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Finanzmärkte : Griechische Aktienkurse erholen sich

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Bild: F.A.Z.

Die Kurse griechischer Aktien haben sich am Donnerstag vom Schock zu Beginn dieser Woche erholt. Vor allem die Titel von Finanzwerten wie etwa der National Bank of Greece oder der EFG Eurobank legten zu - teilweise um mehr als 6 Prozent.

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          Die Kurse wichtiger griechischer Aktien haben sich am Donnerstag vom Schock zu Beginn dieser Woche erholt. Vor allem die Titel von Finanzwerten wie etwa der National Bank of Greece oder der EFG Eurobank legten zu - teilweise um mehr als 6 Prozent.

          Am Dienstag hatte die Rating-Agentur Fitch die Bonität Griechenlands um eine Stufe heruntergesetzt. Teilnehmern an den Finanzmärkten signalisierte sie damit, dass sie das Mittelmeerland für einen weniger guten Schuldner hält als bisher. Die so "Angesprochenen" werden als Folge davon ziemlich sicher höhere Zinsen verlangen, wenn die griechische Regierung in nächster Zeit an sie herantreten sollte und Geld leihen möchte (indem sie zum Beispiel Anleihen emittiert).

          Haushaltsdefizit von bis zu knapp 13 Prozent zu erwarten

          Dass Griechenland Kredit braucht, ist dabei längst kein Geheimnis. Die Regierung in Athen geht davon aus, dass sie dieses Jahr insgesamt eine Summe in Höhe von 12,7 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung aufnehmen müssen wird. Nach dem Vertrag von Maastricht, in dem sich die Euro-Länder auf Schuldengrenzen geeinigt haben, sind höchstens 3 Prozent zulässig.

          Obwohl das griechischen Politikern noch manch unruhige Nacht bescheren könnte, ist erst einmal nicht klar, warum der griechische Aktienindex Athex nach der Nachricht sank. Denn: Der zweitgrößte Wert in diesem Aktienindex ist ein Unternehmen namens Coca-Cola Hellenic Bottling; dahinter verbirgt sich der zweitgrößte Abfüller von Coca-Cola auf der ganzen Welt. Der drittgrößte griechische Aktienwert ist der Fußballwetten-Anbieter Opap. Auf Platz vier folgt die Hellenic Telecommunications, ein Telefondienste-Anbieter, an dem der griechische Staat 20 Prozent und die Deutsche Telekom 30 Prozent der Aktien hält. Warum eigentlich sollten Aktionäre der drei genannten Unternehmen ihre Anteile verkaufen, nur weil ein Schuldnerbewerter die Schuldenfähigkeit des Landes schlechter beurteilt, in dem sie (zufällig) beheimatet sind? Tatsächlich sind sie nicht ursächlich dafür, dass der griechische Aktienmarkt Punkte verlor.

          Grund dafür, dass der Leitindex der Athener Börse fiel, ist vielmehr der Kurssturz der griechischen Banken: Die Aktien der National Bank of Greece verloren rund ein Fünftel an Wert, die der EFG Europabank mit etwa 18 Prozent nur knapp weniger. Genau das belastete den griechischen Markt, denn die National Bank of Greece ist mit einem Anteil von 17 Prozent der mit Abstand größte Wert im Athex. Wenn so ein Schwergewicht stark verliert, dann verringert das für sich genommen rein mathematisch den gesamten Index deutlich. Unter den zehn größten griechischen Börsenwerten sind fünf Banken. Und auch auf Platz elf der Rangliste folgt mit der Marfin Investment Group ein weiteres Finanzinstitut. Die Finanzwerte wiederum sind betroffen von der von Fitch für schlechter befundenen Schuldenfähigkeit Griechenlands.

          „Griechische Aktien sind eine Spezialität für Kenner“

          Das liegt daran, dass die griechischen Banken viel Geld in griechische Anleihen investiert haben, um die im Vergleich mit anderen Euro-Ländern höheren Zinsen (sicher) zu verdienen. Ein zweiter Vorteil, den europäische Banken derzeit haben, wenn sie Staatsanleihen besitzen, gerät den griechischen Banken mit ihren Griechenland-Anleihen hingegen nun womöglich zum Nachteil: Sie können diese Papiere sehr wahrscheinlich nur noch bis Ende des kommenden Jahres bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Kreditsicherheit hinterlegen. Ab dann wird die EZB Wertpapiere, die das Rating besitzen, das Fitch Griechenland nun gegeben hat, nicht mehr akzeptieren. Konkret wohl aber erst, wenn andere Rating-Agenturen ebenfalls ihre veröffentlichte Einschätzung Griechenlands ändern.

          Viele deutsche Anleger sind von den Kursverlusten in Griechenland allerdings nicht betroffen. "Griechische Aktien sind eine Spezialität für Kenner", sagt Andreas Pfuff, der für Baader Bank griechische Aktien an der Börse Stuttgart handelt. Auch in dieser an Griechenland-Nachrichten reichen Woche sei nicht "viel mehr los gewesen als sonst". Dass Griechenland für deutsche Aktienbesitzer keine große Rolle spielt, liegt aber nicht nur an der geringen Bekanntheit griechischer Unternehmen hierzulande. Sondergebühren an der Athener Börse und Steuern machen griechische Titel teuer - erst recht beim Kauf kleiner Mengen.

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