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FAZ.NET-Spezial : MDax erstmals fünfstellig

Bild: F.A.Z.

Seit sechs Jahren laufen die Nebenwerte besser als die Standardwerte im Dax. Am Donnerstag hat der MDax zeitweise sogar die Hürde von 10.000 Punkten genommen. 13 Unternehmen der ersten Stunde sind noch dabei.

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          Der MDax ist am Donnerstagvormittag erstmals überhaupt auf mehr als 10.000 Punkte gestiegen. Am frühen Nachmittag fiel der Index indes wieder unter diese Marke. Das Erreichen der runden Zahl ist das I-Tüpfelchen auf einer überdurchschnittlichen Entwicklung des MDax im Vergleich zum Dax, die sich nun schon über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren zurückverfolgen lässt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Volker Borghoff, Aktienstratege von HSBC Trinkaus & Burkhard, gibt es dafür vor allem eine Erklärung: „Den großen Unternehmen weltweit und auch in Europa fehlt es an Wachstumsdynamik. Die Nebenwerte sind dynamischer. Das lenkt das Anlegerinteresse vor allem in ohnehin steigenden Aktienmärkten auf sie.“ Borghoff glaubt nicht, dass mit dem Anstieg auf 10.000 Punkte die Anleger im MDax den Mut verlieren. „Diese Zahl hat keine echte Relevanz. Der Index kann durchaus noch weiter steigen.“

          1996 erstmals berechnet

          Erstmals berechnet wurde der MDax am 19. Januar 1996. Als Basis diente ein Punktestand von 100 zurückgerechnet auf das Jahresende 1987. Zuvor hatte es neben dem Dax nur den Dax-100 gegeben. Die siebzig Aktien des Dax-100, die nicht im Dax waren, fanden von 1996 an ihre eigene Heimat im MDax.

          Premiere dank Premiere: Der MDax steigt auf mehr als 10.000 Punkte

          Die inzwischen in den Dax aufgestiegene Münchener Rück, die Anfang des Jahrtausends in Schieflage geratene Bankgesellschaft Berlin und die im Jahr 2000 mit RWE fusionierten Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) waren zum Start die größten Gesellschaften im MDax. Unter den Unternehmen der „ersten MDax-Stunde“ finden sich auch Unternehmen wie Holzmann, Bremer Vulkan, Spar oder Deutsche Babcock, an die Anleger wohl überwiegend schlechte Erinnerungen haben dürften.

          Seit Juni um 40 Prozent gestiegen

          Mit dem faktischen Ende des Neuen Marktes im März 2003 wurde der MDax auf 50 Aktien verkleinert und die Aktien hinter dem Dax neu sortiert. Die klassischen Branchen sind seither noch eindeutiger im MDax, die Technologieaktien im Tec-Dax. Im März 2003 wies der MDax noch weniger als 3.000 Punkte auf. Von den MDax-Unternehmen der ersten Stunde sind noch Hochtief, Beiersdorf, Heidelberg Zement, Gehe (heute firmierend als Celesio), Südzucker, IKB, Depfa, Bilfinger Berger, Fresenius, IVG, IWKA, Rheinmetall und Krones dabei.

          Seine jüngste Aufwärtsetappe startete der MDax Mitte Juni vergangenen Jahres, nachdem er zuvor mit den Aktienmärkten weltweit korrigiert hatte. Seither ist er um 40 Prozent gestiegen. Seit Mitte Juni haben alle MDax-Aktien, auch der schwächste Wert Südzucker, zulegen können.

          Übernahmespekulationen treiben die Kurse

          Auffällig viele Aktien, die überdurchschnittlich gestiegen sind, kamen aus stark konjunkturabhängigen Branchen wie der Motorenhersteller Deutz und der Stahlkonzern Salzgitter. Analysten führen dies auf die im Jahr 2006 besser als erwartet ausgefallene Weltkonjunktur zurück. Hinzu kommen Übernahmeangebote für Unternehmen wie Techem und Schwarz Pharma sowie Übernahmespekulationen um Unternehmen wie Hochtief und Premiere, die die Kurse treiben.

          Den MDax stützt auch, dass Unternehmen mit schlecht laufendem Geschäft und sinkenden Kursen schneller ersetzt werden als im Dax. Dazu trägt das rege Geschäft mit Börsengängen bei. Aus diesem Reservoir steigen immer wieder Unternehmen in den MDax auf, deren Kurs sich nach dem Börsengang gut entwickelt hat, weil die Unternehmen die Geschäftsprognosen erfüllt haben. Der Metallhändler Klöckner & Co, ebenfalls in einem sehr stark zyklischen Geschäft tätig, ist das jüngste Beispiel dafür.

          „Von Übertreibung kann keine Rede sein“

          Premiere setzte sich nach dem Kurssprung von Donnerstag sowohl in der Betrachtung ab Juni als auch in der Betrachtung seit Jahresbeginn an die Spitze der Kursgewinner. Premiere trägt damit mit dazu bei, dass der MDax allein seit Jahresanfang gut sechs Prozent zugelegt hat, während es der Dax bislang nur auf einen Zuwachs von 4,5 Prozent bringt.

          Die MDax-Aktien sind im Schnitt inzwischen rund 20 Prozent teurer als die Dax-Aktien. „Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des MDax in den letzten zehn Jahren lag bei gut 16. Gemessen hieran werden die Nebenwerte derzeit mit einem moderaten Abschlag von neun Prozent auf Basis der Gewinnschätzungen für 2007 und mit einem Abschlag von fünf Prozent auf Basis der Gewinnschätzungen für 2008 gehandelt“, relativert Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. „Nimmt man vereinfacht an, dass die Börse 15 bis 18 Monate vorausschaut, ist der MDax fair bewertet“, sagt Schlienkamp. „Von Übertreibung kann keine Rede sein.“ Er rechnet zudem damit, dass es im MDax zu weiteren positiven Gewinnrevisionen kommen wird. Darüber hinaus müsse berücksichtigt werden, dass im MDax viele Unternehmen aus „Substanzbranchen“ wie Immobilien und Bau sowie aus der Pharmabranche seien, die traditionell ein hohes KGV hätten.

          Analyst: Nebenwerte unverändert chancenreich

          Schlienkamp schätzt die grundsätzlichen Perspektiven der deutschen Nebenwerte als unverändert chancenreich ein. Gleichwohl seien einige Branchen und Unternehmen auch reif für den Verkauf. Dies zeige auch die zunehmend auseinander klaffende Kursentwicklung von MDax-Werten seit Jahresbeginn. So stiegen zum Beispiel Wacker-Chemie um mehr als 25 Prozent, Südzucker und Heidelberg Druck verloren dagegen fast zehn Prozent.

          „Es ist Stock Picking angesagt“, meint Schlienkamp. Eindeutig zum Kauf empfiehlt er die Aktien von Heideldruck, Norddeutsche Affinerie und Pfleiderer. Verkaufen sollten seiner Ansicht nach die Anleger Hochtief, EADS und IVG.

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