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Preisverfall : Die Ölriesen gehen auf Diät

Noch wird viel Öl gefördert, wie hier aus dem Ölfeld El Sharara im Süden Libyens. Bild: Reuters

Der Preisrutsch am Ölmarkt trifft die Branche hart. Amerikas Schieferöl-Förderer leiden. Mitarbeiter von Großkonzernen wie BP bangen um ihre Stellen.

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          Harold Hamm leidet, wenn auch auf ziemlich hohem Niveau. Schätzungen zufolge hat der Gründer, Vorstandschef und Großaktionär des amerikanischen Ölkonzerns Continental Resources in den vergangenen drei Monaten rund 12 Milliarden Dollar verloren. Denn ein großer Teil von Hamms beträchtlichem Vermögen ist in Aktien seiner Ölgesellschaft gebunden, und deren Wert schmilzt dahin wie Eis in der Sonne. Seit Ende August hat sich der Börsenwert von Continental Resources mehr als halbiert, und mit ihm schwinden auch Hamms Milliarden.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Continental Resources ist einer der Marktführer im Milliardengeschäft mit dem amerikanischen Schieferöl. Medien in den Vereinigten Staaten nennen den Ölveteranen Hamm den „König des Fracking“. Aber der Ölpreisrutsch seit dem Sommer hat die Wunderbranche böse erwischt. Am Montag fiel die Notierung auf den niedrigsten Stand seit 5 Jahren. Im Boden von Texas, North Dakota und anderen amerikanischen Bundesstaaten lagern zwar gewaltige Ölreserven. Doch die Förderung mit der Fracking-Methode, bei der ölhaltige Felsformationen mit einem Cocktail aus Wasser, Sand und Chemikalien aufgesprengt werden, ist vergleichsweise aufwendig. Das macht die Branche in Zeiten der Ölpreisschwäche verwundbar.

          Wie lange rechnet sich die teure Fracking-Förderung noch? So genau weiß das bisher niemand, denn dieser Preissturz im notorisch unsteten Energiegeschäft ist der erste Härtest für die junge amerikanische Schieferölindustrie. Seit dem Sommer ist die Notierung für die amerikanische Ölsorte WTI bereits um rund 40 Prozent auf etwa 64 Dollar je Fass (zu 159 Liter) gefallen. Experten sprechen von einem Preiskrieg: Saudi-Arabien, das führende Mitglied des Ölförderkartells Opec, versuche mit Dumpingpreisen die unliebsame neue Schieferöl-Konkurrenz aus den Weiten der amerikanischen Prärien auszuhungern. Wie das Kräftemessen ausgehen wird, steht in den Sternen. Denn nicht nur die Aktienkurse der Schieferölproduzenten leiden, sondern auch die Regierungen der Opec-Staaten, die dringend auf die Petrodollars angewiesen sind.

          Bild: F.A.Z.

          Dennoch sind die Investoren nervös geworden und stoßen die Aktien von Continental Resources und anderen Schieferölkonzernen ab. Das in der Ölindustrie renommierte britische Beratungshaus Wood Mackenzie schätzt, dass sich die Investitionen in der amerikanische Ölbranche halbieren würden, wenn der Preis für längere Zeit bei 60 Dollar liegen sollte. Der in den vergangenen Jahren furiose Anstieg der amerikanischen Ölförderung werde dann zum Stillstand kommen, erwarten die Analysten.

          Aber der Preisverfall am Ölmarkt tut nicht nur amerikanischen Schieferölgesellschaften weh. Viele tausend Kilometer östlich, im fernen Kasachstan, hat ein Konsortium großer Ölkonzerne das teuerste Prestigeprojekt der Branche aus dem Boden gestampft: das riesige Kashagan-Feld im Kaspischen Meer. Nach langwierigen Verzögerungen sind die Kosten für die Erschließung explodiert und werden mittlerweile auf insgesamt rund 50 Milliarden Dollar geschätzt. Für die beteiligten Unternehmen - darunter Eni, Exxon-Mobil, Shell und Total - war Kashagan damit schon zum finanziellen Albtraum geworden, bevor der Ölpreis zu taumeln begann. Der Preisrutsch macht nun alles noch schlimmer: Analysten schätzen, dass das Großprojekt erst ab einem Ölpreis von mehr als 100 Dollar rentabel ist.

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