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Finanzmärkte : Japanische Aktien werden zum Geduldspiel

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Unter dem Eindruck rekordhoher Ölpreise und einer sich abschwächenden amerikanischen Konjunktur hat die Aktienbörse in Tokio das neue Jahr 2008 mit einem kräftigen Kursrutsch begonnen. 2008 soll der Knoten trotzdem „endlich platzen“.

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          Unter dem Eindruck rekordhoher Ölpreise und einer sich abschwächenden amerikanischen Konjunktur hat die Aktienbörse in Tokio das neue Jahr 2008 mit einem kräftigen Kursrutsch begonnen. Der Nikkei-225-Index verlor am Freitag, dem ersten Handelstag des Jahres, 4 Prozent. Mit 14.691 Punkten lag er so niedrig wie zuletzt im Juli 2006.

          Der Yen gewann im Tokioter Handel gegenüber Dollar und Euro deutlich und vergrößerte die Sorgen, dass die zuletzt sehr am Export hängende japanische Wirtschaft sich mit der amerikanischen Wirtschaft spürbar abschwächen könnte. Die Papiere großer Exportunternehmen verloren kräftig an Wert. Der Kurs des Autokonzerns Toyota zum Beispiel gab am Freitag um 4,3 Prozent nach. Der Kursrutsch erfasste aber nicht nur die Exportunternehmen, sondern war breit angelegt. Im ersten Handelssegment verzeichneten 1662 der notierten 1728 Unternehmen einen Kursverlust. Auch vorwiegend am heimischen Markt orientierte Banken und Immobilienunternehmen verloren überdurchschnittlich.

          „Vor allem die Angst vor einer Rezession drückt auf den Markt“

          Der japanische Aktienmarkt knüpft damit nahtlos an den negativen Trend des vergangenen Jahres an, als er das Schlusslicht unter den Börsen der Industrieländer war. Der Nikkei-Index verlor im Jahresverlauf 11 Prozent an Wert. Der amerikanische S&P 500 und der MSCI Europa legten dagegen um gut 3 Prozent zu. Mit seinen 22 Prozent spielte der Deutsche Aktienindex Dax sogar in einer eigenen Liga.

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          "Vor allem die Angst vor einer Rezession drückt auf den Markt", hat Haydn Davis, Chefökonom bei Barclays Global Investors, als Ursache für die jüngste Enttäuschung in Japan ausgemacht. Hinzu kamen 2007 zahlreiche negative Überraschungen, die jede Hoffnung auf Besserung immer wieder rasch zunichte machten. Als Beispiele werden dabei das Erdbeben in Niigata, der Rücktritt des Ministerpräsidenten Shinzo Abe und nicht zuletzt die Ausläufer der amerikanischen Hypothekenkrise genannt. Auf Letztere reagierte die japanische Börse besonders sensibel, obwohl sich der direkte Schaden durch Abschreibungen in Grenzen hält.

          Analysten und Fondsmanager mit einer Fokussierung auf Japan geben sich in diesen Tagen große Mühe, ihre Kunden zu einem antizyklischen Verhalten und einem Einstieg in das Geduldsspiel Japan zu ermuntern. Allerdings gehen sie dabei weniger überschwenglich als in den vergangenen Jahren zu Werke. "Es dauert etwas, bis günstige Bewertungen Kapital anziehen", üben sich beispielsweise die Anlagestrategen der Investmentbank Dresdner Kleinwort in gedämpftem Optimismus. Immerhin seien in Japan die Bewertungen nun auf dem günstigsten Niveau der vergangenen 25 Jahre.

          Zweistelliges Gewinnwachstum im laufenden Jahr erwartet

          In den Konsensschätzungen für dieses Jahr wird für den japanischen Aktienmarkt von einem zweistelligen Gewinnwachstum ausgegangen. Allerdings liegt dieses mit 12,2 unter dem Erwartungswert für amerikanische und deutsche Aktien mit 15,9 beziehungsweise 13,1 Prozent. Auf Basis der Gewinnschätzungen sind japanische Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 im Durchschnitt auch teurer als Titel aus den beiden anderen Ländern (Vereinigte Staaten 15,2; Deutschland 13,3). Allerdings kann sich dieses Bild rasch verändern, wenn die Konjunktur in den Vereinigten Staaten rasch abkühlt und die dortigen Schätzungen nach unten angepasst werden müssen. Auch in europäischen Unternehmensbilanzen dürfte ein solches Szenario Spuren hinterlassen.

          "Der japanische Markt ist billig genug und weit genug unten, um durchzustarten, wenn die globale Geldpolitik in Richtung Reflation kippt", lautet der Ausblick der Dresdner-Kleinwort-Strategen auf dieses Jahr. Die niederländische Fondsgesellschaft ING Investment Management warnt grundsätzlich davor, die Gewinnschätzungen für bare Münze zu nehmen. "Die schwächere Gewinnprognose ist zu einem Großteil der japanischen Zurückhaltung geschuldet und wird im Laufe des Jahres nach oben korrigiert.

          Die japanischen Fondsmanager des Frankfurter Bankhauses Metzler, das mit dem Metzler Japanese Equity einen der besten Japan-Fonds im Angebot hat, halten derzeit Großhandels- und Bankenwerte übergewichtet und Aktien aus der Versorger- sowie der Kommunikationsbranche untergewichtet. Die größte Position im Portfolio macht das Handelshaus Marubeni aus. Nach Ansicht des Fondsmanagements ist das Unternehmen ein Restrukturierungskandidat, der sich über die vergangenen Jahre neue attraktive Geschäftsfelder wie etwa den Rohstoffhandel erschlossen hat. Von der Börse werde diese Neuausrichtung allerdings noch weitgehend ignoriert. wpe

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