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Finanzdienstleistungen : MLP bleibt eine spekulative Angelegenheit

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MLP hat seine bereits früher halbierte Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2002 infrage gestellt. Kein gutes Zeichen.

          MLP hat sich immer gewehrt gegen Beschuldigungen und die „ungerechte“ Behandlung von Hedgefonds, die die Aktie lange Zeit in ihrem Visier hatten. Aber schlussendlich hatte der Markt recht. Denn das Unternehmen hat am Freitag nun auch noch seine bereits früher halbierte Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2002 angesichts des schwachen Börsen- und Konjunkturumfelds infrage gestellt.

          Das klingt im aktuellen Umfeld immer gut als Begründung, dürfte allerdings genauso wie in der Politik nur die halbe Miete sein. Denn allein aus dem operativen Geschäft seien die angestrebten 100 Millionen Euro vor Steuern nur schwer erreichbar, teilte der Versicherungs- und Finanzmakler am Freitag in Heidelberg mit. Nun solle der Erlös aus dem Verkauf der Österreich-Tochter doch zumindest zum Teil in das Ergebnis einfließen. Einschließlich dieses Effekts werde der Konzerngewinn vor Steuern deutlich über 100 Millionen Euro liegen. Das Ergebnis wird also nun plötzlich ganz offiziell mit einmaligen Sondererträgen „aufgefrischt“. Bisher war genau das immer bestritten worden.

          "Das ist eine klare Gewinnwarnung"

          "Das ist eine klare Gewinnwarnung", kommentierte ein Analyst einer deutschen Bank das Zahlenwerk in einer ersten Reaktion. „Außerdem war das dritte Quartal unter den Erwartungen. Das wird die Aktie unter Druck setzen.“ Und mit dieser Einschätzung lag er völlig richtig. Denn im Vormittagshandel liegt das Papier am Freitag mit bis zu drei Prozent im Minus.

          Im dritten Quartal konnte MLP trotz der anhaltenden öffentlichen Diskussion um die Geschäfts- und Bilanzierungspraktiken seine Gesamterlöse um 14 Prozent ausbauen. Der Gewinn vor Steuern halbierte sich aber auf 7,7 Millionen Euro. Beim Gewinn blieb MLP damit am unteren Ende der Erwartungen. In den ersten neun Monaten ging das Ergebnis vor Steuern auf 60,8 Millionen Euro zurück. Die Verunsicherung an den Kapitalmärkten sowie über die Entwicklung bei Steuern und den Sozialversicherungen nach der Bundestagswahl hätten die Voraussetzungen für das gewöhnlich starke Jahresschlussgeschäft eingetrübt, sagte ein Sprecher.

          Die Gesamterlöse wuchsen in den Monaten Juli bis September zum Vorjahr auf 246,5 Millionen Euro von 215,6 Millionen Euro und lagen damit über den Schätzungen der meisten Analysten. „Dies zeigt die enorme Robustheit unseres Geschäftsmodells", urteilte MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen. Vom nächsten Jahr an rechne MLP wieder mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten, hieß es. Termühlen hatte zuletzt von 20 Prozent mehr pro Jahr gesprochen.

          Die alte „Trommelei“ setzt wieder ein

          Das scheint wieder die alte „Trommelei“ zu sein, die die Märkte in Boomzeiten noch in Euphorie fallen ließ. Aber auf Grund der jüngsten Entwicklungen - immerhin waren die Staatsanwälte zuletzt noch vor wenigen Tagen im Hause - dürften Zweifel angebracht sein, ob das operative Geschäft die angekündigten hohen Wachstumsraten erzielen kann. Damit ist der Blick auf die Bewertung der Aktien eher ernüchternd. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 für das Jahr 2002 liegt sie deutlich über den Wettbewerbern. Und allzuweit nach vorne wird niemand so richtig zu blicken wagen.

          Vor diesem Hintergrund bleibt das Papier nicht viel mehr als eine spekulative Angelegenheit. Der Anleger wird ohne große Probleme solidere Alternativen finden. Charttechnisch deutet sich nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Monate gerade einmal eine Bodenbildung an.

          Aktienverlauf der MLP-Aktie

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