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Filmfirmen : Die Schlacht der Blockbuster

  • Aktualisiert am

Tuna Amobi von S&P erklärt, warum Analysten ein waches Interesse an den Kassenerfolgen des diesjährigen Filmsommers haben.

          Am 4. Mai brachte Sony seine mit Spannung erwartete Superhelden-Comicverfilmung „Spider-Man 3“ auf die amerikanischen Leinwände und feuerte damit die erste Salve in der alljährlichen Schlacht der Hollywood-Blockbuster ab. In diesem Jahr zünden die meisten großen Filmstudios die durchschlagskräftige Waffe des Filmgewerbes. Zwei Wochen nach dem Kinostart von Spider-Man 3 legt DreamWorks mit „Shrek 3“ nach, gefolgt von Disneys „Fluch der Karibik 3“ und Warners „Harry Potter und der Orden des Phönix“, um nur einige zu nennen.

          Am 7. Mai erzielte „Spider-Man 3“ nach dem Startwochenende Rekordeinnahmen an den amerikanischen Kinokassen in Höhe von 151,1 Millionen Dollar; die Sony-Aktie stieg um 1,23 Dollar und schloss am 9. Mai bei 54,41 Dollar. In der zweiten Woche blieb das Einspielergebnis allerdings enttäuschende 60 Prozent hinter dem der Vorwoche zurück; die Aktie gab an einem einzigen Tag 1,41 Dollar ab und notierte am 15. Mai mit 52,70 Dollar.

          Sony ist zwar ein diversifiziertes Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten in der Unterhaltungselektronik und im Bereich Finanzdienstleistungen, doch die Performance eines Films wie „Spider-Man 3“ kann sich entscheidend auf das Ergebnis auswirken.

          Um herauszufinden, welche Auswirkungen die Fortsetzungsepisoden auf Medienaktien haben können, sprach BusinessWeek-Reporter Douglas MacMillan mit Tuna Amobi, einem leitenden S&P-Aktienanalysten mit Fokus auf die Medien- und Unterhaltungsbranche.

          Welche Rolle spielen Franchise-Filme für die großen Filmstudios?

          Die Studios nennen sie „Tent-Pole“*-Filme. Da diese Franchise-Filme auf ein bestimmtes Stammpublikum zählen können, versuchen die Studios damit das Risiko ihrer übrigen Filme abzudecken. Bei 15 bis 20 Filmstarts pro Jahr wollen die Studios sichergehen, dass zumindest ein paar von ihnen nicht nach hinten losgehen. Sicher ist jedoch, dass nichts sicher ist.

          In den kommenden vier Monaten laufen acht Filme mit großem Budget an. Wird der Wettbewerb damit härter?

          Auf jeden Fall. Bei einer derartigen Anhäufung in einem relativ engen Zeitfenster sind einige dieser Filme möglicherweise noch nicht sehr lange in den Kinos, bevor ein Nebenbuhler auf der Bildfläche erscheint. Entscheidend wird daher sein, dass jeder Film bereits in der ersten Woche so viele Zuschauer wie möglich anlockt.

          „Spider-Man 3“ eröffnete den Frühjahr/Sommer-Spielplan, zwei Wochen später kommt „Shrek 3“ von DreamWorks auf die amerikanischen Leinwände. Das Durchhaltevermögen des Spinnenmanns wird damit auf die erste Probe gestellt.

          Welches Studio muss nach einem enttäuschenden Jahr 2006 in dieser Saison alle Register ziehen?

          Time Warners Warner Bros. ist zwar der König der Eventfilme, 2006 war jedoch ein eher durchwachsenes Jahr mit einigen Rohrkrepierern an den Kinokassen, darunter etwa „Poseidon“. In diesem Jahr scheint Warner einige starke Filme am Start zu haben, beispielsweise den neuen Harry-Potter-Streifen, „Ocean's 13“ und „Rush Hour 3“.

          Wie gut kann man den Erfolg eines Kinofilms an der Kursentwicklung der Aktie seines Mutterkonzerns ablesen?

          Das hängt vom Studio ab. Medienriesen wie News Corp. (Muttergesellschaft der Fox Studios) und Sony sind breit aufgestellte Unternehmen mit vielen Vermögenswerten, die das Risiko von Big-Budget-Filmen mindern. Bei Unternehmen wie DreamWorks ist die Aktie jedoch ein guter Indikator, wie gut Streifen wie „Shrek 3“ in den Kinos ankommen.

          Welchen Anteil haben Private-Equity-Gesellschaften an der in diesem Sommer geführten Schlacht der Blockbuster?

          Zahlreiche Filmstudios versuchen, ihre Risiken durch externe Investoren abzusichern. Diese Absicherung von Verlustrisiken geschieht indes nicht notwendigerweise bei Nachfolge-Filmen - wir beobachten diesen Trend eher bei kleineren Produktionen. Die meisten dieser Blockbuster weisen ein enormes Gewinnpotential auf. Abschreibungen sind für sie kein Thema. Unter Einbeziehung der Einnahmen aus DVD-Verkäufen können sie mehr als 500 Millionen Dollar einspielen.

          *Zeltstange

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