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Finanzkrise : Die Rezession erfasst die Märkte

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Den Globus fest im Blick: Präsident George W. Bush am Samstag auf dem Weltfinanzgipfel Bild: dpa

Die Weltwirtschaft ist in eine Rezession gerutscht, die Senkung der Leitzinsen verpufft, weil die Banken die niedrigen Sätze nicht weiter geben können. Eine internationale Koordination der Fiskalpolitik ist notwendig, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern.

          Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Rezession, die europäische Währungsunion erlebt den schwersten Wirtschaftsabschwung seit ihrer Gründung. In den Vereinigten Staaten ist der Einzelhandelsumsatz im Oktober dramatisch eingebrochen. Die globale Industrieproduktion ist im dritten Quartal nach Schätzungen von JP Morgan um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft und wird im laufenden vierten Quartal wohl um 8 Prozent zusammenbrechen. Das ist jetzt schon die schwerste Rezession seit 1980 - und der Abschwung hat gerade erst richtig an Fahrt gewonnen.

          Währen die Aktienbörsen in Europa am Freitag noch glimpflich aus dem Markt gingen und der deutsche Aktienindex Dax gar mit einem leichten Tagesplus auf 4710 Punkten schloss, rauschten die Kurse in den Vereinigten Staaten deftig nach unten: Der Standard & Poor's-500-Index schloss um 4,2 Prozent niedriger mit 873 Punkten. Seit Jahresbeginn hat dieses vielbeachtete Börsenbarometer damit nun mehr als 40 Prozent verloren, das ist der steilste Absturz der amerikanischen Aktienbörse seit 1931. Auch der Dax, der die Woche mit minus 4,6 Prozent abschloss, hat seit Jahresbeginn gut 40 Prozent eingebüßt.

          Mit fiskalpolitischen Mitteln aus der Abwärtsspirale

          Auf dem G-20-Treffen in Washington haben sich die Staatsoberhäupter darauf verständigt, mit fiskalpolitischen Hilfsmaßnahmen einer Abwärtsspirale in der Realwirtschaft zu begegnen. In der jetzigen Rezession ist dies wichtiger als in jeder anderen Rezession der Nachkriegszeit, die Gefahr einer Deflation ist so groß wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

          Deflation sollte unter allen Umständen vermieden werden, denn sie würgt das Wirtschaftswachstum auf lange Zeit ab, wie sich in Japan gezeigt und es die Welt in den dreißiger Jahren erlebt hat. Die Angst vor einer Deflation an den Finanzmärkten ist groß, wie sich an den kollabierten Rohstoffpreisen ablesen lässt. Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent ist seit Juli von 147,50 Dollar bis Donnerstag auf nur noch 50,60 Dollar je Barrel (159 Liter) gerutscht. Am Freitag kostete das Barrel Brent-Öl in London aber wieder gut 54 Dollar.

          Banken geben niedrige Leitzinsen nicht weiter

          Normalerweise greift eine expansive Geldpolitik der Notenbanken, um eine Abwärtsspirale in der Realwirtschaft aufzuhalten. Zwar knüppeln die Zentralbanken derzeit ihren jeweiligen Leitzins nach unten, wie die Bank von England mit ihrer dramatischen Leitzinssenkung von sogar 150 Basispunkten gezeigt hat. Manche Notenbanken nehmen dabei sogar die Gefahr einer scharfen Abwertung ihrer Währung in Kauf, wie dies bei dem dramatischen Wechselkursverlust des Pfund zu beobachten ist.

          Aber niedrigere Leitzinsen müssen von den Banken über günstigere Kreditvergabekonditionen an die Realwirtschaft weitergegeben werden. Daran mangelt es aber aus folgendem Grund: Die Banken und alle mit Fremdkapital extrem aufgeblähten Finanzinvestoren wie zum Beispiel Hedge-Fonds müssen erst ihre Risikopositionen aus dem Haus schaufeln, bevor sie sich neue Kreditrisiken einhandeln können.

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