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Finanzdienstleistungen : Für eine Trendwende dürfte es bei der Allianz-Aktie nicht reichen

  • Aktualisiert am

Die Dresdner macht der Allianz immer noch keine rechte Freude Bild: AP

Als „stark“ werden die Zahlen bezeichnet, die die Allianz am Freitag für das erste Halbjahr vorlegte. Doch es gibt auch einige kritische Punkte. Zudem ist das Klima für Finanzwerte weiterhin alles andere als günstig.

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          Die Allianz ist sicher Deutschlands bekanntester Versicherungskonzern. Doch Bekanntheitsgrad und Erfolg sind nicht immer Geschwister. das wissen Allianz-Langzeitaktionäre nur allzu gut.

          Die großen Erfolge des Papiers liegen mittlerweile zehn Jahre zurück. Damals erlitt die zuvor eher langweilige Notierung einen Höhenrausch, der sie binnen dreier Jahre von rund 150 Euro bis auf 441,16 Euro nach oben führte - ein Kursniveau, von dem Anleger mittlerweile nur noch träumen können.

          Aufwärtstrend unterbrochen

          Der Kurs des Papiers stürzte zwischen dem März 2000 und dem Frühjahr 2003 um fast neunzig Prozent ab. Wer damals allerdings einstieg, konnte sich dann vier Jahre lang über Kursgewinne freuen, die ihren vorläufigen Höhepunkt aber mit dem Fünf-Jahres-Hoch Ende Juni bei 178,64 Euro erreichten.

          Bild: FAZ.NET

          Seitdem hat der Kurs wieder um über zwölf Prozent nachgegeben. Auslöser waren mehrere schlechte Nachrichten, vor allem en Bericht der FAZ über mögliche Sammelklagen in den Vereinigten Staaten, wo die Tochter Allianz Life Rentenversicherungen mit falschen Bonusversprechungen vermarktet haben soll. Analyst Nick Holmes von der Investmentbank Lehman Brothers bezifferte seinerzeit die potentiellen Belastungen für den Konzern auf 900 Millionen Euro.

          In der Folgezeit wurden die Nachrichten nicht besser, vor allem als der Konzern sich abermals zur Dresdner Bank bekannt. Deren Kauf sollte einst der Grundstein für einen modernen Allfinanzkonzern sein, doch scheint sich bis heute nicht recht auszuzahlen. Unter 1.000 Kunden des Konzerns kaufen nur vier Produkte aller drei Konzernsparten Versicherung, Bank und Fondsgesellschaft. Und so wurde im Zuge der Restrukturierungsbemühungen auf einen Verkauf der „DreBa“ spekuliert, was den Kurs trieb. Nicht besser macht es das allgemein schlechte Klima für Finanzwerte aufgrund der krisenhaften Entwicklungen an den Finanzmärkten.

          Englische Flut belastet Schadensgeschäft

          Der Freitag ist indes wieder ein besserer Tag. Der Kurs der Aktie steigt zur Eröffnung um immerhin 1,8 Prozent, nachdem der Konzern Gute Zahlen für das erste Halbjahr vorlegte und erstmals eine Gewinnprognose für 2007 abgab. „Wir erwarten in diesem Jahr einen Überschuss von rund acht Milliarden Euro“, sagte Vorstandschef
          Michael Diekmann am Freitag. Schon 2006 hatten die Münchner mit sieben Milliarden Euro ein neue Rekordmarke gesetzt und so viel verdient wie kein anderes deutsches Unternehmen.

          Bis Juni summiert sich der Nettogewinn bereits auf über 5,3 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal verzeichnete die Allianz allerdings einen Gewinnrückgang um sechs Prozent auf 2,14 Milliarden Euro. Damit wurden die Analystenerwartungen dennoch leicht übertroffen.

          Hauptgrund für den Rückgang war ein schlechteres Ergebnis im wichtigsten Konzernbereich, der Schaden-Unfallversicherung. Hier fiel der Überschuss im zweiten Quartal um zwölf Prozent auf 1,38 Milliarden Euro und die „Combined Ratio“ (Schaden-Kosten-Quote) stieg um einen Punkt auf 92,9 Prozent. Verantwortlich dafür macht die Allianz die starken Regenfälle in England.

          Hana-Verkauf treibt Gewinne

          In den restlichen Divisionen verzeichnete der Konzern auf den ersten Blick deutliche Zuwächse. So stieg der Überschuss in der Lebens- und Krankenversicherung um fast die Hälfte auf 479 Millionen Euro und in der Vermögensverwaltung erzielte die Allianz ein Plus von fast 50 Prozent auf 134 Millionen Euro. Begünstigt wurde das Ergebnis auch durch den Verkauf der knapp fünfprozentigen Beteiligung an dem südkoreanischen Versicherer Hana Financial. Der Großteil des Buchgewinns sei im zweiten Quartal verbucht worden, sagte eine Sprecherin. Genaue Zahlen nannte sie zunächst nicht. Analysten schätzen den Buchgewinn auf insgesamt rund 300 Millionen Euro.

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