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Finanzmärkte : Der Dax wird zum Gewinner der Krise

Bild: F.A.Z.

Die Aktienkurse werden wohl noch eine Weile hin- und hergeworfen von positiven Konjunkturausblicken einerseits und der belastenden Staatsschuldenkrise andererseits. Derzeit haben die Wachstumsperspektiven die Oberhand.

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          Viele europäischen Aktienindizes haben sich in den vergangenen Tagen ungeachtet der weiter schwelenden Staatsschuldenkrise kräftig erholt. Besonders der Deutsche Aktienindex sticht nun mit einem Jahreszuwachs von 4 Prozent positiv hervor.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit dem am 25. Mai auf 5607 Punkten markierten Tief hat der Dax sogar 10 Prozent zugelegt. Der Ibex, Aktienindex des in einer schweren Wirtschaftskrise steckenden Spaniens, erholte sich dagegen nur um 2 Prozent. Gedrückt von vielen im Euro Stoxx 50 vertretenen Aktien südeuropäischer Banken, liegt dieser Leitindex Europas 8 Prozent tiefer als zu Jahresanfang.

          Zählt Deutschland zu den „Krisengewinnlern“?

          Offensichtlich spiegeln die verschiedenen Aktienmärkte durchaus die Schuldenkrise und die damit verbundene Gefahr einzelner Länder, durch die nun notwendigen Sparmaßnahmen abermals in die Rezession zurückzufallen. "Aber nach dem Kursrutsch am Aktienmarkt bis Mitte Mai haben die Anleger inzwischen verstanden, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis sich zeigt, ob die Staaten die Schuldenproblematik nicht vielleicht doch wachstumsschonend in den Griff bekommen. Bis dahin könnte gerade Deutschland ein Krisengewinner sein", sagt Carsten Klude. Der Aktienstratege von M.M. Warburg argumentiert mit den sehr niedrigen Zinsen für Bundesanleihen und dem niedrigen Euro-Dollar-Wechselkurs, der gerade der exportstarken deutschen Industrie helfe. Den Blick nur in den Euro-Raum zu werfen sei kurzsichtig. Gerade in Asien, wohin die Deutschen zunehmend ihre Waren lieferten, sei die Konjunktur sehr robust.

          Die Citigroup rät zu Aktien exportorientierter Unternehmen, die gerade in wachstumsstarken Schwellenländern wie China stark engagiert sind. Jonathan Stubbs, ihr auf europäische Aktien spezialisierter Stratege, rechnet mit einem Anstieg der Kurse um 15 bis 20 Prozent innerhalb der kommenden zwölf Monate. Tatsächlich stehen in der Rangliste der besten Dax-Aktien seit Jahresbeginn mit dem Halbleiterhersteller Infineon, dem Nutzfahrzeug-Hersteller MAN und dem Industriekonzern Siemens Unternehmen ganz vorn, die stark von der Weltkonjunktur abhängig sind. Stubbs hält Exporttitel trotz der jüngsten Kursgewinne derzeit immer noch für so günstig wie in den vergangenen fünf Jahren nicht.

          Die relative Attraktivität deutscher Wertpapiere im Euro-Raum hat sich besonders in den vergangenen Tagen deutlich gezeigt. Die jüngste Aufwärtsetappe, die den Dax von 5800 Punkten wieder auf 6200 Punkte führte, legte der wichtigste deutsche Aktienindex in nur sechs Handelstagen zurück. Zuvor war die Rendite deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit wegen der hohen Nachfrage auf einen historischen Tiefstand gefallen. Die Rendite etwa spanischer Anleihen hingegen blieb auf einem hohen Niveau.

          Optimistische Prognosen basieren auf anspruchsvollen Wachstumserwartungen

          Die Analysten der DZ Bank sehen den Dax in zwölf Monaten um 25 Prozent höher auf 7700 Punkten. Sie ordnen den Rückgang vom Ende April mit 6332 Punkten erreichten Jahreshoch bis auf 5607 Dax-Punkte als vierte und zweitstärkste Korrektur in einem seit März 2009 intakten Aufschwung ein. Die Geschäftsergebnisse im ersten Quartal zeigten für die Dax-Gesellschaften einen durchschnittlichen Umsatzanstieg um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Gewinne hätten das Vierfache betragen. Deshalb müssten für die kommenden zwölf Monate die Prognosen für die Gewinne angehoben werden. 2012 sei mit Unternehmensgewinnen auf dem Niveau des Jahres 2007 zu rechnen, als der Dax vor Ausbruch der Rezession auf 8000 Punkten stand.

          Auch die Analysten der Helaba halten einen Rückfall der Weltwirtschaft in die Rezession für unwahrscheinlich. Angetrieben vom begonnenen Investitionszyklus der Unternehmen und einer expansiven Geldpolitik der Notenbanken, sei vielmehr mit einem Wachstum von 4 Prozent in 2010 zu rechnen. Je intensiver allerdings ein Staat zu sparen beginne, desto stärker könnten die Wachstumsraten einzelner Volkswirtschaften abnehmen. In Amerika aber gebe es noch keine Kürzungen, und auch Frankreich und Deutschland hätten noch keinen harten Konsolidierungskurs eingeschlagen. "Die Kapitalmarktentwicklung wird sich 2010 im Spannungsfeld zwischen Wachstumsphantasie und Konsolidierungszwängen bewegen", heißt es von der Helaba.

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