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Finanzmärkte : Politische Unsicherheit befördert Volatilität

Bild: F.A.Z.

Anleger brauchen wegen der vielen Krisenherde auf der Welt nun starke Nerven. Prognosen über Kursentwicklungen sind angesichts der völlig unklaren Lage weitgehend sinnlos, da die Stimmung rasch von einem Extrem ins andere wechselt.

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          Nun auch noch Libyen. Tagelang blickten die Teilnehmer an den Finanzmärkten nahezu ausschließlich auf ein havariertes japanisches Atomkraftwerk. In den kommenden Tagen werden sie auch nach Nordafrika blicken müssen und wenn es schlecht läuft, vielleicht noch in den Mittleren Osten.

          Prognosen über Kursentwicklungen sind angesichts der völlig unklaren Lage sinnlos: In Japan ist bislang die größte anzunehmende Katastrophe vermieden worden, aber eine wirkliche Entwarnung kann in Fukushima trotz des heldenhaften Einsatzes der dort verzweifelt arbeitenden Helfer auch noch nicht gegeben werden. In Libyen ist unklar, welche Trümpfe Gaddafi bei Bedarf noch ziehen kann, wie lange der militärische Konflikt dauern wird und welche Zerstörungen am Ende stehen werden. Libyen ist für die Ölversorgung der Welt zwar nicht entscheidend. Aber an den Finanzmärkten nimmt die Sorge vor einer politischen Destabilisierung Saudi-Arabiens zu. Ein Banker in Frankfurt berichtete am Wochenende von Gesprächen mit Kunden in Indien, wo man ebenfalls sehr beunruhigt auf die Arabische Halbinsel schaut.

          In solchen Phasen extremer Unsicherheit schwanken Kurse stark, weil die Stimmung der Anleger manchmal täglich zwischen Risikofreude und Risikoscheu wechselt. An Tagen der Risikofreude kaufen sie Aktien und Rohstoffe, während sie an Tagen der Risikoscheu in Staatsanleihen flüchten. Dieses Hin und Her ließ sich in der vergangenen Woche gut beobachten. Per saldo ging es an den Aktienmärkten aber nach unten: Der besonders gebeutelte Nikkei-Index gab im Wochenverlauf 10,2 Prozent auf 9207 Punkte nach, in Deutschland verlor der Dax 4,5 Prozent und in Amerika der Standard & Poor’s 500-Index 1,9 Prozent. Auch wenn die Rückgänge, von Japan abgesehen, nicht dramatisch erscheinen, hat sich die charttechnische Lage deutlich eingetrübt.

          Aufregung auch auf dem Devisenmarkt

          Die Ruhe bewahren in solchen Zeiten nur die ausgebufftesten Investoren, die sich nicht um Stimmungen und Charttechnik kümmern, sondern den langfristigen Börsenerfolg durch die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst sehen. So hat Warren Buffett über seine selbst an der Börse notierte Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ein 9 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot für das amerikanische Chemieunternehmen Lubrizol unterbreitet. Analysten finden diese Offerte sehr großzügig, aber wer wollte es wagen, einen Mann wie Buffett zu kritisieren? Zumal am Wochenende bekannt wurde, dass Buffett aus seinem Investment von 5 Milliarden Dollar in Goldman Sachs auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahre 2008 einen Gewinn von 3,7 Milliarden Dollar ziehen dürfte. Der Mann weiß, wie man es macht.

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