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Finanzmärkte : Noch gefährdet Spanien den Euro nicht

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An der Börse in Madrid Bild: dpa

Spanien hat einen Dämpfer erhalten: Die Kreditwürdigkeit könnte ein weiteres Mal herabgestuft werden. Unmittelbare Gefahren für den Euroraum drohen zwar nicht. Sorgen über die längerfristige Entwicklung des Landes sind aber angebracht.

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          Kurz nach der Herabstufung Griechenlands ist jetzt auch die spanische Volkswirtschaft in den Fokus geraten. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den Ausblick für das spanische Rating auf "negativ" gesetzt (siehe: Spaniens Rating ist in Gefahr. Damit droht dem Land innerhalb von zwei Jahren eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

          Bereits im Januar hatte S&P das Rating Spaniens für langfristige Staatskredite von der besten auf die zweitbeste Note AA+ verringert. Diese Bewertung wurde jetzt erst einmal beibehalten. Während die übrigen Ratingagenturen Spanien noch mit Höchstnoten bewerten, begründete S+P ihre aktuelle Warnung mit dem stark steigenden Haushaltsdefizit und mit der Befürchtung, dass Spanien länger als andere Länder mit der Wirtschaftskrise zu tun haben werde.

          Hohe spanische Staatsverschuldung

          Die spanische Regierung reagierte am Donnerstag mit der Ankündigung, dass die Rückführung des Haushaltsdefizits oberste Priorität erhalte. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero bestätigte das Ziel, den Anteil des Haushaltsdefizits am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie von der Europäischen Kommission gefordert bis 2013 auf 3 Prozent zurückzuführen. In diesem und im kommenden Jahr dürfte der Anteil allerdings erst einmal bei 10 und 11 Prozent liegen, womit Spanien innerhalb der Euro-Zone nur knapp vor den Schlusslichtern Irland und Griechenland liegt. Die hohe spanische Staatsverschuldung hängt damit zusammen, dass die Steuereinnahmen im Zuge der Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen sind. Außerdem ist die Sozialversicherung, die in den vergangenen Jahren stets hohe Überschüsse erbrachte, wegen der zunehmenden Arbeitslosigkeit unter Druck geraten. Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 19,3 Prozent weist Spanien im Euro-Raum den mit Abstand schlechtesten Wert auf. Spanien war von der internationalen Finanzkrise zunächst kaum getroffen worden. Dann aber geriet das zuvor so dynamische Land nach dem plötzlichen Einbruch seines Immobilienmarktes und des privaten Konsums in eine unerwartet starke Wirtschaftskrise.

          In der spanischen Wirtschaft herrschte teils Ratlosigkeit und Unverständnis über die Warnung von S&P. Beobachter verwiesen darauf, dass Spanien einen immer noch günstigen Schuldenstand aufweist. So erwartet die Europäische Kommission, dass das Verhältnis der Schulden zum BIP 2010 von 54 auf 66 Prozent zunimmt, womit Spanien unter den großen EU-Ländern eine Spitzenposition einnähme. Dies liegt vor allem daran, dass das Land in den vergangenen Jahren eine äußerst disziplinierte Haushaltspolitik betrieb, und zwar unter konservativ-liberaler wie auch unter sozialistischer Regierung.

          Strukturelle Defizite der spanischen Wirtschaft?

          Allerdings lassen sich zunehmend auch Mahnungen vernehmen, wonach die spanische Wirtschaftskrise strukturelle Defizite offengelegt habe, die eine baldige Gesundung verhinderten. Dazu zählten ungenügende Schul- und Universitätsausbildung, ein unflexibler Arbeitsmarkt und traditionell wenig Forschung und Entwicklung. Auch der Tourismus werde vorerst wohl keine große Stütze der spanischen Wirtschaft mehr sein.

          Der wichtigste spanische Aktienindex Ibex 35 reagierte in den vergangenen beiden Tagen mit überdurchschnittlichen Kursverlusten (siehe auch: Rückschlag für Spaniens Börse). Seit Jahresbeginn allerdings gehört der Ibex zu den stärksten europäischen Aktienmärkten. Das liegt auch an der guten Verfassung der größten Werte wie Santander und Telefónica und am starken Engagement spanischer Unternehmen in Lateinamerika.

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