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Finanzdienstleistungen : Riesige Verluste können Fannie-Mae-Aktie nicht dauerhaft belasten

  • Aktualisiert am

Hoffen auf neue Unterstützunsgpakete? Bild: AFP

Viermal so hoch wie erwartete fiel der Verlust des staatsnahen amerikanischen Hypothekenfinanzierers Fannie Mae im ersten Quartal aus. Nach anfänglichem Kursrutsch notiert die Aktie indes im Plus. Möglicherweise spekulieren Anleger auf Wahlkampfgeschenke.

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          Nach dem Schrecken, den die Bank of America den Anleihegläubigern des angeschlagenen Hypothekenfinanzierers Countrywide am Montag versetzte und den schwachen Zahlen und Ausblicken aus der Finanzbranche vom Dienstag, ist es mit der trügerischen Selbstberuhigung hinsichtlich der von den Vereinigten Staaten ausgehenden Immobilien- und Finanzkrise wohl vorbei.

          Auch am Dienstag müssen die amerikanischen Anleger damit leben, dass aus dem Immobiliensektor weiter schlechte Nachrichten zu hören sind. Diesmal schockte der staatsnahe, größte amerikanische Hypothekenfinanzierer Fannie Mae die Börse mit einem neuen Milliardenverlust.

          Überraschend hoher Verlust

          Angesichts der sich verschärfenden amerikanischen Immobilienkrise verzeichnete das Institut im ersten Quartal einen Verlust von 2,51 Milliarden Dollar oder 2,57 Dollar je Aktie, wohingegen Analysten lediglich mit einem Verlust von 0,81 Dollar je Aktie gerechnet hatten. Im Vorjahresquartal hatte Fannie Mae noch einen Gewinn von 826 Millionen Dollar eingefahren. Bereits am Jahresende 2007 hatte Fannie Mae bereits einen Rekordverlust von 3,6 Milliarden Dollar verbucht.

          Bild: F.A.Z.

          Nun sollen Anleger bei einer Kapitalerhöhung sechs Milliarden Dollar zuschießen, zudem kündigte das Institut eine Kürzung der Dividende an. Fannie Mae hatte schon im Dezember Vorzugsaktien im Wert von 7 Milliarden Dollar emittiert, um seine Kapitaldecke zu stärken.

          Fannie Mae vergibt keine Hypotheken direkt an Hausbesitzer, sondern kauft diese Darlehen von Hypothekenbanken. Die Hypothekeninstitute refinanzieren sich auf diese Weise. Fannie, das einen staatlichen Auftrag zur Förderung des Wohneigentums hat, verpackt die Hypotheken dann in Wertpapiere und reicht sie an Investoren weiter.

          Kreditausfälle sollen 2009 noch steigen

          Das Institut sieht so schnell noch kein Land in Sicht und erwartet , dass 2009 die Kreditausfälle sogar noch zunehmen. Nachdem die Hauspreise in den Vereinigten Staaten seit ihrem Höchststand mittlerweile um insgesamt rund 15 Prozent gesunken sind, erwartet Fannie Mae, dass sie im laufenden Jahr um weitere sieben bis acht Prozent nachgeben.

          „Sie erkennen nun, dass die Kreditverluste beträchtlich höher sein werden als 2007“, sagte Ajay Rajadhyaksha, Leiter der Rentenstrategieabteilung von Barclays Capital in New York der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. „Der Häuser- und der Kreditmarkt verschlechtern sich rapide. Diese Kapitalerhöhung wird nicht die letzte sein.“

          Und die Hausbesitzer kommen immer stärker unter Druck. Abgesehen davon, dass immer mehr variable verzinsliche Darlehen von anfänglichen Dumping-Zinsen auf Marktniveau umgestellt werden, kassieren jetzt die Hypothekenfinanzierer zunehmend die vor Jahren mit beiden Händen ausgereichten „Home Equity Loans“ ein, die Verbrauchern zu einem höheren Lebensstandard durch Belastung ihrer Häuser verhalfen.

          Nichts passiert

          Countrywide hat beispielsweise am Dienstag in Las Vegas allen Kunden die Kreditlinien gestrichen, mittlerweile sind davon 600.000 Kreditlinien landesweit betroffen, nach Schätzungen von Experten könnte sich das Volumen auf immerhin 6 Milliarden Dollar belaufen. Insgesamt stehen 1,1 Billionen Dollar an so genannten Home Equity Loans aus.

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