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Finanzmärkte : Analysten an der Wall Street werden wieder skeptisch

  • Aktualisiert am

Die Wall Street im September? Bild: dpa

Einigen Aktienfachleuten an der Wall Street wird es mulmig. Mehrere der wenigen Auguren, die den Tiefpunkt der amerikanischen Börsen im März korrekt bestimmt hatten, sind nach deren sechsmonatigem Kursaufschwung wieder skeptisch geworden.

          Einigen Aktienfachleuten an der Wall Street wird es derzeit mulmig. Mehrere der ohnehin nur wenigen Auguren, die den Tiefpunkt der amerikanischen Börsen im März korrekt bestimmt hatten, sind nach deren sechsmonatigem Kursaufschwung wieder skeptisch geworden.

          Der Dow-Jones-Index, in dem 30 große Standardwerte abgebildet sind, hat seit dem Tiefstand im März um mehr als 40 Prozent auf rund 9440 Punkte zugelegt. Der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 ist im gleichen Zeitraum um fast 50 Prozent auf knapp 1020 Punkte geklettert.

          Strategisch veranlagte Anleger beginnen zu verkaufen

          Jeremy Grantham, der Verwaltungsratsvorsitzende des Bostoner Vermögensverwalters GMO, hat im Sommer angefangen Aktien zu verkaufen, nachdem der S&P 500 das Niveau von mehr als 1000 Zählern durchbrochen hatte. Grantham wurde an der Wall Street bekannt, weil er am 10. März einen Bericht mit dem Titel "Wiederinvestieren, wenn Panik herrscht" veröffentlicht hatte. Grantham empfahl seinen Kunden darin Aktien zu kaufen, da er den amerikanischen Aktienmarkt für 30 Prozent unterbewertet hielt (siehe auch: Es gilt, Chancen nicht zu verpassen).

          Der Zeitpunkt seiner Empfehlung war gut gewählt. Denn die großen Aktienbarometer hatten ihren Tiefststand nur einen Tag vorher markiert, am 9. März. Die Mannschaft von GMO glaubt nun, dass der S&P 500 auf Basis der Gewinnschätzungen der im Index abgebildeteten Aktiengesellschaften mit einem Stand von 880 Punkten fair bewertet ist. Grantham prognostiziert dem Aktienmarkt zudem "sieben magere Jahre" mit schleppender Kursentwicklung. Damit würden Aktien für eine nach Ansicht des Vermögensverwalters lange Phase der Überbewertung büßen.

          Vinny Catalano, Chefstratege für den Aktienmarkt beim Analysehaus Blue Marble Research, gehörte im vergangenen Jahr auch zu den Pessimisten. Damals hatte die Finanzkrise die Märkte im Griff. Die großen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac wurden verstaatlicht. Die Investmentbank Lehman Brothers brach zusammen. Der Versicherungsgigant AIG wurde nur mit staatlichen Hilfen in dreistelliger Milliardenhöhe vor dem Kollaps bewahrt. An den Börsen breitete sich Panik aus. Aber Catalano änderte wie auch Grantham seine Haltung rechtzeitig. Am 5. März schrieb er von den "ersten Zeichen" eines zyklischen Aufwärtstrends an der Börse. Auch Catalano hält Aktien im Vergleich zum historischen Kurs-Gewinn-Verhältnis mittlerweile für etwas überbewertet. Er rechnet daher mit einer Kurskorrektur von maximal 10 Prozent.

          „Die Hausse wird ein wenig alt“

          Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist ein Maßstab für den Preis einer Aktie oder eines Aktienmarktes. Vor sechs Monaten war das KGV des S&P 500 auf Basis der durchschnittlichen Gewinne der vergangenen zehn Jahre auf 13 gefallen. Nach Angaben von Robert Shiller von der University Yale war es das erste Mal seit 1991, dass der S&P 500 unter den langfristigen KGV-Durchschnitt von 16 sackte. Der Rückzug währte nicht lange. Im Zuge des Kursaufschwungs kletterte das KGV des S&P 500 im Juni wieder über 16. Zuletzt lag es bei 17,7.

          Ein anderer Aktienfachmann, der in den ersten Monaten des Jahres trotz der weitverbreiteten Panikstimmung gegen den Trend zum Kauf von Aktien geraten hatte, glaubt allerdings weiter an Kurspotential im kommenden Jahr. Michael Darda, Chefökonom beim Wertpapierhaus MKM Partners, räumt zwar ein, dass der Aktienmarkt nach den jüngsten starken Gewinnen reif für eine Unterbrechung des Kursanstiegs ist. Er glaubt jedoch, dass der wirtschaftliche Aufschwung in den Vereinigten Staaten robuster ausfallen wird als erwartet und der S&P 500 deswegen im kommenden Jahr bis auf 1300 Punkte steigen könnte. Darda hatte seinen Kunden schon am 24. Februar zum Wiedereinstieg in Aktien geraten, nachdem er ihnen in den Monaten zuvor eine defensive Haltung nahegelegt hatte.

          Nach 2010 rechnet Darda mit Gegenwind für den Aktienmarkt. Die Gründe: steigende Zinsen und angesichts der angeschwollenen staatlichen Haushaltsdefizite auch höhere Steuersätze. Auch andere Börsianer rechnen mit einer anstehenden Korrektur. Zahlreiche Manager hatten jüngst Aktien ihrer eigenen Unternehmen verkauft. "Leute, die sich auskennen, ziehen sich früh zurück", kommentierte Art Cashin, der für die Schweizer Bank UBS den Parketthandel an der New Yorker Börse verantwortet. "Die Hausse wird ein wenig alt", sagt Cashin.

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