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Finanzkrise : Argentinien wertet Peso ab

  • -Aktualisiert am

Wohin geht die Reise? Bild: AP

Dirigistische Maßnahmen sollen Argentinien aus der Krise bringen. Und IWF-Chef Köhler muss Kritik einstecken.

          Eine kontrollierte Abwertung, Preiskontrollen und Hilfen für Arbeitslose sollen die argentinische Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Einen entsprechenden Wirtschaftsplan des peronistischen Interims-Präsidenten Eduardo Duhalde verabschiedete das Abgeordnetenhaus in Buenos Aires in der Nacht zum Sonntag. Die Zustimmung des Senates stand noch aus, galt aber als sicher, da neben den Peronisten auch die oppositionelle Radikale Bürgerunion (UCR) den Plan billigt.

          Duhalde erhält demnach wirtschaftliche Sondervollmachten für die verbleibenden zwei Jahre seiner Amtszeit, unter anderem um das Konvertibilitätsgesetz aufzuheben, das den Wechselkurs des Peso vor mehr als zehn Jahren fest im Verhältnis eins zu eins an den Dollar gebunden hatte. Die Regierung plant, den Wechselkurs künftig zu splitten. Im Außenhandel soll ein Dollar auf 1,40 Peso fixiert werden, während im übrigen Devisenverkehr der Wechselkurs freigegeben werden soll.

          IWF-Chef Köhler unter Druck

          Der geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Deutsche Horst Köhler, gerät wegen des Krisenmanagements in Argentinien unter Druck. Der angesehene Nationalökonom und langjähriger IWF-Chefvolkswirt, Michael Mussa, sei im Sommer aus Verärgerung über die Freigabe einer weiteren Kredittranche für Buenos Aires zurückgetreten. Diese Entscheidung nenne Mussa nun “die schlimmste, die der Währungsfonds je getroffen hat“, berichtet die Berliner Zeitung.

          “Die Rezession wird auf Grund unserer Politik länger dauern und tiefer sein, als wenn wir den Geldhahn ein halbes Jahr früher abgedreht hätten“, zitiert das Blatt einen hochrangigen IWF-Manager. Köhler habe “noch im Sommer gutes Geld dem schlechten hinterhergeworfen“, obgleich dem inzwischen zurückgetretenen Präsidenten de la Rua schon damals das Wasser bis zum Hals gestanden“ habe. Die zusätzlichen Kredite seien wirkungslos verpufft.

          Versuche kontrollierter Abwertung bisher immer gescheitert

          Von der Abwertung erhofft sich die argentinische Regierung nun ein Ankurbeln der Exporte. Doch ähnliche Versuche einer kontrollierten Abwertung in anderen lateinamerikanischen Ländern wie beispielsweise Mexiko 1994 scheiterten; binnen Stunden mussten die Regierungen die Wechselkurse gänzlich freigeben. Um das Finanzsystem auf die Änderungen vorzubereiten, bleiben auf Anweisung der Zentralbank bis Dienstag Banken und Wechselstuben geschlossen.

          Preiskontrollen und "Entlassungsverbot"

          Die Inflationsgefahr soll durch Preiskontrollen bei Medikamenten, Kraftstoffen und Dienstleistungen eingedämmt werden. Damit sollen auch sozial Schwache geschützt werden. Für arbeitslose Familienvorstände wird es kommende Woche zudem eine Hilfe von 200 Dollar monatlich geben, verkündete Arbeitsminister Alfredo Atanasof. Sechs Monate lang dürfen außerdem Arbeitnehmer nur in Ausnahmefällen entlassen werden.

          "Kleinkredite" werden in Peso umgewandelt

          Auf Dollar laufende Mietverträge sollen in Pesos umgewandelt und 180 Tage lang eingefroren und dann neu verhandelt werden; Kredite von Privatleuten und mittelständischen Firmen sowie Hypotheken, die nicht mehr als 100.000 Dollar betragen, werden dem Gesetz zufolge ebenfalls in Pesos umgewandelt. Unklar war zunächst, was mit den Festgeldern und Sparkonten in Dollar passieren würde. Die Regierung wollte diese ursprünglich nicht abwerten und zog den entsprechenden Passus nach Protesten der Banken zurück; die Abgeordneten fügten aber aus Furcht vor weiteren Protesten eine nicht näher definierte "Schutzklausel für Sparguthaben" wieder ein. Aus Regierungskreisen verlautete, dass vorerst die Einlagen sechs Monate eingefroren bleiben, und dass auch am umstrittenen Limit von tausend Dollar monatlich bei Barabhebungen von Girokonten festgehalten wird.

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