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Fed : Die Geldschwemme fördert die Risikofreude

  • -Aktualisiert am

Droht eine Finsternis? Notenbanken spielen ein riskantes Spiel Bild: F.A.Z., Claus Setzer

Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der amerikanischen Geldpolitik hat bei vielen Anlegern die Risikoscheu vertrieben. Die Kurse steigen, die Renditeaufschläge für riskantere Anleihen sinken. Doch die relative Stabilisierung könnte trügen, warnen Skeptiker.

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          Parallel zu den kräftigen Kursgewinnen auf den Aktienmärkten, haben sich in den vergangenen Wochen auch die Bedingungen auf den wichtigsten Kreditmärkten entspannt. So sind zum Beispiel die Absicherungskosten für Forderungen gegen europäische Banken von knapp 2 Prozent Ende Mai auf zuletzt weniger als 1,2 Prozent der versicherten Summen gesunken; die Kosten für Absicherungsgeschäfte für Forderungen gegen finanzschwache Industrieunternehmen haben sich im selben Zeitraum von rund 6 auf 4,5 Prozent ermäßigt.

          Entspannung signalisiert auch der Markt für Euro-Staatsanleihen. Seit September hat sich der Renditeabstand zwischen deutschen und griechischen Staatsanleihen von rund 9,5 auf 6,5 Prozentpunkte verringert. Für irische, portugiesische und spanische Titel ist die Bewegung etwas weniger stark, aber auch für sie fallen die Risikoprämien.

          Finanzierung auf Dauer untragbar

          Sind die Kapitalmärkte also auf dem Weg der Genesung? Jochen Felsenheimer, Fachmann für Kreditmärkte beim Münchener Vermögensverwalter Assenagon, meldet Zweifel an. Die Risikoprämien seien zwar allerorten gesunken, doch das Niveau sei immer noch besorgniserregend hoch. Tatsächlich sind die Finanzierungskosten der Euro-Peripherieländer auf einem so hohen Niveau, dass die finanzschwachen Staaten sie auf Dauer kaum werden tragen können.

          Frisches Kapital: Fed steigert Risikofreude auf dem Anlegermarkt

          Wollte und könnte Griechenland derzeit langlaufende Anleihen begeben, würde der Zins fast 9 Prozent betragen. Für Irland und Portugal läge der Wert bei mehr als 6 Prozent. Und das, obwohl die Europäische Zentralbank immer wieder auf dem Markt interveniert und so die langfristigen Zinsen gedrückt hat, wenn auch bisher mit relativ geringen Beträgen. Bis jetzt hat die EZB für diesen Zweck rund 63 Milliarden Euro ausgegeben.

          Dax erreicht neues Jahreshoch

          In Übersee geht die amerikanische Notenbank Federal Reserve mit anderen Summen um und begünstigt damit die Bewegung der Anleger in riskantere Anlagen. Analysten der niederländischen ING Bank schätzen die Beträge der von der Notenbank initiierten Geldschwemme, die – abzüglich der Liquiditätsreserven der Banken – auf die Kapitalmärkte geströmt sind, auf mehr als 600 Milliarden Dollar.

          Für die nächste Runde der Anleihekäufe der Fed, die Vertreter der Notenbank angedeutet haben, werden weitere 500 Milliarden Dollar erwartet. Einige Beobachter halten sogar bis zu 1000 Milliarden Dollar für möglich. Diese Aussicht auf noch mehr Geld begünstigt die gute Stimmung auf den Aktienmärkten – der Dax gewann am Donnerstag in der Spitze abermals 0,8 Prozent und erreichte im Verlauf mit 6486 Punkten ein neues Jahreshoch.

          Mit Ausweitung der Risikoprämien rechnen

          Doch das Spiel, das die Notenbanken betreiben, ist riskant, warnt Vermögensverwalter Felsenheimer. „Die Geldschwemme heizt kurzfristig die Nachfrage an, treibt die Kurse hoch und verschleiert so die ungelösten Probleme.“ In Irland zum Beispiel brauche das Bankensystem 30 Milliarden Euro Eigenkapital vom Staat, bei einer Bevölkerungszahl, die der von Oberbayern entspreche. Griechenland reduziere zwar sein Defizit, habe jedoch nicht an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Über kurz oder lang sei deshalb wieder mit einer Ausweitung der Risikoprämien zu rechnen.

          Dass mit einer Inflationierung niemandem geholfen wäre, glaubt auch Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank. „Der Glaube, dass traditionelle fiskalische und monetäre Instrumente die von der globalen Finanzkrise ausgehenden Wirtschaftsprobleme lösen werden, könnte sich als Illusion erweisen“, sagte Bini Smaghi am Donnerstag auf einer Konferenz.

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