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Finanzmärkte : „Börsenerfolg“ des US-Stimulationspakets ist unsicher

  • -Aktualisiert am

Die Börsen sind fixiert auf das anstehende Wirtschaftspaket der US-Regierung und hoffen auf Anreize zum Kauf von Aktien. Aber die sind alles andere als sicher.

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          Die amerikanische Administration scheint es wissen zu wollen. Nicht nur im „Krieg gegen den Terrorismus“, sondern auch beim Versuch, die Wirtschaft wieder zu beleben und die Börse wieder in Fahrt zu bringen.

          Nicht nur eine neue Mannschaft im Finanzministerium soll für neuen Wind sorgen, sondern in einem gigantischen Stimulationsprogramm im Umfang von 674 Milliarden Dollar über die zehn kommenden Jahre sollen nicht nur für die Jahre 2004 bis 2006 angekündigte Steuersenkungen vorgezogen werden. Auch die Doppelbesteuerung von Dividenden soll abgeschafft werden. Außerdem sollen Unternehmen Anreize dafür erhalten, vermehrt in Ausrüstungen zu investieren und Arbeitslose sollen bei der Suche nach neuen Jobs finanziell gefördert werden.

          Konsum und Investitionen sollen angekurbelt werden

          Diese Maßnahmen zielen offensichtlich darauf ab, nicht nur den Konsum, sondern auch die Investitionen anzukurbeln und damit der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen. Ausgezahlte Dividenden und eine höhere Beschäftigung sollen wohl dafür sorgen, dass der Konsum weiter zunimmt oder wenigstens auf dem sowieso schon hohen Niveau verharrt. Konsum und Investitionen könnten den sich gegenseitig verstärkenden virtuellen Kreislauf der Volkswirtschaft wieder in Gang setzen, lautet wohl die Hoffnung.

          Und die schien die Börse zumindest in einer ersten Reaktion zu teilen. Sie reagierte am Montag schon im Vorfeld der am Dienstagabend verkündeten Maßnahmen positiv und mit deutlichen Kursgewinnen. Vor allem die Änderungen der Steuern auf Dividenden scheint es den Börsianern angetan zu haben. Dabei dürfte es bei näherer Betrachtung alles andere als klar sein, ob die sich auch positiv auf die Börsenkurse auswirken wird.

          Bisher haben Unternehmen Gewinne oft einbehalten

          Da bisher die Dividenden doppelt besteuert wurden, zuerst auf Unternehmensebene und danach beim Aktionär als Einkommen, bestand bisher ein großer Anreiz dazu, das Geld erst gar nicht an die Anteilseigner auszuschütten. Es wurde bevorzugt einbehalten und für organisches Wachstum oder gar für Übernahmen verwendet. Beides diente zumindest nach der Theorie dazu, Wachstum zu generieren und damit den Wert des Unternehmens zu steigern. Der zunehmende Unternehmenswert führt normalerweise zu einer höheren Bewertung an den Börsen und damit zu steigenden Aktienkursen.

          In den vergangenen Monaten und Jahren gab es in diesem Zusammenhang die bekannten Probleme mit der Manipulation von Bilanzen. Das hat das Vertrauen der Anleger massiv untergraben. Die Änderung der Dividendenbesteuerung könnte zwar zu mehr Transparenz führen, wenn immer mehr Unternehmen ihre Erträge ausschütten. Denn dazu muss das Geld erst einmal erwirtschaftet sein und viele Unternehmen dürften erst einmal beweisen müssen, dass sie dazu überhaupt in der Lage sind.

          Ausschüttungen mindern den Unternehmenswert

          Allerdings gibt es einen Bumerangeffekt. Denn jede Ausschüttung reduziert den Wert eines Unternehmens. Die Aktienkurse könnten also bei einer höheren Auszahlungsquote nicht mehr so stark steigen wie in der Vergangenheit. Schon gar nicht, im Vergleich mit den vielfach frisierten Ertragszahlen der Vergangenheit in Verbindung mit Aktienrückkäufen.

          Daneben ist völlig offen, was die Aktionäre mit der erhaltenen Liquidität machen werden. Ob sie konsumieren oder sparen, dürfte vom Wirtschaftsklima abhängen. Sollten sie sparen, muss der Konsum darunter leiden. Sie könnten dann allerdings die Mittel den Unternehmen wieder für Investitionen zur Verfügung stellen. Das werden sie allerdings nur dann tun, wenn die erwartete Rendite höher als bei Anleihen und im Verhältnis zum Risiko hoch genug ist. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn viele Unternehmen sitzen entweder auf enormen Liquiditätsbeständen, sehen aber keine Möglichkeit, sie angesichts der noch bestehenden Überkapazitäten vernünftig zu investieren. Oft mündet das Problem bisher in Aktienrückkäufen. Andere müssen erst einmal die Schulden in ihren Bilanzen konsolidieren und können aus diesem Grund nur beschränkt investieren.

          Problem zunehmender Staatsverschuldung

          Als ob das nicht genug wäre, stellt sich daneben die Frage, wie die Regierung das Stimulierungsprogramm finanzieren möchte. Dafür kommt nur eine höhere Staatsverschuldung infrage. Das dürfte weder dem Renten- noch dem Devisenmarkt sonderlich gefallen.

          Insgesamt dürfte offen sein, ob das anstehende Stimulierungsprogramm abgesehen von psychologischen Effekten die Börse wirklich nachhaltig stimulieren kann. Denn an der eigentlichen Lage - hohe Schulden, Überkapazitäten et cetera - ändert es nichts. Möglicherweise führt es nur zu völlig überflüssigen Staatsschulden.

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