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Finanzmärkte : Chinesischer Dissident gilt als Nachfolger für Buffett

  • -Aktualisiert am

Li Lu Bild: GFDL

Vor 21 Jahren gehörte Li Lu zu den Anführern der Studenten, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking für die Demokratie demonstrierten. Jetzt gilt er als einer der heißesten Kandidaten für die Nachfolge von Warren Buffett.

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          Vor 21 Jahren gehörte der Hedge-Fondsmanager Li Lu zu den Anführern der Studenten, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking für die Demokratie demonstrierten. Jetzt gilt Li als einer der heißesten Kandidaten für die Nachfolge von Warren Buffett.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Über potentielle Nachfolger für den berühmten Investor wird an der Wall Street schon seit Jahren spekuliert. Der fast 80 Jahre alte Buffett, Vorstandschef der Holding- und Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway, hat selbst bisher ein großes Geheimnis darum gemacht. Buffetts engster Vertrauter bei Berkshire, der stellvertretende Verwaltungsratschef Charlie Munger, hat mit Li nun erstmals einen Namen ins Spiel gebracht.

          Li soll einen Teil eines 100 Milliarden Dollar schweren Wertpapierportfolios verwalten

          Munger bezeichnete es in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" als wahrscheinlich, dass der 44 Jahre alte Li zumindest einen Teil des 100 Milliarden Dollar schweren Wertpapierportfolios von Berkshire verwalten soll. "Meiner Ansicht nach ist das eine ausgemachte Sache", sagte Munger.

          Warren Buffett

          Buffett selbst wollte die Personalie nicht kommentieren. Er schloss allerdings nicht aus, schon einen Vermögensverwalter an Bord zu holen, solange er Berkshire noch führt. Erst bei der Hauptversammlung von Berkshire im Mai hatte Buffett wiederholt, dass innerhalb von 24 Stunden ein neuer Vorstandschef die Führung übernehmen werde, falls er sterben oder nicht mehr Herr seiner Sinne sein würde. "Alle Mitglieder des Verwaltungsrats kennen den Namen und fühlen sich wohl damit", versicherte Buffett.

          Der neue Vorstandschef soll aber nicht wie Buffett in Personalunion die fast 80 Tochtergesellschaften von Berkshire beaufsichtigen und gleichzeitig die Wertpapiere verwalten. Für das Wertpapierportfolio, zu dem große Aktienpakete des Kreditkartenkonzerns American Express, des Getränkeherstellers Coca-Cola oder des Konsumgüterriesen Procter & Gamble gehören, sind vier potentielle Nachfolger auserkoren. Die aktuellen Kandidaten auf dieser Liste hätten sich im vergangenen Jahr mit ihren Anlagen "ziemlich gut" geschlagen, sagte Buffett den Aktionären. Der Fonds von Li hatte im Jahr 2009 einen Gewinn von 200 Prozent gemacht. Seit 1998 hat Li mit seinen Fonds eine durchschnittliche Jahresrendite von mehr als 26 Prozent erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2010 lag Li allerdings mit 13 Prozent im Minus.

          Kontakte zu vermögenden Menschenrechtsaktivisten können hilfreich sein

          Lis Weg an die Wall Street begann mit einer Vorlesung von Buffett an der New Yorker Columbia University. Nach dem Massaker bei den Studentenprotesten war Li zunächst nach Frankreich geflohen. Noch im gleichen Jahr erhielt er eine Einladung der Columbia University, wo der von Menschenrechtsaktivisten als Held gefeiert wurde. Mit Hilfe von Stipendien studierte er dort Volkswirtschaft, Jura und Betriebswirtschaft. Aber erst die Vorlesung von Buffett brachte ihn dazu, sein in China gereiftes Misstrauen gegenüber Aktienanlagen abzulegen. Er begann einen Teil des Vorschusses für ein Buch selbst anzulegen und hatte angesichts der damaligen Hausse schon bis zu seinem Abschluss gut verdient.

          Er arbeitete danach kurz für die Investmentbank Donaldson Lufkin & Jenrette, gründete aber schon 1997 seine eigenen Hedge-Fonds Himalaya Capital und LL Investment Partners. Seine Kontakte zu vermögenden Menschenrechtsaktivisten halfen dabei. Zu den frühen Investoren gehörten Bob Bernstein, der ehemalige Verwaltungsratschef des Verlags Random und Gründer der Organisation Human Rights Watch. Auch der politisch engagierte Musiker Sting vertraute Li einen Teil seines Geldes an. Über einen ähnlichen Kontakt in Los Angeles lernte Li im Jahr 2003 den dort lebenden Charlie Munger kennen.

          Der von Li beeindruckte Munger gab ihm einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für seine Fonds. Li legte einen großen Teil des Geldes im chinesischen Auto- und Batteriehersteller BYD an. Das Investment wurde ein großer Erfolg. Berkshire zog nach und übernahm 2008 einen Anteil von 10 Prozent an BYD. Berkshire hat damit schon 1,2 Milliarden Dollar verdient. Kein Wunder also, das Li auf der Kandidatenliste von Buffett ganz oben steht.

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