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Finanzmärkte : ICBC: Der größte Börsengang der Welt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der größte Börsengang der Welt nimmt Gestalt an. Die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) hat begonnen, ihre Aktien institutionellen Investoren anzubieten. Strategische Investoren verbuchen voraussichtlich deutliche Buchgewinne.

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          Der größte Börsengang der Welt nimmt Gestalt an. Die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC), die größte Bank des Landes, hat am Montag begonnen, ihre Aktien institutionellen Investoren anzubieten.

          Werden die Preisvorstellungen erfüllt, dürfte ICBC mehr als 21 Milliarden Dollar an den beiden Handelsplätzen Hongkong und Schanghai erzielen. Es ist die erste Aktie Chinas, die zeitgleich am wichtigsten Finanzmarkt der Volksrepublik und in ihrer Sonderverwaltungsregion notieren wird. In Hongkong strebt ICBC eine Preisspanne zwischen 2,56 und 3,07 Hongkong-Dollar (26 bis 31 Euro-Cent) je Aktie an.

          Ob der Preis der Aktie durch Fundamentaldaten unterlegt ist, wird sich zeigen müssen

          Führt die Nachfrage wie erwartet zu einem Preis am oberen Ende dieser Spanne, wird die Bank ihr Verkaufsangebot um 15 Prozent aufstocken. Dann würde der eingenommene Betrag von 19 auf 21,94 Milliarden Dollar anschwellen. Damit hätte sich das Engagement der Erstinvestoren zumindest als Buchwert bezahlt gemacht, denn verkaufen dürfen sie bis ins Jahr 2009 nicht. Der größte Auslandsinvestor, die Bank of America, käme auf einen Buchgewinn von 5,5 Milliarden Dollar, die Investmentbank Goldman Sachs auf knapp 4 Milliarden Dollar. Auch der deutsche Versicherungskonzern Allianz AG würde mit mehr als einer Milliarde Dollar profitieren. Bislang ist der Allianz-Anteil an ICBC bei ihrer Tochtergesellschaft Dresdner Bank in Luxemburg geparkt.

          Aus deren Kreisen hört man Klagen darüber, daß die Allianz bislang keinen strategischen Einfluß auf ICBC nehmen könne. Zwölf strategische Investoren haben sich schon im Vorfeld dazu bekannt, am Börsengang teilnehmen zu wollen. Zu ihnen zählen Singapurs staatliche Investitionsbehörde GIC, die Kuwait Investment Authority, Qatar Investment Authority, und mit Cheung Kong (Holdings) sowie Hutchison Whampoa Unternehmen aus dem Imperium von Hongkongs reichstem Geschäftsmann, Li Ka-shing.

          "Bislang hat jeder gewonnen, der sich am Börsengang einer chinesischen Staatsbank beteiligt hat. Zweifelsohne haben sich die Banken über die Jahre verbessert, auch dank des Wissenstransfers der Ausländer. Ob der jeweilige Preis der Aktie allerdings durch Fundamentaldaten unterlegt ist, oder eher vom verbreiteten Glauben an Chinas Wachstum profitiert, bleibt abzuwarten", sagt Ivo Naumann, Bankenfachmann bei der Unternehmensberatung Roland Berger in Schanghai.

          Der Börsengang soll auf jeden Fall ein Erfolg werden

          ICBC wird zeitgleich A-Aktien (für festlandchinesische Käufer in Yuan) und H-Aktien (in Hongkong-Dollar notierte Aktien in Hongkong) ausgeben. Auf Grundlage der jetzigen Offerte würde ICBC mit dem 1,96fachen ihres Buchwertes bewertet. Im Vergleich erscheint dies preisgünstig: Denn zum einen waren die Bankmanager noch vor zwei Wochen davon ausgegangen, das 2,7fache am Markt erzielen zu können, Analysten erwarteten zumindest das 2,5fache. Seitdem aber hat die ICBC ihr Erlösziel gesenkt, damit der politisch wichtige Börsengang auf jeden Fall ein Erfolg wird. Zum anderen sind die ICBC-Papiere nun spürbar preiswerter als diejenigen der Konkurrenz: China Construction Bank (CCB) notiert beim 2,43fachen ihres Buchwertes, die Bank of China (BoC) beim 2,37fachen, die Bank of Communications beim 2,85fachen. Die Banken habe sich bislang wacker geschlagen: Seit ihrem Gang auf das Parkett im Oktober 2005 verzeichnete beispielsweise die CCB einen Kursgewinn von 48 Prozent.

          Auch mit Blick auf die Dividende erscheint ICBC lohnenswert: Während sie in den beiden nächsten Jahren zwischen 45 und 60 Prozent ihres Gewinns ausschütten will, kommen CCB und die BoC auf eine Rate zwischen 35 und 45 Prozent. Gleichwohl gelten auch für ICBC die bekannten Risiken chinesischer Staatsbanken. So mußten die drei großen ICBC, CCB und BoC von Peking mit einer Finanzspritze von mehr als 60 Milliarden Dollar aufgepäppelt werden. Zudem wurden notleidende Kredite in Verwaltungsgesellschaften ausgelagert. Offiziell liegt die Rate der uneinbringlichen Kredite der ICBC nun bei 4,1 Prozent - eine Zahl, die Kenner stark in Zweifel ziehen.

          ICBC will 35,39 Milliarden H-Aktien verkaufen. Dies entspricht 10,8 Prozent ihres Kapitals. Zugleich plant sie 13 Milliarden A-Aktien, 4 Prozent ihres Kapitals, in Schanghai abzusetzen. Die Bank wird beide Pakete zum selben Stückpreis je Aktie anbieten - noch aber ist offen, ob sich dies durchsetzen läßt. Denn in der Regel bezahlen festlandchinesische Anleger mehr für die gleichen Papiere als Investoren in Hongkong, da den Festlandchinesen weniger Anlagemöglichkeiten bleiben. ICBC nimmt seit Montag die Orders institutioneller Investoren an. Kleininvestoren werden vom 16. Oktober an zugelassen. Der endgültige Emissionspreis wird einen Tag darauf festgelegt werden. Als erster Handelstag ist der 27. Oktober vorgesehen.

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