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Finanzmärkte : Bernanke bringt Kurse unter Druck

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die geldpolitische Schwenk der amerikanischen Notenbank bringt Aktien- und Anleihekurse am Donnerstag unter Druck. Auch der Goldpreis fällt deutlich. Nur der Dollar zeigt sich fester.

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          Nachdem die amerikanische Notenbank und ihr Gouverneure Ben Bernanke deutlicher als erwartet eine Änderung der Geldpolitik aufzeichnen, stehen am Morgen die Kurse an den europäischen Aktien- und Rentenmärkten unter Druck. Der Dax fällt um 2,3 Prozent auf 8012 Punkte, der marktbreite um 2,1 Prozent FAZ-Index auf 1681 Zähler.

          Am Anleihenmarkt fällt der Kurs des richtungweisenden Terminkontrakts auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, um deutliche 95  Basispunkte auf 142,49 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future um 67 Basispunkte auf 125,31 Prozent. Der Dollar wertet dagegen gegenüber dem Euro auf 1,3202 Dollar deutlich auf, in Yen kostete der Greenback mit 98,1070 Yen deutlich mehr.

          Chinesische Konjunkturschwäche tut ein Übriges

          Schon in Asien hatten die Kurse unter Druck gestanden. Dies wurde dadurch verstärkt, dass der von der Großbank HSBC berechnete Einkaufsmanagerinex für das verarbeitende Gewerbe in China deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben. Er fällt auf das niedrigste Niveau seit neun Monaten. In der Folge ging es vor allem für die chinesischen Aktienmärkte stärker nach unten. Der Schanghai-Composite fiel um 1,5  Prozent und der Hang-Seng-Index verzeichnete ein Minus von 2,5 Prozent.

          „Mit dem Fehlen einer ’starken Hand’ dürften die Märkte anfälliger in Bezug auf externe Einflüsse werden. Die größte Sorge besteht aber hinsichtlich eines möglichen Crashs des amerikanischen Aktienmarktes“, sagt Analyst Kenichi Hirano von Tachibana Securities. Eine erwartete konjunkturelle Erholung in den Vereinigten Staaten sei insgesamt nicht negativ zu werten, ergänzt Stratege Daisaku Ueno von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley. Doch die Märkte seien derzeit noch zu stark auf stützende Maßnahmen der Notenbanken fixiert.

          Offenbar fehlt der Börse das Vertrauen zu sich selbst. Es zeigt sich, dass den Kursanstiegen der vergangenen Jahre entgegen aller Behauptungen ein gewisses Maß an Künstlichkeit zugrunde gelegen hat. Das gilt nicht zuletzt für den Anleihenmarkt. Gerade für diesen wirkten sich die jetzt in Frage stehenden Anleihekäufe stützend aus und führten zu einem künstlich niedrigen Zins- und Renditeniveau.

          „Der geldpolitische Ausschuss der Fed hat sich restriktiver gezeigt als von uns erwartet”, schreiben die Volkswirte Jan Hatzius und Sven Jari Stehn von Goldman Sachs. „Das Risiko unserer Prognose, die von einem Beginn der Rücknahme der lockeren Geldpolitik ab Dezember ausging, ist gestiegen.” „Die amerikanische Zinsstrukturkurve hat sich versteilt und auch die Bund-Kurve kann sich diesen Einflüssen nicht entziehen“, sagt Viola Julien von der Helaba mit Blick auf den deutschen Anleihenmarkt und den Anstieg der langfristigen Renditen. Damit trübe sich auch die charttechnische Lage ein. Für Thomas Meyer von der belgischen Fondsgesellschaft Petercam hat die negative Entwicklung der vergangenen Wochen nur einen ersten Eindruck von der zukünftigen Abwärtsbewegung vermittelt.

          Asienkrise vor der Tür?

          Auch die Aktienbörsen Europas müssten all die Ereignisse erst einmal verkraften, sagt Marktstratege Chris Weston vom Broker IG. Denn für sie ist die Botschaft erst einmal negativ. Ein Zinsanstieg macht verringert die Renditevorteile von Aktien, derweil die Botschaft einer verbesserten Konjunkturlage nicht wirklich durchschlägt. Dies gilt angesichts der negativen Nachrichten aus China nur noch mehr, derweil von Europa wenig erwartet wird.

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