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FAZ.NET-Spezial : Frankreichs Energiefusion negativ für Versorger-Aktien

  • Aktualisiert am

Sinnfällig: Frankreichs Premier Villepin (r) und Finanzminister Breton verkünden die Fusion Bild: picture-alliance/ dpa

Das Karussell der Fusionen und Übernahmen in der Energiebranche dreht sich immer schneller. Doch mit der angekündigten innerfranzösischen Fusion scheint die Dominanz nationalstaatlicher Politik über wirtschaftliche Überlegungen zu beginnen.

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          Immer wilder und immer kurioser dreht sich das Versorger-Karussell. Doch was lange Zeit eher wie eine normale Konsolidierung auf einem deregulierten Markt wirkte, nimmt immer stärkere Züge nationalen Protektionismus' an.

          Mit der am Wochenende in Windeseile zusammen gezimmerten Fusion der beiden französischen Energiekonzerne Suez und Gaz de France hat nunmehr zum ersten Mal ein Staat direkt in den Energiemarkt eingegriffen.

          Nationales Vorspiel in Spanien

          Schon das Vorspiel in Spanien trug Züge einer national orientierten Politik. Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero lehnt das Angebot der Eon AG zur Übernahme der Endesa SA ab (Brautwerbung um Endesa sorgt bei Anleihen für Bewegung). Zapatero betrachte den Stromsektor als strategisch, deshalb müsse Endesa in spanischen Händen bleiben, schreibt etwa die Tageszeitung „Cinco Dias“. Zapateros Sprecher Fernando Moraleda ließ verlauten, die spanische Regierung werde die Regeln des Marktes respektieren. Allerdings sei sie der Überzeugung, daß es in einem strategischen Sektor wie dem der Energieversorgung von nationalem Interesse sei, ein Unternehmen mit spanischer Muttergesellschaft zu haben.

          Bild: FAZ.NET

          Dem wesentlich weniger attraktiven Übernahmeangebot der spanischen Gas Natural, das vor allem keine Bar-Komponente beinhaltet, sondern auf Verkäufen von Teilen von Endesa basiert und für dessen Aufstockung Gas Natural seine Verschuldung bis zur Grenze des Erlaubten erhöhen will, hat der spanische Staat dagegen zugestimmt.

          Schlechter Tausch für Suez-Aktionäre

          Das Vorgehen Frankreichs ist weit offener. Die zu 80 Prozent im Staatsbesitz befindliche Gaz de France fusioniert mit dem privaten Energiekonzerns Suez, um einem Übernahmeangebot durch die italienische Enel zuvorzukommen. Das Ganze geht auch noch zu Lasten der Suez-Aktionäre. Denn nach den Kursen vom Freitag sollten diese eine Gaz de France-Aktie und eine Sonderdividende von einem Euro für ihre Suez-Aktien erhalten.

          Das bedeutet auf Basis der Schlußkurse vom Freitag 30,50 Euro für 33,98 Euro. Kein Wunder also, wenn die Aktien von Suez heute nachgaben und die von Gaz de France stiegen.

          Auch langfristig sind die Suez-Aktionäre eher als Verlierer anzusehen. Denn Suez hat eine lange Geschichte der privaten Führung, in Gestalt des einen Vorgängerunternehmens Lyonnaise des Eaux, das mit der in ihrer Geschichte zumeist staatlichen Suez-Gruppe 1997 verschmolzen wurde.

          Ungünstige Zeichen für die Zukunft der Branche

          Im neuen Unternehmen wird der französische Staat zwar nicht mehr die Mehrheit halten. Aber die Suez-Gruppe sieht sich dennoch künftig einer höheren staatlichen Eingriffsintensität ausgesetzt und in die Suez-Gruppe werden die Strukturen eines erst im vergangenen Jahr teilprivatisierten traditionellen Staatskonzerns hineingetragen.

          Und von diesem hatten die Anleger bislang wenig gehalten. So liegt der aktuelle Kurs von 29,96 Euro nur wenig über dem ersten notierten Kurs von 28,50 und dies auch erst seit dem vergangenen Donnerstag dank der Fusionsspekulationen. Suez hingegen legten seit Anfang 2003 von einem Tief bei 8,74 Euro stetig zu und notierten zuletzt auf einem Vier-Jahres-Hoch.

          Das französische Vorgehen setzt obendrein ein ungünstiges Zeichen für künftige Fusionsvorhaben. Denn dies könnten die Regierungen Spaniens und Italiens als Präzedenzfälle werten und ihre Bemühungen verstärken, selbst nationale Versorgungsmonopole zu schaffen, die sich dann von Marktgegebenheiten kaum noch leiten lassen.

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