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Fernost : Talfahrt an Asiens Börsen

  • Aktualisiert am

ASX, Australien Bild: FAZ.NET

In nur drei Handelstagen hat das indische Börsenbarometer Sensex 20 Prozent verloren. Am schwächsten aber laufen in diesem Quartal die noch vor kurzem hochgelobten japanischen Aktien. Asiens Börsen stehen im Zeichen der Korrektur.

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          Die asiatischen Börsen im Zeichen der Korrektur: Keine einzige der großen Börsen lag am Montag im Plus: Der australische ASX verlor 1,5 Prozent, der japanische Nikkei 225 1,8 Prozent - und das waren noch die besten Märkte. Der Jakarta Composite Index büßte mehr als 6 Prozent ein, der Hang Seng Index in Hongkong 3,1 Prozent. Der südkoreanische Kospi verlor 2,5 Prozent, der indische Sensitive Index (Sensex) mehr als vier Prozent.

          Der Sensex war denn auch der Index, der am Montag am meisten gebeutelt wurde. In der Spitze sackte das Börsenbarometer um mehr als zehn Prozent ab und fiel unter die Marke von 10.000 Punkten. Auslöser waren die schwächeren Rohstoffpreise. Verschärft wurde der Kursrutsch, als Investoren Aktien verkaufen mußten, um Nachschußforderungen nachzukommen.

          Handel in Indien für eine Stunde ausgesetzt

          An den Börsen des Landes wurde der Handel für eine Stunde angehalten. Danach konnten die Aktien einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachen. Die Regierung erklärte, daß die Banken die Investoren dabei unterstützen würden, Forderungen nachzukommen. „Das ist ein typisches Beispiel für die Angst vor einem Börsencrash“, sagt Teo Chon Kiat, Vermögensverwalter bei DBS Asset Management in Singapur. „Bei jedem Einbruch gibt es Nachschußforderungen. Es herrschen immer Angst, Unsicherheit und immer werden einige Investoren versuchen ganz auszusteigen.“

          Nikkei 225, Japan

          Bis zum Handelsende erholte sich der Sensex wieder etwas, das Börsenbarometer schloß 4,2 Prozent niedriger bei 10.481,77 Punkten. Damit hat der Sensex innerhalb von drei Handelstagen bis zu 20 Prozent verloren. Die Stimmung hellte sich erst wieder etwas auf, als Finanzminister Palaniappan Chidambaram erklärte, daß es am Aktienmarkt kein Barmittelproblem gebe. Die Banken würden „ausreichend Mittel“ zur Verfügung stellen, um Aktien zu bezahlen, fügte er hinzu.

          Börsenschwergewichte verlieren deutlich

          Titel von Reliance Industries, zu der die weltweit drittgrößte Raffinerie gehört, erholten sich wieder etwas. Die Titel schlossen 4,6 Prozent niedriger, nachdem sie zuvor bis zu 17 Prozent eingebrochen waren. Für Aktien von Infosys Technologies, den zweitgrößten Softwareanbieter Indiens, ging es fünf Prozent abwärts. Die beiden Aktien machen von ihrer Gewichtung her etwa ein Fünftel im Sensex aus.

          Bergbaukonzerne wie Tata Steel und Hindalco Industries zählten zu den Verlierern, nachdem die Metallpreise fielen. Für Tata, den zweitgrößten Stahlkonzern des Landes, ging es 6,1 Prozent abwärts. Aktien von Hindalco, dem größten Anbieter von Nichteisenmetallen in Indien, verbilligten sich 4,8 Prozent.

          Zinkproduzent Hindustan verliert 20 Prozent

          Titel von Hindustan Zinc brachen um 20 Prozent ein. Der größte indische Zinkproduzent kündigte an, daß er den Preis für das Metall senken müsse, nachdem der Zinkpreis in London abgerutscht ist. Die Kupfer-Terminkontrakte sackten am Montag in Schanghai bis zum Tageslimit von vier Prozent ab.

          Zuvor war gemeldet worden, daß die Lagerbestände auf den höchsten Stand seit zwölf Wochen angeschwollen sind. Außerdem ging die Nachfrage aus China, dem weltgrößten Kupferverbraucher, zurück.

          Als Folge der Talfahrt am indischen Aktienmarkt verbilligte sich auch die Landeswährung. Die Rupie notierte 0,1 Prozent niedriger bei 45,5920 Rupien je Dollar. Zuvor hatte sie bis zu 0,5 Prozent auf 45,8050 Rupien verloren. Das war der schwächste Kurs seit mehr als fünf Monaten.

          Schwächste Performance in Japan

          Die schwächste Performance im asiatischen Raum weisen im laufenden Quartal aber die japanischen Aktien auf. Das Gewinnwachstum der Unternehmen verlangsamt sich aufgrund der höheren Rohstoffkosten und des stärkeren Yen. Der Nikkei 225 Stock Average hat im laufenden Quartal sieben Prozent verloren und damit den gesamten Gewinn seit Jahresanfang wieder abgegeben. Für den Asia-Pacific-Index (ohne Japan) von Morgan Stanley Capital International ging es von Anfang April bis zum 19. Mai hingegen 3,3 Prozent aufwärts.

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