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VW-Skandal : Fehler, Schwindel, Kurssturz

Bild: dpa

Um fast 40 Prozent ist der Kurs der VW-Aktie gefallen. Das hat in Deutschland vorher nur ein großes Unternehmen übertroffen: VW selbst.

          9 Min.

          Selten fallen Aktienkurse so spektakulär wie in dieser Woche bei VW. Nur weil das Management die Technik manipuliert hat. Oft genug ist bei solchen Kursstürzen eine gehörige Portion Bilanzkosmetik im Spiel. Manchmal ist sie Ursache und manchmal nur ein Symptom vorheriger Fehler, die damit vertuscht werden sollen. Sie ist jedoch oft genug fatal.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für extreme Kursstürze gibt es aber auch andere Ursachen. FAZ.NET fasst die spektakulärsten Fälle der vergangenen 30 Jahre im Überblick zusammen:

          Toshiba: In der Bilanz gepfuscht

          Wenn Unternehmen schummeln, dann oft genug in ihren Bilanzen. Das hat auch der Elektronikkonzern Toshiba getan. Toshiba hatte im April 2015 Probleme in der Buchhaltung eingeräumt und im Mai dann angekündigt, Gewinnangaben korrigieren zu müssen. Daraufhin fiel der Kurs am 11. Mai um 16,5 Prozent. Eine unabhängige Untersuchungskommission kam am Ende zu dem Schluss, dass der Konzern seinen Reingewinn über sieben Jahre hinweg um mehr als 155 Milliarden Yen (rund 1,2 Milliarden Euro) zu hoch ausgewiesen hatte. Der Skandal kostete Konzernchef Hisao Tanaka und mehrere weitere Top-Manager den Job. Im vergangenen Geschäftsjahr stand unter dem Strich ein Fehlbetrag von 37,8 Milliarden Yen. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 60,2 Milliarden Yen erwirtschaftet. Mit unrealistischen Vorgaben habe das Management seine Angestellten „systematisch“ unter Druck gesetzt, hieß es. Es habe keine interne Aufsicht gegeben. Als Folge sei es in fast allen Geschäftsbereichen zu Unregelmäßigkeiten gekommen.

          Bilfinger: Vom Baukonzern zum Gewinnwarnungsspezialisten

          Der Baukonzern Bilfinger hatte genug davon, ein Baukonzern zu sein und wollte ein Dienstleister werden. Als der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch 2011 das Amt des Vorstandschefs übernahm, war das eine Sensation. Doch Koch wurde den Anforderungen nicht gerecht. Ob das sein Fehler war oder aber die schon vom Vorgänger eingeschlagene Strategie falsch war, ist umstritten. Tatsache bleibt, dass Koch gezwungen war, zweimal die Gewinnprognose für das laufende Jahr zu senken. Doch erst als sein Nachfolger und Vorgänger Herbert Bodner die dritte Gewinnwarnung aussprach, krachte der Kurs am 23. April 2015 um 18 Prozent ein. Da hatten dann wohl die letzten Anleger den Glauben verloren. Seit 1. Juli hat Bilfinger zwar einen neuen Chef, der Aktienkurs hat sich aber nicht erholt.

          Airbag von Takata: Trotz Tests viel Pfusch

          Dass Airbags von Takata Probleme bereiten ist im Prinzip seit 1999 bekannt. 2004 riss dann der erste Airbag. Doch das Unternehmen bekam die Probleme nicht in den Griff. Im Oktober 2014 sprach die amerikanische Verkehrsaufsicht schließlich eine dringende Warnung vor den Airbags aus. Die Reaktion der Takata-Aktie am 17. Oktober 2014: ein Kursverlust von 23 Prozent. Aus der seinerzeit angeordneten Rückrufaktion wurde schließlich mit 34 Millionen Fahrzeugen die größte Rückrufaktion aller Zeiten. Erholt hat sich der Aktienkurs bis heute nicht.

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