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Finanzmärkte : Viele Börsengänge geplant - vor allem in China

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Ungeachtet der anhaltenden Sorgen über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands sind viele Unternehmen auf der Welt offenbar optimistisch, neue Aktien an der Börse plazieren zu können. Vor allem auch Chinas Banken brauchen mehr Eigenkapital.

          Ungeachtet der anhaltenden Sorgen über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands sind viele Unternehmen auf der Welt offenbar optimistisch, neue Aktien an der Börse plazieren zu können. Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR plant laut Presseberichten, den Krankenhausbetreiber HCA an die Börse zu bringen und auf diesem Weg rund 3 Milliarden Dollar (rund 2,3 Milliarden Euro) einzusammeln. Sollte das gelingen, wäre dies der größte Börsengang in den Vereinigten Staaten seit zwei Jahren.

          An den Aktienmarkt könnte demnach auch das amerikanische Technologieunternehmen Real ID kommen und dabei Aktien im Gesamtwert von rund einer Milliarde Dollar emittieren. Das Unternehmen stellt 3-D-Technik für Kinosäle her, die stärker nachgefragt wird, nachdem der Film "Avatar" ein Kassenschlager geworden ist und gerade die Neuverfilmung von "Alice im Wunderland", die ebenfalls dreidimensional angeschaut werden kann, in den Kinos läuft.

          Chinesische Staatsbanken suchen frisches Kapital

          Dennoch wird der Hauptschauplatz für Börsengänge oder Kapitalerhöhungen in diesem Jahr voraussichtlich nicht in den Vereinigten Staaten liegen, sondern in China. Dort haben Unternehmen allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres über Börsengänge insgesamt 18 Milliarden Dollar eingeworben, amerikanische Unternehmen dagegen nur 4 Milliarden Dollar (siehe Tabelle).

          Diese Entwicklung könnte sich auch im Rest des Jahres bestätigen: Einem Zeitungsbericht zufolge plant die drittgrößte chinesische Staatsbank, die Agricultural Bank of China (ABC), über eine simultane Notiz an den Börsen in Schanghai und in Hongkong Aktien im Wert von umgerechnet etwas mehr als 29 Milliarden Dollar (200 Milliarden Yuan) auszugeben. Wenn sie dafür Käufer fände, wäre dies der größte Börsengang auf der Welt, größer noch als die 22 Milliarden Dollar umfassende Aktienerstemission ihrer Wettbewerberin Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) im Jahr 2006. Die ABC ist die einzige der wichtigen chinesischen Banken, die noch nicht an die Börse gegangen ist. Die chinesische Regierung wollte zunächst, dass die Bank restrukturiert wird, um einen möglichst hohen Preis zu erzielen.

          Einen konkreten Termin für diesen möglichen Börsengang gibt es demnach noch nicht. Die ABC holt gerade angeblich Angebote von rund zwanzig Investmentbanken ein. Nach Angaben der "Financial Times" waren unlängst Brian Moynihan, Chef der Bank of America Merrill Lynch, und John Mack, sein Widerpart von Morgan Stanley, in Peking, um mit Vertretern sowohl der ABC zu sprechen als auch von anderen chinesischen Großbanken, die schon börsennotiert sind und Eigenkapital aufnehmen wollen. Grund ist, dass Chinas Banken im vergangenen Jahr nach Angaben des Finanzdatenanbieters Bloomberg Kredite im Rekordvolumen von 9,59 Billionen Yuan ausgaben und damit die Erholung der chinesischen Wirtschaft befeuerten.

          Denn sie müssen künftig mehr Eigenkapital als bisher vorhalten

          Chinas Bankenaufsicht hat den Kreditinstituten nun aus Angst vor Preisblasen und steigender Inflation vorgeschrieben, mehr Eigenkapital vorzuhalten. Mit den geplanten Kapitalerhöhungen reagieren die Banken darauf. Börsengänge sind in China offenbar aber nicht nur für Banken ein Thema. "Es gibt mehr als 120 000 Unternehmen in China", sagte Zhang Yujun, Direktor der Börse in Schanghai, jüngst während einer Konferenz und fügte hinzu: "Wenn sich nur zehn Prozent von ihnen listen lassen, wären das mehr als 10 000 Börsengänge."

          Auf mögliche Aktienemissionen chinesischer Unternehmen hoffen auch Börsen außerhalb Chinas. Ein Vertreter des amerikanischen Börsenbetreibers Nasdaq OMX Group sagte, er rechne dieses Jahr mit 10 bis 15 Börsengängen chinesischer Unternehmen. Der chinesische Armaturenhersteller Joyou hatte vor wenigen Wochen das Frankfurter Parkett für sein Börsendebüt gewählt. In Deutschland war dies der vierte Börsenneuling in kurzer Zeit, vor Joyou kamen hierzulande der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, das Modeunternehmen Tom Tailor und der Chemikalienhändler Brenntag an die Börse. Als nächstes könnte das ehemalige landeseigene Wohnungsunternehmen GSW aus Berlin folgen. Die beiden Eigentümer - die Beteiligungsgesellschaft Cerberus und der Whitehall-Fonds von Goldman Sachs - haben vom Berliner Senat grünes Licht für den Börsengang bekommen.

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