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Finanzaktien : Mit Europas Banken lässt sich Geld verdienen

Schmuck sieht sie ja aus, die Frankfurter Skyline. Doch auch für die Aktien der hier ansässigen Institute gilt: Wer die Anteilscheine kaufen will, sollte das Geschäftsmodell der Geldhäuser sorgfältig prüfen. Bild: Irl, Maria

Bankaktien sind so billig wie nie. Kein Wunder nach mehr als vier Jahren Krise. Mutige Anleger fassen jetzt wieder Vertrauen.

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          Man könnte Hendrik Leber für einen waghalsigen Zocker halten: Da steckt Europa inmitten einer schweren Schuldenkrise, und was macht der Chef der Frankfurter Vermögensverwaltung Acatis? Er investiert in Bankaktien. Nicht im Übermaß, aber in manchen Fonds seines Hauses kommen Bankenwerte auf einen Anteil von rund fünf Prozent.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ausgerechnet Aktien der Banken. Kaum eine Wertpapierart leidet unter den Verwerfungen in Europa so stark wie die Anteilsscheine der Geldinstitute, jedes Aufflackern der Krise bringt sie aufs Neue unter Druck. Gewinnt in Frankreich der Sozialist Hollande die erste Runde der Präsidentschaftswahlen, geben die Kurse französischer Großbanken wie BNP Paribas und Société Générale nach. Nehmen die Sorgen um Spanien zu, sinkt der Wert des iberischen Instituts Santander. Ein schwieriges Umfeld, in dem auch starken Geldhäusern wie der Deutschen Bank ständig Kursrückschläge drohen.

          Bei schwachen Nerven: Finger weg!

          Ist Vermögensverwalter Leber also tatsächlich ein Zocker? Sicher nicht. Er folgt nur dem nüchternen Investmentprinzip, dann zu kaufen, wenn sich alle anderen ängstlich zurückhalten. So sichert er sich jetzt Aktien zu einem niedrigen Preis. An späteren Kursanstiegen kann Leber dann kräftig verdienen. „Gerade bei einigen Banktiteln ist die Kaufgelegenheit günstig“, ist Leber überzeugt. Für Investoren mit schwachen Nerven gilt trotzdem: Finger weg! Die Risiken sind hoch. Mutige Privatanleger können Lebers Strategie jedoch nachahmen.

          Gute Nachrichten aus der Bankbranche gingen zwar zuletzt im Strudel schwacher Quartalszahlen unter. Aber es gibt sie. Die Institute haben den Ausfall Griechenlands Anfang des Jahres überstanden, immerhin eine Extremsituation, die Europa monatelang in Atem hielt. Sie haben sich von riskanten Geschäftsfeldern getrennt, ihre Kapitaldecke erhöht. Und schließlich können die Geldhäuser vor allem ein Argument für sich geltend machen: Sie werden weiter gebraucht, ohne sie funktioniert eine Marktwirtschaft nicht.

          Zu billig?

          Wie aber auswählen? Auf vermeintlich günstige Einkaufstour können Anleger derzeit bei nahezu allen Banken im Euroraum gehen. Die Aktie der Commerzbank notiert bei einem Kurs von weniger als zwei Euro, das Papier der italienischen Unicredit bei rund drei Euro - beide in Nähe ihres Tiefststandes, beide billig. Das allein kann aber kein Kriterium für Investoren sein.

          Die entscheidende Frage muss anders lauten: Sind die Aktien zu billig? Unterschätzen also die übrigen Marktteilnehmer das Aufwärtspotential, das in ihnen schlummert? Nur dann können sich die Verlustpapiere wieder zu Gewinnbringern im Depot entwickeln.

          Welche Geldhäuser auf ein solches Plus hoffen können, hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem aber von einem: dem weiteren Fortgang der Schuldenkrise. „Der Kauf von Bankaktien ist eine Wette auf einen guten Krisenausgang“, sagt Dieter Hein, Bankanalyst des Analysehauses Fairesearch.

          Echte Trendwende nicht in Sicht

          Beruhigt sich die Lage dauerhaft, könnte das eine positive Kettenreaktion in Gang setzen: Investoren würden Banken wieder mehr Vertrauen entgegenbringen, in der Folge könnten die Institute leichter Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Salopp gesagt: Sie wären wieder flüssig und ihre Aktien generell im Plus. Tatsächlich gab es zuletzt solch einen Hoffnungsschimmer. Zwischen Januar und Ende März konnten sich die Institute mehr Geld über den Kapitalmarkt besorgen als in der gesamten zweiten Jahreshälfte 2011. Auch die Kurse legten in diesem Zeitraum kräftig zu.

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