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Finanzkrise : Argentinien wertet Peso ab

  • -Aktualisiert am

Belastung von Banken und Großunternehmen getragen

Die Hauptlast der Abwertung tragen damit Banken und Großunternehmen. Beide Interessengruppen hatten in den vergangenen Tagen erheblichen Druck auf die Regierung ausgeübt. Ihnen will die Regierung nun mit der Ausgabe von Bonds, die durch eine Sondersteuer auf Erdölexporte gedeckt sind, aus dem Liquiditätsengpass helfen. Duhalde hatte am Freitag die "Allianz zwischen politischer Macht und Finanzkapital" für beendet erklärt. Der Wirtschaftswissenschaftler Roberto Cachanosky kritisierte den Plan in der Zeitung "La Nacion" als protektionistisch und willkürlich.

"Wenn dies durchkommt, machen wir hier dicht", zitierte ihrerseits die Zeitung "Pagina 12" einen ausländischen Bankier. Auch die ausländischen Eigentümer der in den 90er Jahren privatisierten Staatsunternehmen etwa im Energie -und Telefonbereich, sind betroffen, da sie nicht mehr ihre Einnahmen auf Dollarbasis kalkulieren können und ihre Tarife vorerst nicht erhöhen dürfen. Insbesondere spanische Firmen wie Repsol, Telefonica und die Banken BBVA und Santander sind in Argentinien exponiert. Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar hatte Presseberichten zufolge besorgt bei Duhalde angerufen und die Einhaltung der Spielregeln verlangt. Kritik äußerte auch Ex-Präsident Carlos Menem, ein innerparteilicher Gegenspieler Duhaldes. Die Abwertung verschärfe die Spaltung der Gesellschaft in arme Pesobesitzer und reiche Dollarbesitzer, sagte der peronistische Parteichef einem chilenischen Radiosender. Zustimmend äußerten sich hingegen die Gewerkschaften sowie der Präsident von Fiat Argentina, Vicenzo Barello. Die Abwertung sei ein Riesenvorteil für die Produktion, sagte er.

Hilfe des IMF dürfte notwendig sein

Duhalde - der fünfte Präsident seit der Bürgerrebellion vom 20. Dezember - rechtfertigte seine drastischen Maßnahmen mit den Worten, er wolle ein Blutbad verhindern. Nach Ansicht der Dresdner Bank wird die Regierung zur Umsetzung ihres Planes dringend Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigen. Diese werde vor allem von der Fortsetzung der strikten Haushaltsdisziplin abhängen, schrieb die Bank in ihrer Tagesanalyse.

Erste Folgen der Abwertung waren seit Freitag zu spüren: zahlreiche Lebensmittel-und Elektrogerätehändler erhöhten ungeachtet der Kritik von Regierung und Verbraucherschützern die Preise oder horteten Waren; manche Geschäfte blieben ganz geschlossen. Vor allem Medikamente für Zucker- und Aidskranke wurden knapp, da die Hersteller nur noch gegen Barzahlung in Dollar liefern wollten. Die brasilianische Regierung versprach, rasch Medikamente zu schicken. In den Nachbarländern wurden unterdessen Befürchtungen vor unlauterem Wettbewerb laut. Paraguay verkündete protektionistische Schritte, um sich vor Billigimporten aus Argentinien zu schützen, der uruguayische Peso verlor im Abwertungsstrudel übers Wochenende ebenfalls an Wert.

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