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Finanzmärkte : Steuersenkungen lassen Aktienmarkt wohl nicht abheben

  • -Aktualisiert am

David Roche, Independent Strategy Bild: Independet Strategy

Der US-Präsident hat sein Konjunkturprogramm vorgelegt. David Roche von Independent Strategy warnt vor überzogenen Hoffnungen und nennt klare Gründe.

          4 Min.

          Präsident Bush hat die Steuern stärker gesenkt als erwartet. Die Maßnahmen reichen jedoch nicht aus, um eine Verlangsamung des realen BIP-Wachstums auf 1 Prozent im laufenden Jahr zu verhindern. Die Unternehmensgewinne dürften weiterhin gering ausfallen, der S&P 500 wird neue Tiefstände testen. Wir halten an unserer Untergewichtung/Short-Position in US-Aktien fest.

          Mit dem seit langem erwarteten Konjunkturpaket von Präsident Bush werden die Steuern in den kommenden zehn Jahren um 674 Milliarden Dollar gesenkt. Allein 2003 wird die Steuerlast um 102 Milliarden Dollar verringert (vgl. Tabelle). Positiv ist zu vermerken, dass die Maßnahmen mehr als doppelt so umfangreich sind wie von den Analysten erwartet. Allerdings werden sie nicht ausreichen, um den Verbrauch in dem Maße zu stützen, wie es erforderlich wäre, um einen Rückgang des Wachstums unter die Trendrate in diesem Jahr zu verhindern.

          Geringere Belastung soll den Verbrauch beflügeln

          Wie erwartet hat Bush die Doppelbesteuerung von Dividenden abgeschafft und die für 2004 geplante Senkung der Einkommensteuer auf das laufende Jahr vorgezogen. Bush hofft, dass infolge der geringeren Steuerbelastung von Dividenden mehr Geld in den Aktienmarkt fließt und das Vermögen der privaten Haushalte so stark wächst, dass hierdurch der Konsum und das Verbrauchervertrauen gestützt werden. Durch die vorgezogenen Steuersenkungen erhält auch Otto Normalverbraucher mehr Geld, das er möglichst ausgeben soll.

          Das ist die Theorie. Aber diese Vorstellungen dürften sich unseres Erachtens nicht bewahrheiten, und die amerikanische Wirtschaft dürfte im Jahr 2003 ein reales Wachstum von lediglich 1 Prozent verzeichnen. Die Unternehmensgewinne werden sich kaum erholen, und der S&P 500 dürfte bis zum Jahresende neue Tiefstände testen. Hier die Gründe für unsere pessimistische Haltung:

          Stimulierende Wirkung erst mit deutlicher Verzögerung

          Erstens: Die steuerliche Entlastung durch die Abschaffung der Dividendenbesteuerung beläuft sich auf 20 Milliarden Dollar, von insgesamt 102 Milliarden Dollar an Steuererleichterungen im Jahr 2003. Diese Entlastung wird jedoch erst zu spüren sein, wenn die Steuererklärungen Anfang 2004 abgegeben werden. Im günstigsten Fall, und nur, wenn es zu keinen Verzögerungen im Kongress kommt, entspricht das gesamte Steuerpaket also rund 0,8 Prozentpunkten des BIP.

          Die konjunkturstimulierende Wirkung dürfte im Jahr 2003 sogar noch geringer ausfallen. Schätzungen des Haushaltsausschusses des Kongresses zufolge müssten die Steuerzahler im laufenden Fiskaljahr mit einer um 0,4 Prozentpunkte des BIP höheren Belastung im Vergleich zu 2002 rechnen, wenn keine weiteren Steuersenkungen durchgeführt würden. Netto bleibt also nach der Verabschiedung des Pakets lediglich ein Stimulus in Höhe von 0,4 Prozentpunkten des BIP übrig. Natürlich wird die Konjunktur dadurch gestützt; die Summe ist jedoch deutlich geringer als 2002 (1,7 Prozentpunkte des BIP) und dürfte nicht ausreichen, um die neuartigen, deflationären Einflüsse zu kompensieren, die das Wachstum in den USA dämpfen.

          Wirkung auf den Konsum schwächer als erwartet

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