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Schwacher Wochenauftakt : Showdown am Aktienmarkt

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Mit Spannung schauen Händler auf die wegweisende Entscheidung der Notenbank Fed am Mittwochabend. Bild: dpa

Der Erholungsversuch des Dax ist erst einmal gescheitert. Unter anderem drückte eine stärkerer Euro die Kurse. Die Börsianer warten nun auf die Zinssitzung der amerikanischen Notenbank Fed und deren wegweisende Entscheidung.

          Hat die chinesische Wirtschaft die Kurve gekriegt? Lange bröckelte das Wachstum ab, jetzt geht es wieder etwas aufwärts. Chinas Industrie produzierte nun im November mehr als erwartet, und die Einzelhändler konnten sich über deutlich bessere Geschäfte freuen. Fachleute sehen das als Anzeichen dafür, dass die Regierung in Peking mit ihrem massiven Konjunkturprogramm einen Absturz der Wirtschaft verhindert hat. Das feierten zunächst auch die Anleger in Frankfurt zum Wochenauftakt - denn China ist ein wichtiger Handelspartner.

          Am Nachmittag drehte jedoch der deutsche Leitindex ins Minus und knüpfte somit an seinen knapp vierprozentigen Kursrutsch in der vergangenen Woche an. Der zwischenzeitliche Jahresgewinn von rund 26 Prozent ist inzwischen auf knapp 5 Prozent zusammengeschmolzen. Zum Börsenschluss am Montag stand der Dax 1,94 Prozent tiefer bei 10.139,34 Punkten. Der anziehende Eurokurs hatte die Börse in die Knie gezwungen:

          Die deutlich über 1,10 Dollar gestiegene Gemeinschaftswährung verteuert Produkte für Käufer außerhalb der Währungszone, was vor allem die exportstarken Autotitel zu spüren bekamen. Zudem verwiesen Börsianer darauf, dass sich die Anleger vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Notenbank Fed am Mittwochabend weiter zurückhalten dürften

          Am Markt wird erwartet, dass die Fed zur Wochenmitte den Ausstieg aus ihrer langjährigen Nullzinspolitik bekanntgibt. Die Vorsitzende der Fed, Janet Yellen hatte zuletzt ihre Zuversicht in die heimische Wirtschaft bekräftigt. Die Wirtschaft dürfte die Ziele der Notenbank erreichen. Endlich lasse Janet Yellen die Zins-Katze aus dem Sack, frohlock Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Damit schaffe sie endlich klare Fakten. Den Finanzmärkten dürfte ein Stein vom Herzen fallen. Die Fed könnte verloren gegangene Glaubwürdigkeit wieder aufbauen. Denn aus Sicht von Halver hat Yellen seit ihrem Amtsantritt mit ihrer langatmigen Zinserhöhungs-Kommunikation die Börsen irritiert.

          Am Freitag steht dann der "Hexensabbat" auf dem Plan: An diesemgroßen Verfallstag laufen an der Terminbörse viele Wetten auf Dax, M-Dax und Tec-Dax aus. Mit den Optionen und Futures spekulieren Anleger auf die Bewegungsrichtung der großen deutschen Aktienindizes. Am Abend verfallen Optionen und Futures auf einzelne Aktien. Wegen der mitunter wilden Zuckungen an den Märkten wurde der Begriff "Hexensabbat" geprägt. Die Tage gehen oft mit starken Kursausschlägen insbesondere bei Aktien-Schwergewichten und den Indizes einher.

          Von Unternehmensseite sind dagegen kaum wegweisende Nachrichten zu erwarten. Aus Dax und MDax steht lediglich die Metro am Dienstag mit der Bilanz für das Geschäftsjahr 2014/15 auf der Agenda. Der Handelskonzern dürfte aber noch keinen Ausblick geben und das Weihnachtsgeschäft abwarten, bremste Fondsmanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel die Spannung.

          Auch Prada berichtet am Dienstag über die Geschäfte. Aus den Ergebnissen könnten Anleger Rückschlüsse auf das Geschäft von Unternehmen wie Hugo Boss ziehen, sagte de Schutter. Anleger dürften auf Signale zum Geschäft in Asien und vor allem China achten. Diese Märkte hatten Luxusgüteranbietern zuletzt zu schaffen gemacht. Anstehende Indexveränderungen, die zum 21. Dezember umgesetzt werden, könnten die Börsianer auch beschäftigen. Viele professionelle Anleger achten besonders stark auf Aktien, die in den großen Indizes vertreten sind und positionieren sich entsprechend. Die Papiere der Bayer-Kunststofftochter Covestro steigen wie die Titel des Außenwerbers Ströer in den M-Dax auf.

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