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Fast-Food-Ketten : Auf der Suche nach Ideen

Soll künftig noch mehr Chinesen schmecken Bild: dapd

Nachdem McDonald’s und andere in den vergangenen Jahren ihr Image veränderten, versucht nun auch Burger King nachzuziehen. Experten sind aber skeptisch, ob der Umbau gelingt.

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          Bei Burger King ist wieder Ernüchterung eingekehrt. Als die Aktie des Fast-Food-Konzerns vor einem Monat an die New York Stock Exchange zurückkehrte, war sie der umjubelte Star. Ihr Kurs stieg zeitweise um bis zu 9 Prozent, am ersten Tag schloss sie mit 2,6 Prozent im Plus. Nach einem Auf und Ab lag die Notierung zuletzt bei 15,50 Dollar und hat damit seit ihrem Start etwa 8 Prozent an Wert gewonnen.

          Franz Nestler
          (fne.), Wirtschaft

          Das Unternehmen ist damit in ruhigere Gewässer angelangt, nachdem es sich in den vergangenen Jahren im Besitz wechselnder Investoren befand. Zuletzt erwarb der Finanzinvestor 3G Capital die Burger-Kette 2010 für 4 Milliarden Dollar und nahm sie direkt vom Kurszettel. Für 3G Capital ein Geschäft, das sich später auszahlte. Denn im Frühjahr diesen Jahres kaufte der Finanzinvestor Justice für 1,4 Milliarden Dollar 29 Prozent der Anteile. Gemeinsam brachten beide die Schnellrestaurant-Kette wieder an die Börse.

          Zwei globale Größen

          In den zwei Jahren ohne handelbare Burger-King-Aktien blieben nur zwei globale Fast-Food-Größen auf dem Parkett vertreten: McDonald’s und Yum-Brands. Während erstere weltweit sehr bekannt sind, ist der Name Yum-Brands der breiten Öffentlichkeit in Deutschland kaum geläufig. Hinter diesem Unternehmen stecken mehrere Ketten wie Pizza-Hut, Taco Bell oder Kentucky Fried Chicken.

          Beide profitierten sehr stark von dem Rückzug: So war McDonald’s im vergangenen Jahr der Konzern mit den höchsten Kursgewinnen im Dow Jones Industrial Index, Yum-Brands verdoppelte in den vergangenen beiden Jahren sogar seinen Wert an der Börse. „Allein das Argument, gegessen wird immer, zieht aber nicht mehr“, sagt Mitchell Speisser, Analyst bei der Buckingham Research Group. Beide Konzerne haben in den vergangenen Jahren ihre Geschäftsmodelle entscheidend geändert, um im hart umkämpften Fast-Food-Markt mithalten zu können.

          Weg von den Dickmachern

          McDonald’s hat begonnen, weg von den klassischen Dickmachern wie Big Mac, Pommes und Chicken Nuggets weg zu gehen und setzt nun mehr auf fett- sowie kalorienreduzierte Kost. Außerdem rüstet der Konzern gerade alle Filialen mit Kaffee-Bars aus, da dieses Geschäft margenträchtiger ist. „Der Konzern möchte mehr zum Verweilen einladen und den Ertrag pro Kunden erhöhen“, sagt Speisser. In Europa kommt noch dazu, dass das Augenmerk auch auf dem Umwelt-Aspekt liegt. Sogar die Firmenfarbe wurde - zumindest bei Neueröffnungen - von rot auf grün geändert. Später sollen alle Filialen folgen. Von 31 von Bloomberg befragten Analysten raten daher 19 zum Kauf der Aktie, 12 weitere zumindest sie zu halten. Der Zielkurs wurde auf etwa 102 Euro taxiert (aktueller Kurs etwa 92 Euro).

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          Ganz anders die Taktik bei Yum-Brands. „Dort setzt man nach wie vor auf klassisches Fast-Food“, sagt Speisser. Und vor allem auf den asiatischen Markt als starkes Standbein. Mittlerweile kommt die Hälfte des Umsatzes allein aus China, jeden Tag eröffnen zwei neue Filialen. Durch dieses rasante Wachstum hat Yum-Brands mit 37 000 Filialen mittlerweile schon McDonald’s überholt, die 32 000 Filialen auf der Welt verteilt haben. Auch Yum-Brands empfehlen die meisten Analysten zum Kauf, so auch Speisser: „Yum hat drei Kernmarken, das ist ein Vorteil gegenüber McDonald’s, die nur eine Marke haben“, so der Analyst. Laut Bloomberg raten von 24 Analysten 16, die Aktie zu kaufen. Acht weitere empfehlen, sie zumindest zu halten. Der Zielkurs über 12 Monate liegt nach Analysteneinschätzung bei 78 Euro, aktuell sind es etwa 64 Euro.

          Ein Standbein in China

          Burger King versucht nun eine Symbiose aus beiden Taktiken: Einerseits will die Schnellrestaurant-Kette ein starkes Standbein in China aufbauen, wo sich bisher nur 64 Filialen befinden. In den nächsten fünf Jahren sollen 1000 neue Läden eröffnen. Denn dort hat der Fast-Food-Konzern noch Nachholbedarf. Yum betreibt mit seinen Marken KFC und Pizza Hut bereits mehr als 4500 in China, McDonald’s mehr als 1400. Andererseits verkündete Nordamerika-Chef Steve Wiborg, man wolle nun auf kleinere und gesündere Speisen sowie mehr Salate und Kaffee setzen, seitdem stehen zehn neue Gerichte auf der Karte. Auch die Zutaten sollen künftig frisch im Restaurant verarbeitet werden und nicht mehr fertig geliefert werden. Außerdem sollen 1000 Restaurants in den Vereinigten Staaten allein dieses Jahr modernisiert werden, 2500 weitere sollen in den nächsten zwei Jahren folgen.

          Trotzdem: Experten zeigen sich skeptisch, ob der Umbau gelingen kann. „Es wirkt so, als würde die Strategie von anderen Unternehmen kopiert werden“, sagt ein Analyst. Ob man damit das Image wechseln kann, sei zumindest fragwürdig. Das Analystenhaus Piper Jaffray empfiehlt dennoch, die Aktie zu kaufen und setzt einen Zielkurs von 19 Dollar. Aktuell sind es etwa 15,50 Dollar.

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