung und vor allem auch mit der zunehmenden Konkurrenz sowohl im Produktions-, als auch im Dienstleistungssektor.

          Das schlug sich in den vergangenen Jahren deutlich an den Börsenkursen nieder. So konnten die Unternehmensriesen der Schwellenländer im Rahmen der anhaltenden Börsenrally trotz ihrer Größe zum Teil massive Kursgewinne verbuchen. Die Aktie von Gazprom legte auf Sicht eines Jahres 54 Prozent zu in Euro, die von Petronchina 63 Prozent und jene von China Life Insurance sogar satte 256 Prozent auf einen Marktwert von zuletzt 62,1 Milliarden Euro, die der Sberbank um 159 Prozent auf 46,85 Milliarden Euro.

          Es gab jedoch auch deutliche Verlierer. Lag der Marktwert des saudischen Unternehmens Sabic zu Jahresbeginn in der Weltrangliste noch sehr weit vorne, so ist er inzwischen im Rahmen der massiven Korrektur an den arabischen Börsen in den vergangenen Monaten auf Sicht eines Jahres um satte 58 Prozent auf zuletzt 53,6 Milliarden Euro gefallen. Seit seinem Hoch bei knapp 300 saudischen Riyal im Februar hat das Papier inzwischen sogar 67 Prozent verloren.

          Bei anhaltendem Wachstum dürften vor allem die chinesischen Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Das ist auch das erklärte Ziel der Regierung des Landes. Sie will bis zu 50 Staatsbetriebe zu international wettbewerbsfähigen Konzernen heranziehen, damit sie nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) gegen die ausländische Konkurrenz bestehen können.

          China setzt auf internationale „Champions“

          Wirtschaftliche Kernbereiche und sicherheitsrelevante Industrien wolle der Staat jedoch auch künftig kontrollieren, sagte Li Rongrong, Direktor der Kommission zur Verwaltung des Staatseigentums in Beijing der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wir wollen den Unternehmen helfen, ihre Ressourcen effektiver einzusetzen, das Management zu verbessern und die Erträge der Aktionäre zu stärken“, sagte Li. „Das ist die Prämisse und die Basis all dessen, was wir tun.“ China setze dabei auf eine Trennung zwischen Politik und Wirtschaft.

          Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung, Petrochemie, Telekommunikation, Kohle, Luftfahrt und Seefracht sowie Stromnetz-Betreiber bleiben unter staatlicher Kontrolle, wie Li erklärte. „Die Zentralregierung muß die absolute Kontrolle über Branchen behalten, die die nationale Sicherheit betreffen oder wichtig für wirtschaftliche Stabilität sind“, sagte Li am Dienstag. Institutionelle Anleger sehen dies jedoch nicht als Grund zur Besorgnis.

          Die obersten Verwalter des Staatseigentums orientieren sich bei ihrem Wirtschaftsmodell am Beispiel Singapurs und dessen staatlicher Holding Temasek Holdings. Sie fusionieren Unternehmen und drängen ebenso auf eine bessere Ausstattung mit Kapital wie eine umsichtigere Unternehmensführung. „Die Regierung will das Wachstum von 30 bis 50 international wettbewerbsfähigen Unternehmensgruppen vorantreiben“, sagte Li. „Dabei spielen auch geistiges Eigentum und Markenrechte eine Rolle.“

          Die größten chinesischen Konzerne sollen ihre Finanzausstattung mit Hilfe der Kapitalmärkte verbessern. Bislang ermunterte Beijing die Unternehmen, den Sprung an ausländische Börsen zu wagen, um in Folge der dortigen Regulierungsvorgaben ihr Management zu verbessern und Kapitalvolumina zu beschaffen, die am einheimischen Börsen nicht verfügbar waren. Nun hat sich der chinesische Markt nach den Worten Lis so verbessert, daß sie mehr Möglichkeiten haben, auch im Inland Kapital einzusammeln.

          Institutionelle Anleger bestätigen, daß sich die Lage an den chinesischen Kapitalmärkten in den vergangenen drei Jahren drastisch verbessert hat. „Es gibt keinen Grund mehr, warum chinesische Unternehmen nicht in China an die Börse gehen könnten“, sagt Ke Shifeng, Portfoliomanager bei Martin Currie Investment Management in Shanghai laut Bloomberg. Die Kommission zur Verwaltung des Staatseigentums will die Zahl ihrer Unternehmen bis 2010 auf 80 bis 100 senken, von derzeit 161. Um den strukturellen Umbau voranzutreiben, wird voraussichtlich eine neue Managementgesellschaft gegründet. Staatsbetriebe sollen künftig auch in die Rentenkasse einzahlen, damit die öffentlichen Finanzen entlastet werden.

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