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Finanzmärkte : Spekulation über nächste Übernahme von Buffett

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

An der Wall Street spekulieren Analysten und Fondsmanager über die nächste große Akquisition von Warren Buffett. Als potentielle Kandidaten gelten Mischkonzerne, Versorger und eine Warenhauskette, an der Berkshire Hathaway schon Aktien hält.

          An der Wall Street spekulieren Analysten und Fondsmanager über die nächste große Akquisition von Warren Buffett. Der berühmte amerikanische Investor hatte am Wochenende im vielbeachteten Brief an die Aktionäre seiner Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway weitere Übernahmen von Unternehmen angekündigt. "Unser Elefantengewehr ist nachgeladen, und mein Abzugsfinger juckt", schrieb Buffett. Erst im Jahr 2010 hatte Berkshire für rund 27 Milliarden Dollar die amerikanische Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe übernommen. Ende des vergangenen Jahres verfügte Berkshire über 38 Milliarden Dollar an Barmitteln, die für Akquisitionen genutzt werden können.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Bei ihren Versuchen, die Gedanken von Buffett zu erraten, achten Analysten zunächst auf Unternehmen, an denen Berkshire Hathaway schon beteiligt ist, die dem Unternehmen aber noch nicht ganz gehören. Auch an Burlington Northern hatte Berkshire zunächst eine Minderheitsbeteiligung gehalten. "Oft haben Unternehmen einen lächerlich hohen Preis im Vergleich zu dem, was man wahrscheinlich mit Anlagen in Aktien oder Anleihen verdienen kann. In solchen Momenten kaufen wir Wertpapiere und warten den richtigen Augenblick ab", schrieb Buffett. Als eines dieser Unternehmen wird die Warenhauskette Costco Wholesale gehandelt, die aber mit einem Börsenwert von 32 Milliarden Dollar nahezu die ganzen Barmittel von Berkshire aufbrauchen würde.

          Finanzierung durch Ausgabe neuer Aktien?

          Buffett könnte allerdings wie schon im Fall Burlington Northern neue Aktien emittieren, um eine Transaktion zu finanzieren, sagte ein Analyst eines großen Investmentfonds der Nachrichtenagentur Reuters. Der Fonds kaufe wegen der erwarteten Übernahme von Costco schon Aktien des Unternehmens. Für die Costco-Theorie spricht auch, dass Charlie Munger, Buffetts langjähriger Geschäftspartner und stellvertretender Verwaltungsratschef bei Berkshire, seit Jahren im Verwaltungsrat von Costco sitzt und das Unternehmen gut kennt. Berkshire hält Costco-Aktien im Wert von rund 300 Millionen Dollar - weniger als 1 Prozent des gesamten Aktienportfolios von Berkshire.

          Eine weitere Aktiengesellschaft, an der Berkshire schon beteiligt ist und die möglicherweise ins Gesamtportfolio passen könnte, ist Ingersoll Rand. Ingersoll ist ein industrieller Mischkonzern mit Hauptsitz in Irland, der unter anderem Golfwagen und Türschlösser herstellt. Berkshire hält aktuell Aktien von Ingersoll im Wert von 30 Millionen Dollar. Der Konzern hat einen Börsenwert von knapp 15 Milliarden Dollar. Analysten rechnen mit möglichen Zukäufen auch in Branchen, in denen Berkshire schon große Tochtergesellschaften besitzt. Unter dem Dach von Berkshire tummeln sich große Versicherer wie der Rückversicherer General Re oder der Autoversicherer Geico sowie 68 Unternehmen aus Branchen, die von Einzelhandel über Industrie und Dienstleistungsgewerbe bis zur Stromversorgung reichen.

          Eines der größeren Berkshire-Unternehmen ist der Versorger Midamerican Energy. Die meisten Versorger würden nach Ansicht von Fachleuten allerdings nicht zu Berkshire passen, weil sie einen Verkauf nur im Rahmen eines Bieterwettbewerbs in Erwägung ziehen. Buffett legt dagegen auf exklusive Verhandlungen Wert, um den Preis möglichst niedrig zu halten. Eine Ausnahme könnte allerdings der in Wisconsin beheimatete Strom- und Gasversorger Alliant Energy sein, dessen Kunden wie die von Midamerican im Mittleren Westen sitzen. Alliant könnte zu exklusiven Verhandlungen mit Berkshire bereit sein, weil Synergien zwischen diesen Unternehmen denkbar sind, sagen Investmentbanker. Alliant hat einen Börsenwert von etwas mehr als 4 Milliarden Dollar.

          Illinois Tool Works als idealer Übernahmekandidat?

          Das "Wall Street Journal" beauftragte den Informationsdienst Capital IQ mit der Filterung einer Datenbank nach Maßstäben, die Buffett in der Vergangenheit an Unternehmen angelegt hatte. Dazu gehören eine Eigenkapitalverzinsung zwischen 10 und 30 Prozent sowie ein erwartetes Gewinnwachstum zwischen 7 und 20 Prozent. Ganz oben auf der Liste steht der Mischkonzern Illinois Tool Works, dessen Produktpalette von Verpackungen über Werkzeuge für den Bau bis zu Oberflächenbeschichtungen für Möbel reicht. Illinois Tool Works, das eine Marktkapitalisierung von rund 27 Milliarden Dollar hat, soll schon länger auf dem Radar von Buffett sein. Verhandlungen über einen Kauf waren vor ein paar Jahren aber abgebrochen worden.

          In einem Fernsehinterview sagte Buffett in dieser Woche allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme trotz seines Interesses derzeit nicht sonderlich hoch sei. Verhandlungen mit einem potentiellen Kandidaten seien erst vor ein paar Tagen am Angebot eines anderen Unternehmens gescheitert. Namen gab Buffett nicht preis.

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